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Sonntag, 6. September 2026 · 12:55

Microsoft MAI-Modelle für Bild & Sprache, Anthropic-Börsengang verschoben, KI fliegt Gripen E

The State of Tech DE vom Sonntag, 6. September 2026: Microsoft veröffentlicht zwei neue KI-Modelle – MAI-Image-2.6-Flash und MAI-Transcribe-2 – und baut damit sichtbar eine eigene KI-Basis unabhängig von OpenAI auf. Außerdem: Anthropic verschiebt seinen Milliarden-Börsengang auf frühestens Mitte Oktober, Claude wird als fünfter KI-Assistent in Apple CarPlay integriert, der KI-Agent Centaur steuert eine Gripen E autonom im Luftkampf, und zum Ausprobieren: der kurvige Routenplaner Kurviger sowie der freie Video-Konverter HandBrake.

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Transkript

Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Sonntag, der sechste September 2026. Ich bin Anna Hoffmann.

Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: Microsoft aktualisiert seine MAI-Modelle für Bild und Sprache. Anthropic verschiebt den Mega-Börsengang um Wochen. Claude wird der fünfte KI-Assistent im Apple CarPlay. Der KI-Agent Centaur steuert eine Gripen E autonom im Luftkampf. Und zum Abschluss zwei Sachen zum Ausprobieren: die freie Karten-App Kurviger für Motorrad- und Autotouren, und der offene Video-Konverter HandBrake für die eigene Filmsammlung. Fangen wir an.

Microsoft veröffentlicht Updates für seine MAI-Modelle zur Bildgenerierung und Spracherkennung.

Anna: Microsoft hat heute zwei Updates seiner eigenen KI-Modellfamilie MAI veröffentlicht. Das Bildmodell bekommt eine neue, günstigere Variante namens MAI-Image-2.6-Flash, die vor allem beim Preis punkten soll. Und dazu kommt MAI-Transcribe-2, das neue Spracherkennungsmodell. Microsoft nennt es das stärkste im eigenen Portfolio, und behauptet auch, dass es aktuell branchenweit vorne liegt: schneller und billiger als die Konkurrenz. Beide Modelle sind ab sofort für Kunden verfügbar.

Klaus: Das Interessante an dieser Ankündigung ist weniger die Existenz der Modelle als die strategische Botschaft dahinter. Microsoft hat jahrelang OpenAI als Zugpferd nach vorne gestellt und die eigene Modell-Entwicklung im Hintergrund gehalten. Mit der MAI-Reihe zeigt Redmond jetzt sichtbar, dass es unabhängig von OpenAI eine eigene Basis aufbaut. Und die Wahl der beiden Bereiche ist kein Zufall: Bildgenerierung und Transkription sind zwei der wenigen KI-Anwendungen, die für Unternehmen wirklich einen direkten Return liefern, weil beide klar messbare manuelle Arbeit ersetzen. Meetings mitschreiben, Untertitel produzieren, Marketing-Bilder erzeugen: das läuft in vielen Firmen längst über KI, oft aber noch über Drittanbieter.

Anna: Und genau da liegt der Reiz für Microsoft. Wer sowieso Microsoft 365 nutzt, muss künftig für Transkription oder Bildgenerierung nicht mehr zu einem externen Anbieter greifen, sondern kann alles innerhalb der eigenen Cloud abwickeln. Das senkt die Hürde für Unternehmen, die vorsichtig sind bei Datenweitergabe. Bemerkenswert ist auch die Preisstrategie: Microsoft positioniert MAI-Image-2.6-Flash explizit als kostengünstige Option. Das setzt Wettbewerber wie OpenAI, Google und Adobe unter Druck, ihre Preise ebenfalls anzupassen.

Klaus: Für Unternehmen und Entwickler in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet das konkret mehr Auswahl bei geringeren Kosten. Für den Mittelstand, der bisher vor teuren KI-Lizenzen zurückgeschreckt ist, könnte das die Schwelle senken. Ob die Qualität der Transkription auch bei deutschem Dialekt und österreichischem Akzent hält, was Microsoft verspricht, wird sich in den ersten Wochen zeigen. Genau da hakt es bei vielen Anbietern nämlich immer noch.

Anthropic verschiebt geplanten Börsengang mit Zwei-Billionen-Bewertung um mehrere Wochen.

Anna: Anthropic verschiebt seinen mit Spannung erwarteten Börsengang. Ursprünglich sollte der Börsenprospekt in der kommenden Woche veröffentlicht werden, jetzt heißt es: frühestens Mitte Oktober beginnt die Investorenwerbung. Der Börsengang gilt als einer der höchstbewerteten der Geschichte, mit einer angestrebten Bewertung von bis zu zwei Billionen Dollar. Analysten betrachten diesen Schritt als wichtigen Indikator für das Anlegerinteresse an der schnell wachsenden KI-Branche.

Klaus: Zwei Billionen Dollar, das ist eine Zahl, die man einordnen muss. Zum Vergleich: Das ist ungefähr die Marktkapitalisierung, die Nvidia vor wenigen Jahren erreicht hat, und deutlich mehr als jedes deutsche DAX-Unternehmen wert ist. Für ein Unternehmen, das erst 2021 gegründet wurde, ist das eine bemerkenswerte Bewertung. Anthropic macht Hauptumsatz mit seinem Chatbot Claude und mit Unternehmenslizenzen, und wächst nach eigenen Angaben rasant. Aber ob der Markt bereit ist, dieses Wachstum zu diesen Preisen zu bezahlen, ist die eigentliche Frage.

Anna: Genau das ist der Punkt. Eine Verschiebung ist selten ein positives Signal. Emittenten schieben, wenn sie Sorge haben, dass die Nachfrage nicht ausreichend ist, oder wenn sich die Marktstimmung dreht. Die Frage ist, ob Anthropic hier auf konkretes Feedback von Ankerinvestoren reagiert oder ob es rein technische Gründe im Prospektverfahren gibt. Offiziell hat sich das Unternehmen dazu nicht geäußert. Was klar ist: Der Börsengang wird als Barometer für den gesamten KI-Sektor gehandelt. Wenn Anthropic seine Bewertung erreicht, öffnet das die Tür für weitere KI-IPOs. Bleibt sie hinter den Erwartungen zurück, könnte das eine ganze Welle an KI-Startups mit nach unten ziehen.

Klaus: Für die DACH-Region ist das doppelt relevant. Zum einen sitzen europäische Pensionsfonds und Vermögensverwalter oft in solchen Emissionen, direkt oder indirekt über Fonds. Zum anderen orientieren sich die Bewertungen europäischer KI-Startups an den amerikanischen Vergleichswerten. Wenn Anthropic zurückrudert, spüren das auch KI-Firmen in München, Berlin, Zürich und Wien beim nächsten Finanzierungsgespräch.

Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.

Anthropics Claude wird als fünfter KI-Assistent in Apple CarPlay integriert.

Klaus: Anthropic hat seinen KI-Assistenten Claude ins Apple-CarPlay-Ökosystem gebracht. Damit wird Claude der fünfte große Chatbot auf dieser Plattform. Verfügbar ist die Funktion ab iOS 26.4. Nutzer können Claude direkt über die CarPlay-Oberfläche starten und per Sprache bedienen, freihändig, ohne dass Aktivierungswörter von Drittanbietern oder zusätzliche Sprachbefehle nötig sind.

Anna: Auf den ersten Blick klingt das nach einem netten Feature-Update, aber es ist strategisch bedeutsamer, als es scheint. Das Auto ist eines der letzten Umfelder, in denen die Sprachassistentin wirklich alternativlos ist. Am Schreibtisch tippen die meisten Menschen, aufs Handy schauen sie sowieso. Aber im Auto, mit den Händen am Lenkrad, entscheidet sich real, welcher Assistent am häufigsten benutzt wird. Wer diesen Kontext besetzt, gewöhnt Nutzer an seine Interaktionslogik, und das prägt die weitere Nutzung.

Klaus: Interessant ist auch, dass Apple hier offenbar mehrere Anbieter parallel zulässt, statt einen exklusiven Deal zu machen. Neben Siri sind mit Claude jetzt fünf große Chatbots im CarPlay-Kosmos vertreten. Das dürfte Apple politisch entgegenkommen, gerade in Europa, wo der Digital Markets Act Wahlfreiheit bei Standard-Diensten fordert. Für Anthropic ist es ein weiteres Puzzlestück, um Claude aus der Nische von Entwicklern und Wissensarbeitern in den Alltag zu bringen. Und die Reichweite ist gigantisch: CarPlay läuft in praktisch jedem neueren Auto in Europa und den USA.

Anna: Für Autofahrer in Deutschland, Österreich und der Schweiz heißt das ganz praktisch: Ab dem Update auf iOS 26.4 taucht Claude in der Liste der verfügbaren KI-Assistenten auf. Man muss keinen neuen Wagen kaufen, keine Software abonnieren, kein Auto tauschen. Ob Claude auf Deutsch gut mit Umgangssprache und Dialekt umgehen kann, wird sich zeigen, aber die Textstärke von Anthropic auf Deutsch gilt schon länger als solide.

KI-Agent Centaur steuert das Kampfflugzeug Gripen E autonom in Luftkampf-Szenarien.

Klaus: Kommen wir zu einer Nachricht aus dem Verteidigungsbereich, die zeigt, wie schnell KI längst in kritische Systeme vordringt. Saab und Helsing haben im Juni die ersten Flugtests mit einem KI-Agenten namens Centaur in einer echten Gripen E durchgeführt. Die KI hat das Flugzeug autonom gesteuert, in Beyond-Visual-Range-Szenarien, also in Situationen, in denen der Gegner außerhalb der Sichtweite ist. Sie verfolgte Ziele mithilfe von Echtzeit-Sensordaten und unterstützte taktische Entscheidungen im Luftkampf.

Anna: Die eindrucksvollste Zahl in diesem Test ist die Lernkurve. Eine Woche Computersimulation entspricht nach Angaben der Beteiligten rund sechzig Jahren realer Flugerfahrung. Das ist der eigentliche Wendepunkt. Ein menschlicher Kampfpilot braucht Jahrzehnte, um genügend Situationen erlebt zu haben, um in Bruchteilen einer Sekunde intuitiv zu reagieren. Ein KI-Agent kann diese Erfahrung in Simulationen komprimieren und dann in reale Situationen übertragen. Was das militärische Kräfteverhältnis angeht, bedeutet das eine grundlegende Verschiebung.

Klaus: Gleichzeitig wirft es harte ethische Fragen auf, die die Politik in Europa gerade erst zu diskutieren beginnt. Wie viel Autonomie darf ein KI-Agent im Luftkampf haben? Wer trägt die Verantwortung, wenn die KI ein falsches Ziel identifiziert? Der Gripen ist ein Flugzeug, das in mehreren europäischen Ländern im Gespräch ist oder eingesetzt wird, darunter auch bei Nachbarn der DACH-Region. Helsing selbst ist ein deutsch-europäisches KI-Verteidigungsunternehmen mit Sitz in München.

Anna: Für die DACH-Länder ist das strategisch relevant, weil die Beschaffungsplanungen der Bundeswehr, der Schweizer Luftwaffe und des österreichischen Bundesheers unterschiedliche Wege gehen. Deutschland setzt auf F-35 und Eurofighter, die Schweiz beschafft aktuell F-35, Österreich hat den Eurofighter. Aber die Frage, wie weit KI-Agenten in bestehende Systeme integriert werden können, betrifft alle drei Luftwaffen. Und Helsing ist auch bei Bundeswehr-Projekten aktiv.

Die freie Karten-App Kurviger plant kurvige, landschaftlich reizvolle Routen für Motorrad und Auto.

Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen du heute konkret etwas anfangen kannst. Die erste ist Kurviger. Das ist eine Karten- und Routenplaner-App aus Deutschland, die etwas macht, was Google Maps und Apple Karten nicht können: sie plant Routen bewusst über kurvige, landschaftlich reizvolle Straßen statt über die schnellste Autobahnverbindung. Ursprünglich für Motorradfahrer entwickelt, ist Kurviger inzwischen auch bei Autofahrern beliebt, die Wochenendausflüge oder Alpentouren planen wollen.

Anna: Das Prinzip ist einfach: Man gibt Start und Ziel ein, wählt einen Kurvigkeitsgrad zwischen eins und drei, und die App sucht eine Route, die möglichst viele Serpentinen, Landstraßen und Passstraßen einschließt. Wer die Autobahn hasst, bekommt genau das. Nutzer berichten, dass die Routen wirklich anders sind als bei den großen Anbietern, mit spürbar mehr Fahrspaß und weniger Monotonie. Es gibt eine kostenlose Version im Browser und für Android sowie eine Pro-Version, die zusätzlich Offline-Karten und Turn-by-Turn-Navigation bietet.

Klaus: Besonders interessant für die DACH-Region: Die App ist gerade in bergigen Gebieten wie den Alpen, dem Schwarzwald, dem Harz oder dem österreichischen Alpenraum wirklich stark, weil sie die vielen Nebenstraßen kennt und clever kombiniert. Auch für Fahrradtouren gibt es einen eigenen Modus. Kurviger nutzt OpenStreetMap-Daten, also die freie Weltkarte, und wird von einer kleinen Firma aus Karlsruhe entwickelt. Die Grundversion kostet nichts, für die Pro-Funktionen zahlt man einen einmaligen Betrag.

Anna: Praktisch ist auch, dass man Routen als GPX-Datei exportieren und in Navigationsgeräten oder anderen Apps weiter nutzen kann. Wer ein klassisches Motorrad-Navi von TomTom oder Garmin hat, kann die geplante Kurviger-Route dort einfach übertragen. Und wer keinen Motorradcomputer hat: Das Handy in einer Halterung am Lenker reicht für die Navigation völlig aus.

Der offene Video-Konverter HandBrake verwandelt DVDs, Blu-rays und Videodateien in platzsparende, überall abspielbare Dateien.

Klaus: Der zweite Fund heute ist ein Klassiker, der gerade wieder aktueller wird: HandBrake. Das ist ein freier, quelloffener Video-Konverter, der seit vielen Jahren existiert, aber in einer Zeit von Streaming-Chaos, kaputten Netflix-Katalogen und regionalen Verfügbarkeitslücken wieder an Bedeutung gewinnt. HandBrake nimmt Videodateien in praktisch jedem Format entgegen und wandelt sie in effiziente, moderne Formate wie H.265 oder AV1 um. Das Ergebnis: die eigene Filmsammlung passt plötzlich mit deutlich weniger Speicher aufs Handy, den Laptop oder den Heimserver.

Anna: Der klassische Anwendungsfall: Man hat noch alte DVDs oder Blu-rays im Regal, die man legal besitzt, will sie aber endlich digitalisieren, damit man sie ohne DVD-Laufwerk anschauen kann. HandBrake liest die Rohdaten ein, komprimiert sie intelligent und liefert eine Datei, die auf Apple TV, Android-Tablets oder Plex-Servern läuft. Auch Familienvideos vom alten Camcorder werden damit endlich in ein Format gebracht, das die Enkel überhaupt noch abspielen können.

Klaus: HandBrake gibt es für Windows, Mac und Linux, kostet nichts und funktioniert komplett offline. Nichts von deinen Videos landet in irgendeiner Cloud. Für Einsteiger gibt es fertige Voreinstellungen: "Fast 1080p", "Apple 2160p60", oder "Matroska H.265 MKV". Man wählt eine aus, klickt auf Start, und die Software erledigt den Rest. Wer tiefer einsteigen will, findet Regler für jede Nuance: Bitrate, Auflösung, Untertitel-Handling, Tonspur-Auswahl.

Anna: Ein Hinweis noch zur Rechtslage in DACH: Das Digitalisieren eigener DVDs für den Privatgebrauch bewegt sich in Deutschland und Österreich in einer juristischen Grauzone, weil Kopierschutz umgangen werden muss. In der Schweiz ist die Privatkopie großzügiger geregelt. Wer HandBrake nutzt, sollte sich also über die eigene Situation informieren. Für viele andere Anwendungsfälle, etwa Familienvideos oder eigene Aufnahmen, ist die Nutzung völlig unproblematisch. Der Zeitaufwand ist minimal: einmal einrichten, dann läuft die Konvertierung im Hintergrund.

Klaus: Heute ging es um: neue MAI-Modelle von Microsoft für Bild und Sprache, die Verschiebung von Anthropics Milliarden-Börsengang, Claude als fünfter KI-Assistent in Apple CarPlay, den KI-Agenten Centaur an Bord der Gripen E, den kurvigen Routenplaner Kurviger für Motorrad und Auto, und den freien Video-Konverter HandBrake für die eigene Filmsammlung.

Anna: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.

Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.