Samstag, 12. September 2026 · 13:34
Russische Hacker nutzen Claude gegen Ukraine, ProLogium startet Feststoffbatterien
The State of Tech DE vom Samstag, 12. September 2026: Anthropic dokumentiert, wie russische Staatshacker das KI-Modell Claude offensiv gegen ukrainische Ministerien und europäische Ziele eingesetzt haben. Außerdem: ProLogium startet die Serienfertigung von Feststoffbatterien und plant ein Werk in Frankreich, IBM und NASA veröffentlichen ein offenes KI-Modell zur Mondanalyse, Siemens Healthineers eröffnet eine Sensorfabrik in Forchheim, und zum Ausprobieren: die Podcast-Plattform Castopod und der Reiseplaner Rome2Rio.
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Transkript
Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Samstag, der zwölfte September 2026. Ich bin Anna Hoffmann.
Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: Anthropic deckt auf, wie russische Staatshacker den KI-Assistenten Claude gegen die Ukraine und europäische Ziele einsetzen. Der von Mercedes gestützte Batteriehersteller ProLogium startet die Massenproduktion von Feststoffbatterien und plant ein Werk in Frankreich. IBM und die NASA veröffentlichen ein offenes KI-Modell für die Analyse der Mondoberfläche. Siemens Healthineers eröffnet eine hochmoderne Sensorfabrik in Forchheim. Dann zwei Sachen zum Ausprobieren, zuerst die offene Podcast-Plattform Castopod, und danach der Reiseplaner Rome2Rio. Fangen wir an.
Anthropic dokumentiert, wie russische Staatshacker Claude gegen die Ukraine und europäische Ziele einsetzen.
Anna: Anthropic hat einen Bericht veröffentlicht, der die ganze Debatte über KI und Sicherheit neu justiert. Laut dem Unternehmen hat ein russischer, staatlich unterstützter Akteur in den vergangenen Monaten das Modell Claude für Angriffe auf ukrainische Ministerien, das Militär, Diplomaten und sogar WhatsApp-Konten hochrangiger Beamter genutzt. Die Operation reichte bis nach Europa. Anthropic schreibt, die Angreifer hätten Claude eingesetzt, um E-Mail-Dienste und Fernzugangs-Systeme bei Dutzenden ukrainischen Behörden systematisch abzusuchen. Es ist einer der ersten klar dokumentierten Fälle, in denen ein großes westliches KI-Modell offensiv von einem Nachrichtendienst genutzt wurde.
Klaus: Interessant ist, wie das Modell konkret eingesetzt wurde. Es hat nicht neue Schadsoftware von Grund auf geschrieben, sondern Aufklärung im großen Stil betrieben: Infrastrukturen durchforstet, Schwachstellen sortiert, Einfallswege vorbereitet. Genau davor warnen Sicherheitsforscher seit zwei Jahren. Derselbe Produktivitätsgewinn, der Claude für eine Kanzlei in Frankfurt nützlich macht, macht ihn eben auch für einen feindlichen Dienst nützlich. Anthropic sagt, man habe die Konten abgeschaltet und Indikatoren mit Partnern geteilt, aber die Operation lief da schon eine Weile.
Anna: Die europäische Dimension ist zentral. Betroffen waren WhatsApp-Konten hochrangiger Amtsträger, und Ziele quer durch mehrere EU-Länder wurden erfasst. Für Regierungen in Berlin, Wien, Bern und Brüssel landet das mitten in einer laufenden Debatte über den AI Act, über Meldepflichten bei Missbrauch und über die Frage, wer haftet, wenn ein kommerzielles Modell zur Waffe wird. Der Bericht liefert erstmals belastbare Belege statt Szenarien.
Klaus: Und das verändert die politische Statik. Bisher lief die Diskussion oft entlang der Linie "Modelle sind Werkzeuge, der Anbieter kann nichts dafür". Wenn ein Anbieter aber selbst dokumentiert, dass sein Modell in einer Spionageoperation gegen ein Nachbarland eingesetzt wurde, wird schwerer zu argumentieren, dass reine Selbstregulierung reicht. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, ausgesprochen bee-es-ie, hat in Lagebildern längst vor solchen Szenarien gewarnt, jetzt liegt der konkrete Fall auf dem Tisch.
Anna: Für deutsche, österreichische und Schweizer Unternehmen ist der praktische Punkt: Wer heute Claude, ChatGPT oder ähnliche Modelle im Haus einsetzt, muss davon ausgehen, dass dieselben Werkzeuge in feindlichen Händen die Aufklärung gegen genau diese Firmen beschleunigen. Der Ruf nach einheitlichen europäischen Meldewegen für KI-Missbrauch dürfte damit lauter werden.
Mercedes-Partner ProLogium startet die Massenproduktion von Feststoffbatterien und plant ein Werk in Dünkirchen.
Klaus: Weg von der KI, aber genauso wichtig: Der taiwanesische Batteriehersteller ProLogium, an dem Mercedes-Benz beteiligt ist, hat bestätigt, dass seine Feststoffbatterien offiziell in der Serienfertigung sind. Die Zellen der Generation drei Komma fünf laufen jetzt am Standort Taoke vom Band. Feststoffbatterien sind seit einem Jahrzehnt das große Versprechen der Elektromobilität: mehr Reichweite, schnelleres Laden, geringeres Brandrisiko. Vom Pilotprojekt in die Serie zu kommen, ist der Meilenstein, auf den die Branche gewartet hat.
Anna: Und die europäische Dimension ist ungewöhnlich direkt. ProLogium hat ein zweites Werk in Dünkirchen, im Norden Frankreichs, angekündigt. Damit landet fortschrittliche Zellfertigung auf europäischem Boden, genau in dem Moment, in dem der Kontinent versucht, seine Abhängigkeit von chinesischen Zellherstellern zu reduzieren. Der Einstieg von Mercedes-Benz sorgt dafür, dass diese Zellen einen klaren Weg in europäische Oberklassefahrzeuge haben.
Klaus: Der Kern ist die Chemie. Statt eines flüssigen Elektrolyten steckt ein fester drin. Das senkt das Brandrisiko und erlaubt höhere Energiedichte. Für Fahrer heißt das konkret: Ein Auto mit diesen Zellen könnte auf einer Ladung weiter kommen und weniger Zeit an der Säule verbringen. Und die Zellen sind stabiler bei starken Temperaturschwankungen, also von finnischem Winter bis andalusischem Sommer.
Anna: Für die deutsche Autoindustrie ist das ein wichtiges Signal. Volkswagen, BMW und Mercedes haben alle eigene Feststoff-Programme, teils mit Partnern wie QuantumScape. Wenn ProLogium jetzt tatsächlich in Serie liefert, verschiebt sich der Zeitdruck. Wer 2027 oder 2028 kein konkurrenzfähiges Feststoff-Angebot hat, verliert im Premiumsegment gegen Modelle, die dreißig Prozent mehr Reichweite bei gleichem Gewicht bieten.
Klaus: Für Zulieferer in Süddeutschland und Österreich ist die Fabrik in Dünkirchen näher als ein Werk in Taiwan. Das bedeutet potenziell kürzere Lieferketten, engere Entwicklungskooperationen und, wenn es gut läuft, mehr Fertigungs-Know-how in Europa statt Abhängigkeit von Asien.
Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.
IBM und NASA veröffentlichen ein offenes KI-Modell zur Analyse der Mondoberfläche.
Klaus: ai-bie-em und die NASA haben gemeinsam ein Open-Source-KI-Modell veröffentlicht, das speziell für die Auswertung von Mond-Aufnahmen gebaut ist. Es heißt NASA-ai-bie-em Lunar Foundation Model und kombiniert Daten aus verschiedenen Auflösungen und Lichtbedingungen zu einer wiederverwendbaren Basis. Forscher können damit Krater kartieren, vulkanische Strukturen erkennen und potenzielle Eisvorkommen aufspüren. Das Team berichtet von deutlich weniger Fehlern bei der Suche nach Wassereis und besserer Kratererkennung. Das Modell fließt direkt in das Artemis-Programm ein, mit dem die NASA Menschen zurück zum Mond bringen will.
Anna: Der offene Ansatz ist der eigentliche Hebel. Weil das Modell frei verfügbar ist, können Universitäten, kleinere Raumfahrt-Startups und europäische Forschungsinstitute darauf aufbauen, ohne Lizenzverhandlungen. Das senkt die Hürde für ein Labor in Darmstadt oder Wien, eigene Mond-Analysen zu rechnen. Die nächste große Krater-Karte oder Eis-Studie könnte damit aus einer europäischen Doktorarbeit kommen, statt aus einem Auftrag in Houston.
Klaus: Für die europäische Raumfahrt ist das konkret nützlich. Die ESA in Darmstadt hat eigene Mond-Ambitionen, vom Argonaut-Lander bis zu Instrumenten für Artemis-Missionen. Ein geteiltes, offenes Basismodell heißt, dass europäische Teams nicht bei null anfangen müssen. Es passt zu einem breiteren Muster: Wissenschaftliche KI-Modelle werden offen veröffentlicht, kommerzielle bleiben geschlossen.
Anna: Und es ist ein interessanter Gegenpunkt zum ersten Thema. Dieselbe Technologiefamilie, die russische Hacker offensiv einsetzen, hilft hier, Landeplätze auf dem Mond sicherer zu machen. Das ist keine Ironie, sondern die Realität dieser Werkzeuge: Der Kontext entscheidet.
Klaus: Deutsche Institute wie das DLR in Köln oder die TU München arbeiten seit Jahren an Mond-bezogener Sensorik und Bildauswertung. Ein frei nutzbares Basismodell verkürzt dort die Entwicklungszeit erheblich und stärkt die Position deutscher Teams in internationalen Konsortien.
Siemens Healthineers eröffnet in Forchheim eine Fabrik für photonenzählende Sensoren.
Anna: Siemens Healthineers hat in Forchheim eine hochmoderne Produktion für sogenannte photonenzählende Sensoren eröffnet. Das sind spezielle Halbleiterbauteile, die in modernen Computertomographen einzelne Röntgenquanten erfassen, statt sie nur zu bündeln. Ergebnis sind schärfere Bilder bei geringerer Strahlendosis. Das Unternehmen investiert rund einhundert Millionen Euro in das Werk und schafft über einhundert neue Arbeitsplätze. Die bisherige Produktion in Japan stößt an ihre Kapazitätsgrenze, weil die Nachfrage nach dieser neuen Generation von CT-Geräten weltweit deutlich steigt.
Klaus: Der Punkt hinter der Fabrikeröffnung ist strategisch. Photonenzählende Detektoren gelten als der wichtigste Sprung in der Röntgen-Bildgebung seit Jahrzehnten, und Siemens Healthineers ist beim CT der Marktführer. Wer die Sensoren selbst herstellt, kontrolliert Qualität, Ausbeute und Lieferzeit. Das ist bei einem Bauteil, das die Grundlage für ein Millionen-Euro-Gerät bildet, entscheidend.
Anna: Für Patienten heißt das langfristig weniger Strahlung bei besseren Diagnosen, besonders in der Herz- und Lungendiagnostik. Für den Standort Deutschland ist es ein seltenes Positivsignal in der Halbleiterdebatte: eine hochspezialisierte Chip-Fertigung, die aus Kapazitätsgründen aus Asien zurück nach Bayern verlagert wird, nicht wegen Subventionen, sondern wegen echter Nachfrage.
Klaus: Und es fügt sich in ein größeres Bild. Während bei klassischen Logik-Chips die Abhängigkeit von TSMC und Samsung riesig bleibt, gibt es in Nischen wie Medizinsensorik oder Leistungselektronik echte europäische Stärken. Forchheim zeigt, wo diese Stärken produktiv werden.
Anna: Die einhundert neuen Stellen sind hochqualifiziert, von Reinraum-Technikern bis zu Halbleiter-Ingenieuren. Für die Region Nordbayern, die traditionell stark in Medizintechnik und Sensorik ist, festigt das ein Cluster, das im internationalen Vergleich zunehmend als Standortvorteil erkannt wird.
Die offene Podcast-Plattform Castopod hält die eigene Sendung komplett in eigener Hand.
Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen zum Ausprobieren, zuerst Castopod. Das ist eine freie, quelloffene Podcast-Plattform aus Frankreich, mit der sich eine eigene Sendung veröffentlichen lässt, ohne über einen der großen kommerziellen Anbieter zu gehen. Man installiert Castopod auf einem Webserver oder nutzt einen Hosting-Partner, und bekommt volle Kontrolle über den Feed, die Hörerdaten und die Monetarisierung. Unterstützt werden auch die neueren Funktionen aus Podcasting 2.0, also Kapitelmarken, Transkripte und direkte Hörerfinanzierung.
Anna: Der Reiz für europäische Nutzer ist klar. Wer keine Lust mehr hat, dass eine US-Plattform zwischen ihm und seinem Publikum sitzt, bekommt hier die Kontrolle zurück. Castopod läuft auf jedem modernen Webhosting, ist wirklich kostenlos, und eine aktive Community pflegt es weiter. Kleine Redaktionen, Hobbyisten und unabhängige Journalisten in ganz Europa nutzen es bereits, um ihre Show ohne monatliche Plattformgebühr und ohne undurchsichtige Nutzungsbedingungen zu betreiben.
Klaus: Praktisch: Wer bereits ein einfaches Webhosting hat, kann Castopod an einem Nachmittag einrichten. Ohne eigene Server gibt es Managed-Anbieter, die die Installation für eine geringe Monatsgebühr übernehmen. In beiden Fällen bekommen die Hörer einen ganz normalen Podcast-Feed, der in Apple Podcasts, Spotify und jedem anderen Player funktioniert. Nutzer berichten, dass die Einrichtung deutlich zugänglicher geworden ist als früher, und dass Transkripte und Kapitelmarken sauber ausgeliefert werden.
Anna: Ein Punkt, den man wissen sollte: Castopod ist keine Entdeckungs-Plattform, sondern ein Hosting-Werkzeug. Reichweite muss weiterhin über die üblichen Kanäle aufgebaut werden. Wer aber genug davon hat, dass ein Konzern Regeln, Werbung und Sichtbarkeit steuert, findet hier eine ernstzunehmende europäische Alternative.
Klaus: Für Vereine, Universitäten und kleine Medienhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Castopod besonders interessant, weil sich das Hosting auf europäischen Servern leicht umsetzen lässt. Damit bleiben auch Hörerdaten unter europäischer Datenschutzgesetzgebung, ohne komplizierte Verträge mit US-Anbietern.
Rome2Rio plant jede Reise durch Europa in Sekunden, ohne Konto und ohne Abo.
Anna: Der zweite Fund für heute ist Rome2Rio. Ein kostenloser Reiseplaner, der fast jede Verbindung durch Europa und den Rest der Welt in Sekunden zeigt. Man tippt Start und Ziel ein, und bekommt jede realistische Kombination aus Zug, Bus, Flug, Fähre und Auto, jeweils mit ungefähren Zeiten und Preisen. Kein Konto nötig, keine App-Installation, das Ganze läuft direkt im Browser.
Klaus: Gerade in Europa ist das nützlich, weil die Dichte an Optionen so hoch ist. Von einem kleinen Ort in Portugal in ein Dorf in Slowenien zu kommen, ist genau die Art Reise, bei der niemand weiß, ob Fliegen, Zug oder Bus die klügste Wahl ist. Rome2Rio legt alle Varianten nebeneinander, sodass sich die Kompromisse vor der Buchung vergleichen lassen. Reisende loben das Werkzeug seit Jahren dafür, dass es die Form einer Reise klärt, bevor es an die Details geht.
Anna: Es gibt eine App für iOS und Android, aber ehrlich gesagt reicht die Webseite. Geplante Routen lassen sich per Link teilen, was praktisch ist, wenn eine Gruppe sich auf einen gemeinsamen Anreiseweg einigen will. Rezensenten weisen darauf hin, dass Rome2Rio kein Buchungssystem ist. Für den eigentlichen Kauf leitet der Dienst zu Airlines, Bahnbetreibern und Busunternehmen weiter. Das hält das Planungswerkzeug unabhängig von einem einzelnen Anbieter.
Klaus: Für alle, die eine Herbst- oder Winterreise planen, lohnen sich zehn Minuten allein zum Herumklicken. Manchmal taucht ein direkter Nachtzug auf, den kaum jemand kennt, oder eine Fährverbindung, die einen kompletten Fahrtag spart. Das ist genau die Art Werkzeug, das man einmal entdeckt und dann jahrelang bei jeder Reiseplanung wieder öffnet.
Anna: Besonders für Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die gern grenzüberschreitend unterwegs sind, spielt Rome2Rio seine Stärken aus. Ob Wien nach Ljubljana, Zürich nach Mailand oder Hamburg nach Kopenhagen, die Alternativen zum Flug werden endlich sichtbar.
Anna: Heute ging es um: Anthropic dokumentiert russische Staatshacker, die Claude gegen die Ukraine und Europa einsetzen. ProLogium startet die Serienfertigung von Feststoffbatterien und plant ein Werk in Dünkirchen. IBM und NASA veröffentlichen ein offenes KI-Modell für die Mondanalyse. Siemens Healthineers eröffnet in Forchheim eine Fabrik für photonenzählende CT-Sensoren. Und zwei Sachen zum Ausprobieren: die offene Podcast-Plattform Castopod, und der Reiseplaner Rome2Rio.
Klaus: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.
Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.