Sonntag, 27. September 2026 · 12:50
Indien fordert KI-Souveränität bei der UNO, iOS 27 schließt 126 Lücken, KI verdoppelt Zürcher Produktivität
The State of Tech DE vom Sonntag, 27. September 2026: Indien fordert auf der UN-Generalversammlung das Recht jeder Nation auf ein eigenes KI-Ökosystem und gibt damit europäischen Bestrebungen nach digitaler Souveränität internationalen Rückhalt. Außerdem: Apple veröffentlicht iOS 27 mit 126 Sicherheitspatches und neuen Kinderschutzfunktionen, eine Zürcher Studie sieht KI-Potenzial zur Verdopplung des Produktivitätswachstums, vier von fünf bayerischen Lehrkräften nutzen bereits KI im Unterricht, und zum Ausprobieren: der freie Foto-Editor Ansel und der offene Kartendienst OpenFreeMap.
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Transkript
Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Sonntag, der siebenundzwanzigste September 2026. Ich bin Anna Hoffmann.
Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: Indien fordert bei der UNO das Recht jeder Nation auf ein eigenes KI-Ökosystem. Apple veröffentlicht iOS 27 mit umfassenden Kinderschutzfunktionen und schließt 126 Sicherheitslücken. Eine neue Studie sagt, KI könnte das Produktivitätswachstum im Kanton Zürich verdoppeln. Vier von fünf bayerischen Lehrkräften nutzen inzwischen KI im Unterrichtsalltag. Und zum Abschluss zwei Dinge zum Ausprobieren: die freie Foto-App Ansel und der offene Kartendienst OpenFreeMap. Fangen wir an.
Indien fordert bei der UNO das Recht jeder Nation auf ein eigenes KI-Ökosystem.
Anna: Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar hat auf der einundachtzigsten Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York einen bemerkenswerten Punkt gemacht. Er sagte: Jede Nation hat das Recht, ihr eigenes KI-Ökosystem aufzubauen, mit eigenen Modellen, eigenen Einsatzstrategien und eigenen Regeln. Damit stellt sich Indien gegen die Idee, dass ein paar große Anbieter aus den USA oder China faktisch die Standards für die ganze Welt setzen. Jaishankar betonte gleichzeitig, dass die rasante Entwicklung der Technik verantwortungsvolle internationale Absprachen braucht, sonst wackelt das Vertrauen zwischen Ländern.
Klaus: Das ist ein Signal, das über Indien hinausgeht. Was Jaishankar hier formuliert, ist im Kern die Idee der KI-Souveränität: ein Land muss selbst entscheiden können, in welcher Sprache, auf welchen Daten und für welche Zwecke seine Modelle trainiert werden. Für Indien mit über zwanzig offiziellen Sprachen und einem riesigen Verwaltungsapparat ist das keine akademische Frage, sondern eine sehr praktische. Ein englisch trainiertes Modell aus Kalifornien versteht Tamil oder Marathi nicht auf demselben Niveau, und schon gar nicht die Verwaltungsrealität eines indischen Bundesstaates.
Anna: Und genau dieser Punkt ist auch für Europa und für den deutschsprachigen Raum interessant. Wir hatten in den letzten Monaten mehrfach Debatten darüber, wie viel Abhängigkeit von amerikanischen Cloudanbietern und Modellen noch tragbar ist. Frankreich hat mit Mistral einen eigenen Anbieter, Deutschland diskutiert seit langem über eigene Modelle, und die Schweiz hat Projekte an der ETH und EPFL, die genau in diese Richtung gehen. Indiens Vorstoß liefert dieser Diskussion internationale Rückendeckung: souveräne KI ist keine europäische Sondermeinung, sondern wird auch vom Globalen Süden gefordert.
Klaus: Es gibt allerdings auch die andere Seite. Wenn jedes Land sein eigenes Ökosystem baut, drohen Fragmentierung, doppelte Kosten und Modelle, die außerhalb ihres Heimatmarktes kaum funktionieren. Deshalb war Jaishankars zweiter Satz so wichtig: internationale Governance und gegenseitiger Respekt. Beobachter in New York lesen die Rede als Versuch, eine Mittelposition zu markieren, zwischen einer rein amerikanisch dominierten KI-Welt und einer chinesisch abgeschotteten. Ob daraus konkrete UN-Strukturen entstehen, ist offen; erste Vorschläge für ein internationales KI-Gremium liegen seit Monaten auf dem Tisch.
Apple veröffentlicht iOS 27 und schließt 126 Sicherheitslücken auf einen Schlag.
Anna: Apple hat in der Nacht iOS 27, iPadOS 27 und macOS 27 veröffentlicht. Das große, jährliche Update. Zwei Dinge stechen heraus: die schiere Menge an geschlossenen Sicherheitslücken, rund einhundertsechsundzwanzig, und ein ausgebautes Paket an Kinderschutzfunktionen. Für Eltern ist das der größte Umbau seit Jahren. Kinder-Accounts lassen sich jetzt deutlich einfacher einrichten, und in Safari gibt es eine neue Funktion, mit der Kinder um Erlaubnis fragen müssen, bevor sie eine neue Webseite öffnen dürfen. Auf Deutsch heißt das im Menü sinngemäß "Um Erlaubnis fragen".
Klaus: Dazu kommt eine erweiterte Schutzfunktion in Nachrichten und FaceTime. Bisher erkannte das System Nacktheit in Bildern und machte sie unkenntlich, bevor ein Kind sie sieht. Jetzt greift derselbe Mechanismus auch bei grafischer Gewalt und bei Videos, und die Erkennung läuft komplett auf dem Gerät, ohne dass Inhalte an Apple geschickt werden. Für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet das: mehr Kontrolle, ohne dass die Privatsphäre der Kinder an einen Cloud-Dienst wandert. Das ist ein wichtiger Unterschied, den man in der Debatte oft vergisst.
Anna: Der zweite große Block sind die reinen Sicherheitsupdates. Einhundertsechsundzwanzig geschlossene Lücken ist eine Zahl, die zeigt, wie groß die Angriffsfläche moderner Betriebssysteme geworden ist. Für normale Nutzer heißt das schlicht: möglichst zeitnah installieren. Wer sein iPhone oder iPad noch nicht aktualisiert hat, sollte das in den Systemeinstellungen unter Softwareupdate tun. Der Download ist groß, plant also etwas Zeit und genug Akku ein. Apple hat außerdem angekündigt, dass Apple Intelligence, die eigene KI-Plattform, mit dem Update neue Funktionen bekommt, viele davon rollen aber schrittweise in den nächsten Wochen aus.
Klaus: Zum Umgang mit den neuen Kindersicherungen gibt es einen praktischen Hinweis: die Funktionen sind nur so gut wie ihre Einrichtung. Ein Familienkonto ohne Altersangabe des Kindes greift nicht, und "Um Erlaubnis fragen" muss aktiv geschaltet werden. Verbraucherschützer in Deutschland weisen seit Monaten darauf hin, dass Standardvorgaben oft zu lax sind. Wer das Update installiert, sollte die neuen Menüs also einmal in Ruhe durchgehen, gemeinsam mit dem Kind. Das kostet zehn Minuten und ändert danach den Alltag spürbar.
Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.
Neue Zürcher Studie: KI könnte das Produktivitätswachstum im Kanton verdoppeln.
Klaus: Das Zürcher Wirtschaftsmonitoring hat eine Studie vorgelegt, die aufhorchen lässt. Kern der Aussage: Künstliche Intelligenz könnte das jährliche Produktivitätswachstum im Kanton Zürich in den kommenden zehn Jahren um zusätzliche eins Komma eins Prozent steigern. Das entspricht in etwa einer Verdopplung des bisherigen Wachstums. Besonders profitieren würden wissensintensive Bereiche, also Informations- und Kommunikationstechnik, Finanzdienstleistungen, Beratung und Verwaltung. Fast die Hälfte der Zürcher Unternehmen setzt generative KI laut Erhebung bereits systematisch ein.
Anna: Interessant ist der Blick auf den Arbeitsmarkt. Die Zahl der Stellensuchenden in Berufen, die stark von KI berührt sind, ist gestiegen. Gleichzeitig ist aber die Gesamtbeschäftigung im Kanton gewachsen. Das passt zu einem Bild, das Ökonomen seit einiger Zeit zeichnen: KI verdrängt selten ganze Berufe auf einmal, sondern verschiebt Aufgaben. Wer neue Tools früh in den Arbeitsalltag integriert, bleibt gefragt; wer sich verweigert, gerät stärker unter Druck. Die Studie sieht deshalb Weiterbildung als zentralen Hebel.
Klaus: Die Autoren betonen außerdem, dass kleine und mittlere Unternehmen mehr Unterstützung brauchen. Große Banken und Versicherungen am Zürcher Standort können sich eigene KI-Teams leisten. Ein Handwerksbetrieb im Zürcher Oberland oder ein Ingenieurbüro mit fünfzehn Mitarbeitenden hat diese Kapazität nicht. Die Studie empfiehlt gezielte Programme, damit KMU nicht zurückfallen. Für die Politik im Kanton dürfte das ein Auftrag sein, den man in den nächsten Budgetdebatten wiederfindet.
Anna: Ein Blick über die Kantonsgrenze zeigt: Zürich ist kein Sonderfall, aber ein Pionier. Ähnliche Studien aus Deutschland und Österreich rechnen mit Wachstumsimpulsen, allerdings meist niedriger, weil die Wirtschaftsstruktur breiter aufgestellt ist. Der Anteil wissensintensiver Dienstleistungen ist in Zürich besonders hoch, und genau dort schlägt KI am stärksten durch. Für Vergleiche mit deutschen Bundesländern oder österreichischen Regionen bedeutet das: die Zürcher Zahl ist ein Maximalwert unter günstigen Bedingungen.
Vier von fünf bayerischen Lehrkräften nutzen KI bereits im Unterrichtsalltag.
Klaus: Der Bayerische Philologenverband hat rund dreitausenddreihundert Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen befragt. Das Ergebnis ist eindeutig: Achtzig Prozent nutzen inzwischen Künstliche Intelligenz für ihre Arbeit. Das ist eine Größenordnung, die vor zwei Jahren noch undenkbar schien. Zweiundsechzig Prozent setzen KI ein, um Aufgaben zu erstellen. Jeweils einundfünfzig Prozent nutzen sie für Unterrichts- und Stundenplanung sowie für Texte und Übersetzungen. Knapp vierzig Prozent bringen KI-Tools direkt in den Unterricht mit den Schülerinnen und Schülern.
Anna: Bemerkenswert ist, wie die Lehrkräfte das selbst einordnen. Der Grundton in der Umfrage ist positiv: KI wird als Arbeitserleichterung erlebt, besonders bei Routinearbeiten wie dem Formulieren von Aufgabenblättern oder dem Anpassen von Texten an unterschiedliche Niveaus. Gleichzeitig gibt es klare Kritik am staatlichen Angebot. Bayern hat eine eigene, für Schulen bereitgestellte KI-Plattform, aber viele Befragte sehen dort Nachbesserungsbedarf, sowohl bei der Leistungsfähigkeit als auch bei der Integration in bestehende Systeme.
Klaus: Die Zahlen werfen auch Fragen zur Aufsicht auf. Wenn vierzig Prozent der Lehrkräfte KI im Unterricht einsetzen, entstehen neue Situationen: Wer haftet für einen fehlerhaften KI-Output in einem Arbeitsblatt? Dürfen Schülerdaten in ein Sprachmodell fließen? Der Philologenverband fordert deshalb klare Handreichungen, was erlaubt ist und was nicht. Bisher liegt vieles im Ermessen der einzelnen Schule.
Anna: Bayern ist mit dieser Umfrage einer der ersten großen Datenpunkte, aber sicher nicht der letzte. In Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg laufen ähnliche Erhebungen. In Österreich hat das Bildungsministerium bereits Leitlinien für KI in der Schule veröffentlicht, und in der Schweiz gibt es kantonale Pilotprojekte. Der Trend ist überall derselbe: die Praxis läuft der Regulierung davon, und die Verbände drängen auf einen verbindlichen Rahmen.
Zum Abschluss zwei praktische Tipps, zuerst der freie Foto-Editor Ansel.
Klaus: Zum Abschluss noch zwei Dinge, mit denen ihr heute konkret etwas anfangen könnt. Der erste Tipp richtet sich an alle, die viel fotografieren und ihre Raw-Dateien selbst bearbeiten wollen. Der freie, quelloffene Foto-Editor Ansel ist eine ernsthafte europäische Alternative zu Adobe Lightroom. Ansel ist aus dem Darktable-Projekt hervorgegangen und wurde von einer Gruppe rund um die französische Entwicklerin Aurélien Pierre neu aufgesetzt, mit Fokus auf klarere Bedienung und modernere Farbwerkzeuge.
Anna: Das Programm läuft auf Windows, macOS und Linux und ist komplett kostenlos. Es verarbeitet Raw-Dateien aller gängigen Kamerahersteller, also Canon, Nikon, Sony, Fujifilm und viele mehr. Der große Unterschied zu einem Abo-Programm: alle Fotos bleiben auf dem eigenen Rechner. Es gibt keinen Cloud-Zwang und keinen Account. Wer bisher Lightroom-Abogebühren zahlt und nur zu Hause bearbeitet, kann sich das ernsthaft anschauen.
Klaus: Nutzer berichten, dass die Einarbeitung ein paar Stunden braucht, weil Ansel eine eigene Logik hat und nicht einfach eine Kopie kommerzieller Programme ist. Dafür wird gelobt, wie präzise die Farbwerkzeuge arbeiten und wie sauber Kontraste und Belichtung sich steuern lassen. Für Portraits und Landschaftsfotos wird das Programm in Reviews besonders empfohlen. Für Sportfotografie mit Serienbild-Serien gibt es bessere Werkzeuge, das räumen die Entwickler selbst ein.
Anna: Ein praktischer Hinweis zum Einstieg: Ansel importiert bestehende Darktable-Bibliotheken, ihr müsst also nicht bei Null anfangen, wenn ihr von dort kommt. Die Webseite ansel punkt photos hat eine bebilderte Anleitung auf Englisch und Französisch, eine deutsche Übersetzung ist in Arbeit. Ein Nachmittag Ausprobieren reicht, um zu wissen, ob das Programm zum eigenen Arbeitsstil passt.
Der zweite Tipp: der offene Kartendienst OpenFreeMap für eigene Webseiten.
Klaus: Der zweite Tipp ist für alle, die eine kleine Webseite betreiben oder ein Vereins- oder Firmenprojekt planen, auf dem eine Karte eingebunden werden soll. Wer bisher Google Maps benutzt, kennt das Problem: seit einigen Jahren kostet das Geld, sobald mehr als eine Handvoll Besucher die Karte laden, und man muss einen Schlüssel und eine Kreditkarte hinterlegen. Die Alternative heißt OpenFreeMap. Ein kostenloser Kartendienst, der auf den Daten von OpenStreetMap basiert und komplett frei nutzbar ist.
Anna: OpenFreeMap wird von dem ungarischen Entwickler Zsolt Ero betrieben, der die Serverkosten transparent auf seiner Seite dokumentiert. Für Nutzer bedeutet das: keine Anmeldung, keine Nutzungsgrenzen, keine Kreditkarte. Die Karten sehen modern aus, es gibt verschiedene Stile, und die Einbindung in eine Webseite braucht ein paar Zeilen JavaScript. Wer schon mal mit Leaflet oder MapLibre gearbeitet hat, ist in einer halben Stunde fertig.
Klaus: Für Vereine, kleine Unternehmen, Museen oder Ferienwohnungen ist das eine spürbare Ersparnis und gleichzeitig ein Datenschutz-Gewinn. Google Maps überträgt Nutzerdaten in die USA, was seit dem Wegfall des Privacy Shields regelmäßig für Diskussionen sorgt. Bei OpenFreeMap laufen die Anfragen über europäische Server, und es gibt keine Werbeprofile im Hintergrund.
Anna: Wer noch mehr Kontrolle will, kann OpenFreeMap auch auf einem eigenen Server hosten. Die Anleitung dazu steht auf openfreemap punkt org, wieder auf Englisch, aber gut nachvollziehbar. Für die meisten reicht die kostenlose öffentliche Version völlig aus. Ein Nachmittag reicht, um die eigene Kontaktseite oder Anfahrtsbeschreibung umzustellen, und danach entfällt die Sorge um Rechnungen aus Kalifornien.
Klaus: Heute ging es um Indiens Forderung nach eigenen KI-Ökosystemen bei der UNO, um Apples iOS 27 mit Kinderschutz und einhundertsechsundzwanzig Sicherheitspatches, um die Zürcher Studie zur Produktivität durch KI, um vier von fünf bayerischen Lehrkräften, die KI im Unterricht nutzen, um den freien Foto-Editor Ansel und um den offenen Kartendienst OpenFreeMap.
Anna: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.
Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.