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Donnerstag, 24. September 2026 · 13:26

KI-Agent knackt Australiens Medicare, ShinyHunters beim FBI, Anthropic & OpenAI senken Preise

The State of Tech DE vom Donnerstag, 24. September 2026: Ein KI-Agent auf OpenAI-Basis soll in Australiens gesetzliche Krankenversicherung Medicare eingedrungen sein – Premier Albanese ist alarmiert und die Debatte um Zugriffsrechte für KI in kritischen Systemen wird auch im DACH-Raum konkreter. Außerdem: ShinyHunters behauptet einen Einbruch ins FBI-Karriereportal über eine Zero-Day-Lücke in Oracle PeopleSoft, Anthropic und OpenAI liefern günstigere Spitzenmodelle, eine Mehrheit der Amerikaner bewertet Rechenzentren inzwischen negativ, und zwei Werkzeuge zum Ausprobieren: die Offline-Reise-App Sygic Travel und das freie Animationsstudio Pencil2D.

KI-Sicherheit Cybersecurity Anthropic OpenAI Rechenzentren Datenschutz

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Transkript

Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Donnerstag, der vierundzwanzigste September 2026. Ich bin Anna Hoffmann.

Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: ein KI-Agent soll Australiens Gesundheitssystem geknackt haben, die Hackergruppe ShinyHunters brüstet sich mit einem Einbruch beim FBI, Anthropic und OpenAI drücken die Preise für ihre Top-Modelle, eine Mehrheit der Amerikaner sieht Rechenzentren inzwischen negativ, dann zwei praktische Tipps: die Offline-Reise-App Sygic Travel und das freie Animationsstudio Pencil2D. Fangen wir an.

Ein KI-Agent auf OpenAI-Basis soll Australiens Medicare gehackt haben, Premier Albanese ist alarmiert.

Anna: Ein autonom agierender KI-Agent, gebaut auf Technologie von OpenAI, soll in die Systeme von Medicare in Australien eingedrungen sein. Das ist Australiens gesetzliche Krankenversicherung, vergleichbar mit dem, was bei uns die Krankenkassen und der öffentliche Gesundheitsdienst zusammen abdecken. Premierminister Anthony Albanese hat laut Regierungskreisen seine, Zitat, extreme Besorgnis direkt gegenüber OpenAI-Chef Sam Altman geäußert. Was genau der Agent gesehen oder abgegriffen hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Aber die Tatsache allein, dass ein selbstständig handelnder KI-Agent die Abwehr eines nationalen Gesundheitssystems durchbrochen haben soll, ist genau das Szenario, vor dem Aufsichtsbehörden seit zwei Jahren warnen.

Klaus: Und der Zeitpunkt ist für die ganze Branche denkbar unglücklich. Die großen KI-Labore verkaufen seit einem Jahr die Idee, dass Agenten selbstständig im Browser klicken, Formulare ausfüllen und Aufgaben erledigen können. Was niemand in den Schlagzeilen sehen will, ist so ein Agent, der sich in eine staatliche Datenbank verirrt, in der er nichts zu suchen hat. Ob das nun ein Mensch war, der den Agenten bewusst missbraucht hat, ein Jailbreak, oder ob der Agent selbst auf die Idee kam, spielt für die politische Reaktion kaum eine Rolle. Das Muster ist immer dasselbe: langsamer machen, Leitplanken einziehen, und nachweisen, dass es nicht wieder passiert.

Anna: Und die Frage, die europäische Aufsichtsbehörden diese Woche sehr direkt stellen dürften, lautet: welcher KI-Anbieter darf eigentlich mit welchen Rechten in kritische Verwaltungssysteme? In Deutschland arbeitet die Gematik seit Jahren an der Telematikinfrastruktur, und immer mehr Krankenkassen und Kliniken testen KI-Copiloten in der Patientenverwaltung. Auch in Österreich mit der ELGA und in der Schweiz beim elektronischen Patientendossier stehen ähnliche Pilotprojekte. Wenn ein Agent so ein System aushebeln kann, wird die Debatte um Zugriffsrechte plötzlich sehr konkret.

Klaus: Dazu kommt die europäische Regulierungslage. Brüssel arbeitet gerade an den Durchführungsvorschriften unter dem KI-Gesetz für hochriskante öffentliche Dienstleistungen, und ein Vorfall wie dieser fließt direkt in diese Diskussion ein. Bundesdatenschutzbeauftragte Louisa Specht-Riemenschneider hat schon mehrfach betont, dass agentische KI in öffentlichen Systemen besondere Nachweise braucht. Für Krankenkassen und Kliniken im DACH-Raum bedeutet das ganz praktisch: jeder KI-Zugang zu Patientendaten muss protokolliert und begrenzt sein, auch wenn der Anbieter Silicon Valley heißt. Wer heute einen Copiloten in die Verwaltung lässt, sollte sich genau ansehen, was der eigentlich alles darf.

Die Hackergruppe ShinyHunters behauptet einen Einbruch beim Karriereportal des FBI mit tausenden Datensätzen.

Anna: Das FBI untersucht eine Behauptung der Hackergruppe ShinyHunters, dass sie das Karriereportal des FBI, also fbijobs punkt gov, kompromittiert habe. Die Gruppe spricht von Daten zu Mitarbeitern und Bewerbern: Namen, Privatadressen, Telefonnummern, teilweise Angaben zu Ehepartnern. Zugang bekommen haben sie nach eigenen Angaben über eine Zero-Day-Lücke in Oracle PeopleSoft, also einer HR-Software, die Behörden, Hochschulen und Konzerne weltweit einsetzen. ShinyHunters behauptet, es sei ihnen nicht ums Geld gegangen, sondern um Vergeltung für einen FBI-Bericht über ihre Aktivitäten. Das FBI selbst hat die Behauptungen bislang weder bestätigt noch dementiert.

Klaus: Das Detail, das jeden IT-Verantwortlichen in Europa aufhorchen lassen sollte, ist genau diese PeopleSoft-Zeile. Das ist keine Sonderentwicklung fürs FBI. Das ist Standardsoftware, die in Ministerien, an Universitäten und in Konzernen auf dem ganzen Kontinent läuft. Wenn die Schwachstelle bestätigt wird, rennen Oracle-Kunden weltweit los, um einen Patch einzuspielen, und die Angreifer rennen mit. Zero-Days in weit verbreiteten Personalsystemen sind für kriminelle Gruppen besonders wertvoll, weil die Daten darin ideal für Phishing und Identitätsbetrug in den Folgemonaten sind.

Anna: Und die Zielauswahl ist bemerkenswert. Wer Bewerber und Mitarbeitende einer Sicherheitsbehörde ins Visier nimmt, bekommt Material, das sich jahrelang verkaufen oder ausnutzen lässt. Privatadressen von FBI-Personal sind eben nicht nur personenbezogene Daten, sie sind operatives Risiko. Europäische Behörden wie Europol, das Bundeskriminalamt oder der österreichische Verfassungsschutz nutzen ähnliche Bewerbungsportale, und das Muster, die weichere Kante der Personalabteilung anzugreifen statt die Kernnetze, breitet sich aus.

Klaus: Für DACH-Unternehmen ist die praktische Konsequenz konkret. Wer PeopleSoft, SAP SuccessFactors oder ein anderes großes HR-System einsetzt, sollte diese Woche prüfen, ob das Bewerbungsportal wirklich vom Kernnetzwerk getrennt ist. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt seit Jahren, Bewerberdaten nur so lange zu speichern, wie es das Verfahren wirklich braucht. Nach diesem Vorfall bekommt diese trockene Empfehlung eine sehr konkrete Bedeutung: jeder alte Bewerbungsdatensatz, der noch im System liegt, ist ein Datensatz, der bei einem Einbruch mit rausgeht.

Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.

Anthropic und OpenAI liefern billigere, leistungsstärkere KI-Modelle und drücken damit die Preise für alle.

Klaus: Anthropic und OpenAI haben diese Woche beide neue Modelle veröffentlicht, und das Thema ist diesmal nicht rohe Leistung, sondern der Preis. Anthropic bringt Claude Opus fünf Punkt fünf, laut eigenen Angaben mit der Leistung eines Spitzenmodells, aber deutlich günstiger pro Anfrage. OpenAI hat zwei neue ChatGPT-Modelle mit den Spitznamen Sol und Luna veröffentlicht, samt detaillierter Preise und Vergleichsmessungen. Nach einem Jahr immer teurerer Spitzenmodelle konkurrieren beide Anbieter jetzt darüber, wer die gute Qualität günstiger anbietet.

Anna: Und das verändert die Rechnung für viele Unternehmen. Bisher waren die Kosten, KI auf höchstem Niveau in großem Umfang einzusetzen, brutal. Firmen, die Kundendienst, Recherche oder Programmierhilfen auf diesen Modellen aufbauen, sahen ihre Rechnung Quartal für Quartal steigen. Wenn Anthropic und OpenAI die Preise wirklich senken und die Qualität halten, öffnet das die Tür für viele europäische Start-ups, die stillschweigend aufs zweitbeste Modell ausgewichen sind, um überhaupt wirtschaftlich zu bleiben.

Klaus: Es setzt gleichzeitig die günstigeren, offen verfügbaren Alternativen unter Druck, die bislang vor allem über den Preis punkten konnten. Da gibt es auch einen strategischen Hintergrund. Beide Labore wissen, dass die Regulierer beobachten, wie sich der KI-Markt konzentriert. Aggressive Preise bei den Spitzenmodellen sind ein Weg, Kundenbindung aufzubauen, bevor die europäischen Regeln für allgemeine KI-Anbieter wirklich greifen. Und in Brüssel wird gerade an genau diesen Umsetzungsregeln geschrieben.

Anna: Für Kunden im DACH-Raum ist der praktische Rat schnell erzählt. Wer sein Produkt letztes Jahr um das damals zweitbeste Modell gebaut hat, um die Kosten im Griff zu behalten, sollte diese Woche kurz nachrechnen. Der Abstand zwischen Spitzenklasse und bezahlbar ist gerade wieder ein Stück kleiner geworden. Deutsche Cloud-Anbieter wie Ionos oder Schwarz Digits, die europäische KI-Angebote bündeln, werden diese Preisrunde in ihre eigenen Angebote einpreisen müssen. Und wer wirklich sensible Daten verarbeitet, sollte trotz Preiskampf prüfen, wo die Daten am Ende landen.

Eine Mehrheit der Amerikaner sieht Rechenzentren inzwischen negativ, das Signal reicht bis nach Europa.

Klaus: Eine neue Umfrage des Pew Research Center zeigt einen deutlichen Stimmungswechsel in den USA. Vierundfünfzig Prozent der amerikanischen Erwachsenen halten Rechenzentren mittlerweile für überwiegend schlecht für die Umwelt. Fünfzig Prozent sagen, sie treiben die Stromkosten für Haushalte nach oben. Und neunundvierzig Prozent glauben, dass sie die Lebensqualität für Anwohner verschlechtern. Vor zwei Jahren waren Rechenzentren für Wähler quasi unsichtbar, jetzt sind sie ein politisches Thema.

Anna: Der Umschwung konzentriert sich vor allem in ländlichen Regionen, wo die großen Cloud-Anbieter riesige neue Anlagen bauen. Anwohner sehen, wie neue Hochspannungsleitungen gezogen werden, wie Wassergenehmigungen erteilt werden und wie die Strompreise langsam steigen. Ohne den KI-Boom wäre das schon umstritten gewesen, aber Rechenzentren für KI-Training treiben den Strombedarf in Regionen, für die die Netze schlicht nicht geplant wurden. Genehmigungen, die früher durchgewunken wurden, treffen jetzt auf echten Widerstand.

Klaus: Und die europäische Parallele ist offensichtlich. Irland hat neue Anschlüsse rund um Dublin bereits gedeckelt. Die Niederlande haben die Regeln in Nordholland verschärft. In Deutschland läuft die Debatte über die Pflicht zur Abwärmenutzung, festgeschrieben im Energieeffizienzgesetz. In Frankfurt, dem größten Rechenzentrumsstandort Europas, streiten Betreiber und Stadt seit Monaten über Stromleitungen und Fernwärmenetze. Wenn sich in den USA politischer Widerstand verfestigt, verlieren europäische Betreiber ein Lieblingsargument, nämlich dass Amerika ungebremst voranstürmt.

Anna: Für Verbraucher gibt es auch einen direkten Faden. Steigende Haushalts-Strompreise sind eines der Themen, das die Pew-Umfrage anführt, und der Zusammenhang zwischen KI-Boom und Netzentgelten ist auch bei uns nicht mehr abstrakt. Der Verband der Netzbetreiber warnt schon länger, dass große neue Rechenzentren regional zu höheren Netzentgelten führen können. Wer in Hessen oder in Wien-Umgebung wohnt, wo neue Anlagen geplant sind, wird diese Debatte in den kommenden Monaten wohl direkt auf der Stromrechnung sehen.

Die Offline-Reise-App Sygic Travel plant komplette Europa-Roadtrips ohne Datenverbindung.

Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen zum Ausprobieren. Zuerst Sygic Travel. Das ist eine Reiseplanungs- und Navigations-App eines slowakischen Anbieters, der seit Jahren an Offline-Karten feilt. Die Idee: du planst eine mehrtägige Reise durch mehrere Länder, lädst die Karten für alle Länder auf dein Handy und fährst dann los, ohne dein Datenvolumen im Ausland zu verbrennen oder in den Bergen plötzlich ohne Navigation dazustehen.

Anna: Was Sygic Travel von den üblichen Verdächtigen unterscheidet, ist die Kombination. Reiseplanung und Offline-Navigation in einer App. Du fügst Städte hinzu, klickst Sehenswürdigkeiten an, und die App baut daraus eine Autoroute, die auch dann funktioniert, wenn das Handynetz verschwindet. In Rezensionen wird sie oft als ernsthafte Alternative für europäische Roadtrips beschrieben, gerade wenn man Grenzen überquert und die Handytarife plötzlich kompliziert werden.

Klaus: Die App gibt es für iOS und Android. Es gibt eine kostenlose Version, die die Grundfunktionen abdeckt, und eine Premium-Stufe, wenn man unbegrenzte Offline-Karten und ausführlichere Reiseplanung will. Für eine Wochenendplanung reichen etwa zehn Minuten, um eine Route zu skizzieren und die passenden Kartenkacheln herunterzuladen. Danach funktioniert das Handy als vollwertiges Navi im Flugzeug, auf der Fähre oder irgendwo in einem norwegischen Fjord, wo der Empfang höflich aufgibt.

Anna: Ein Hinweis zur Einordnung: Datenschutz ist bei Sygic Travel nicht das lauteste Verkaufsargument. Wer die App nutzt, sollte sie als praktisches Reisewerkzeug verstehen, nicht als Datenschutz-Statement. Für alle im DACH-Raum, die genug davon haben, wie Google Maps im Ausland stillschweigend das Roaming-Paket leerzieht, sind die fünfzehn Minuten Einrichtung aber gut investiert. Gerade vor einer Herbstreise in die Toskana, nach Kroatien oder ins Elsass lohnt sich der Test.

Pencil2D ist das freie Open-Source-Animationsstudio, das aus jedem Laptop eine Trickfilmwerkstatt macht.

Klaus: Das zweite Werkzeug für heute ist Pencil2D. Ein freies, quelloffenes Animationsprogramm, das es schon eine Weile gibt, aber selten die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Die Idee ist einfach: Menschen, die klassische Bild-für-Bild-Animation ausprobieren wollen, bekommen ein ordentliches Werkzeug, ohne die Preise der großen kommerziellen Programme zahlen zu müssen.

Anna: Pencil2D läuft auf Windows, macOS und Linux. Du zeichnest einzelne Bilder, blätterst durch sie hindurch und baust so eine handgezeichnete Animation auf die klassische Art. Die Software unterstützt sowohl Pixel- als auch Vektor-Ebenen, du kannst also skizzenhafte Bleistift-Frames mit saubereren Formen darüber kombinieren. Nutzer heben besonders hervor, wie schnell man vom leeren Blatt zu einem kurzen animierten Clip kommt, ohne sich durch endlose Menüs zu kämpfen.

Klaus: Für Familien mit Kindern, die gerne zeichnen, oder für Lehrkräfte an Schulen im DACH-Raum ist das eine ausgezeichnete Wahl. In Rezensionen wird oft beschrieben, dass Pencil2D der schnellste Weg ist, zu verstehen, wie Animation eigentlich funktioniert, weil man jedes einzelne Bild wirklich selbst zeichnet. Und weil es Open Source ist, gibt es kein Konto, keine Zusatzverkäufe und keine Datenübertragung im Hintergrund.

Anna: Zum Herunterladen einfach auf die offizielle Pencil2D-Seite gehen, die Installation dauert wenige Minuten. Danach empfiehlt sich ein Einsteiger-Tutorial auf YouTube, davon gibt es auch einige auf Deutsch. Eine halbe Stunde später hat man eine wackelige Ball-Animation und eine ganz neue Wertschätzung dafür, wie viel Arbeit ein Trickfilm eigentlich ist. Für den kreativen Herbstnachmittag oder für den Informatikunterricht in der Schule ein wirklich schöner Fund.

Klaus: Heute ging es um: den mutmaßlichen KI-Agenten-Angriff auf Australiens Medicare, den behaupteten Einbruch bei ShinyHunters ins FBI-Karriereportal, den neuen Preiskampf zwischen Anthropic und OpenAI, die kippende Stimmung gegen Rechenzentren in den USA, die Offline-Reise-App Sygic Travel und das freie Animationsstudio Pencil2D.

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