Dienstag, 1. September 2026 · 12:52
John Ternus wird Apple-Chef, Saudi-Arabiens LEAP mit 15 Mrd., Oracle-Entlassungen
The State of Tech DE vom Dienstag, 1. September 2026: John Ternus übernimmt heute offiziell den Apple-Chefposten von Tim Cook und erbt dabei Apples größte strategische Baustelle – künstliche Intelligenz. Außerdem: Saudi-Arabiens Tech-Messe LEAP startet mit 15 Milliarden Dollar an neuen Investitionen, OpenAI macht Hardware-Sicherheitsschlüssel für seine Cyber-Plattform Daybreak zur Pflicht, Oracle bereitet Entlassungen vor trotz 55,7 Milliarden Dollar KI-Investitionen, und zum Ausprobieren: der verschlüsselte deutsche E-Mail-Dienst Mailbox.org und der freie Video-Editor Olive.
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Transkript
Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Dienstag, der erste September 2026. Ich bin Anna Hoffmann.
Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: John Ternus übernimmt Apple und muss sofort die KI-Frage beantworten. Saudi-Arabien eröffnet die Tech-Messe LEAP mit fünfzehn Milliarden Dollar an neuen Investitionen. OpenAI macht Hardware-Sicherheitsschlüssel für seine Cyber-Plattform Daybreak zur Pflicht. Oracle bereitet neue Entlassungen vor, während der Konzern über fünfzig Milliarden in KI-Rechenzentren steckt. Und zum Abschluss zwei Sachen zum Ausprobieren: der verschlüsselte deutsche E-Mail-Dienst Mailbox punkt org und der freie Video-Editor Olive. Fangen wir an.
John Ternus wird heute Apple-Chef und erbt ein Unternehmen im KI-Rückstand.
Anna: John Ternus ist ab heute offiziell Chef von Apple. Tim Cook, fünfzehn Jahre an der Spitze, wechselt in den Aufsichtsratsvorsitz. Ternus ist Ingenieur, hat sich am iPhone, am iPad und an der Vision Pro einen Namen gemacht, und er läuft direkt in Apples größte strategische Baustelle: künstliche Intelligenz. Für die Neuauflage von Siri stützt sich Apple derzeit auf Googles Gemini. Für ein Unternehmen, das sonst alles im eigenen Haus baut, ist das ein bemerkenswertes Eingeständnis. Und sein erstes großes Produkt-Event ist in acht Tagen.
Klaus: Der Ingenieurshintergrund ist hier das Signal. Cook war der Operations-Mann, der Apple in eine perfekt geölte Lieferkette verwandelt hat. Ternus kommt aus dem Produkt. Damit sagt Apple im Grunde: das nächste Kapitel geht wieder um Technik und Hardware, nicht um Logistik. Auf der Bühne wird für den neunten September das erste faltbare iPhone erwartet, dazu die neuen iPhone-18-Pro-Modelle und AirPods mit Kameras. Das ist Ternus' Startschuss, und die Erwartungen sind hoch.
Anna: Die spannendere Frage ist Siri. Sich auf Gemini zu stützen, ist pragmatisch, gibt Google aber einen Fuß in die Tür des privatesten Geräts, das die meisten Menschen besitzen. Analysten fragen bereits, ob Apple wirklich ein eigenes Modell auf Augenhöhe mit OpenAI, Anthropic oder Google bauen kann. Denn diese drei liefern alle paar Monate neue Versionen. Apple hat bisher vor allem Ankündigungen geliefert, die dann verschoben wurden.
Klaus: Und darin liegt Ternus' Dilemma. Das faltbare iPhone lenkt kurzfristig von der KI-Story ab, das ist das Geschenk. Die Falle: unterwältigt das Gerät, wird die Erzählung sofort zur Kombination "neuer Chef, keine Antwort auf KI, keine Zeit mehr". Für den DACH-Markt heißt das konkret: Wer heute ein iPhone kauft und in ein oder zwei Jahren wirklich brauchbare KI-Funktionen darauf haben will, sollte genau hinschauen, wie viel Apple in acht Tagen zeigt und wie viel wieder nur versprochen wird. Auch Datenschützer in Deutschland und der Schweiz werden die Kopplung mit Google Gemini juristisch prüfen, weil dabei potenziell Anfragen ins Ausland fließen.
Saudi-Arabien eröffnet LEAP mit über fünfzehn Milliarden Dollar an Tech-Investitionen.
Anna: In Riad ist heute die Tech-Messe LEAP eröffnet worden, in ihrer fünften Auflage. Saudi-Arabien hat die Bühne genutzt, um mehr als fünfzehn Milliarden Dollar an neuen Technologie-Investitionen und Partnerschaften anzukündigen. Parallel läuft die KI-Konferenz DeepFest mit über hundert Rednern zu Themen wie agentische KI, Robotik und KI-Governance. Die Schlagzeilen kommen von HUMAIN, dem staatlich gestützten KI-Arm des Landes: ein offen zugängliches arabisches Sprachmodell namens HUMAIN M3, dazu eine Konversationsplattform HUMAIN Voice.
Klaus: Auffällig ist das Tempo und die Skala. LEAP gibt es erst seit 2022 und ist inzwischen eine der größten Tech-Messen weltweit. Saudi-Arabien positioniert sich sehr bewusst als dritter Pol zwischen USA und China, mit viel Geld und billiger Energie als Verkaufsargument. Ein offen zugängliches arabisches Modell ist geopolitisch klug, weil die großen westlichen Modelle Arabisch bisher schlecht beherrschen. Forscher in der Region können jetzt darauf aufbauen, ohne Lizenzgebühren zu zahlen.
Anna: Die spannendste Ankündigung ist der Deal mit Applied Intuition. Der kalifornische Anbieter von Simulationssoftware für autonomes Fahren soll bis 2030 in Saudi-Arabien das nach eigenen Angaben weltgrößte autonome LKW-Netz aufbauen. Lange gerade Straßen, kalkulierbares Wetter, ein einziger Regulierer. Das ist ein anderes Spiel als autonome Autos in einer europäischen Innenstadt. Dazu kommen fünf Milliarden Dollar für eine gemeinsame AWS-HUMAIN-KI-Zone und eine souveräne KI-Infrastruktur mit AMD und Cisco.
Klaus: Für den DACH-Raum sind das zwei Signale. Erstens rutscht das globale Investitionszentrum für KI-Infrastruktur weiter nach außerhalb Europas. Zweitens bekommen deutsche und schweizerische Industrieanbieter, etwa im Logistik-Software-Umfeld oder bei Sensorik für autonome Fahrzeuge, dort einen zahlungskräftigen Markt. Der Preis ist die geopolitische Frage: Wollen europäische Firmen ihre kritische Technik in einer Region ausrollen, in der Menschenrechtsfragen umstritten sind? Diese Debatte kommt in Berlin und Bern gerade erst richtig in Gang.
Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.
OpenAI macht Hardware-Sicherheitsschlüssel ab heute Pflicht für seine Cyber-Plattform Daybreak.
Klaus: OpenAI zieht bei seiner Cybersecurity-Plattform Daybreak die Schrauben an. Ab heute muss jeder Einzelaccount mit einem physischen Sicherheitsschlüssel eingeloggt werden. Daybreak ist die spezialisierte Plattform für Verteidiger, mit Zugang zu besonders leistungsfähigen Modellen, unter anderem einer cybersicherheits-optimierten Variante. Die Schritte passen in ein größeres Muster: KI-Anbieter ziehen die Zugriffskontrollen enger, sobald ihre Modelle wirklich gefährlich werden können, wenn sie in die falschen Hände geraten.
Anna: Hardware-Schlüssel sind diese kleinen Geräte, die man per USB einsteckt oder ans Handy hält, um zu beweisen, dass man wirklich selbst am Rechner sitzt. Sie machen Phishing praktisch wirkungslos, weil ein Angreifer zwar das Passwort stehlen kann, aber nicht das kleine Stück Metall auf dem Schreibtisch. Das für jeden einzelnen Account verpflichtend zu machen, nicht nur für Unternehmenskunden, ist ein starkes Signal. OpenAI sagt damit: wer Zugang zu unseren fortgeschrittenen Verteidigungsmodellen will, akzeptiert unser Sicherheitsniveau, ohne Ausnahmen.
Klaus: Die Logik ist klar. Wenn du Verteidigern eine KI gibst, die Schadsoftware analysieren, Schwachstellen finden und Angriffsketten durchdenken kann, willst du diesen Account auf keinen Fall an genau die Angreifer verlieren, die er stoppen soll. Anthropic und Google werden vergleichbare Anforderungen für ihre sensibelsten Stufen wahrscheinlich innerhalb eines Jahres nachziehen. Für IT-Verantwortliche in Deutschland und Österreich heißt das auch, sich jetzt endlich mit Passkeys und Yubikeys vertraut zu machen, denn diese Anforderungen wandern nach unten in die Standardprodukte.
Anna: Für den DACH-Markt ist das doppelt relevant. Behörden wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in Bonn empfehlen Hardware-Schlüssel schon länger, in der Praxis ist die Umsetzung in Unternehmen aber überschaubar. Wenn ein Anbieter wie OpenAI das per Zwang durchsetzt, verschiebt sich der Standard schneller, als jede Empfehlung es könnte. Und Schweizer Finanzhäuser, die mit KI-Assistenten für Analysten experimentieren, werden diese Modelle prüfen wollen, damit sensible Kundendaten nicht durch einen gestohlenen Login abfließen.
Oracle plant neue Entlassungen, obwohl der Konzern über fünfzig Milliarden in KI-Rechenzentren steckt.
Klaus: Oracle bereitet Berichten zufolge heute eine neue Entlassungsrunde vor. Der Kontext macht die Nachricht besonders auffällig. Die Investitionen des Konzerns sind im Geschäftsjahr 2026 auf 55,7 Milliarden Dollar explodiert, im Vorjahr waren es noch 21,2 Milliarden. Fast alles davon fließt in Rechenzentren für KI-Kunden, unter anderem für einen sehr großen Vertrag mit OpenAI. Der Umsatz ist um siebzehn Prozent auf 67,4 Milliarden Dollar gestiegen. Und trotzdem: Die Aktie hat seit Jahresbeginn über zwanzig Prozent verloren, und Aktionärsklagen sind eingereicht.
Anna: Diese Spannung ist bemerkenswert. Oracle gibt mehr als doppelt so viel für physische Infrastruktur aus wie im Vorjahr, und der Umsatz wächst solide. Investoren schauen aber auf die Lücke zwischen Ausgaben und Rückflüssen und werden nervös. KI-Rechenzentren zu bauen ist enorm teuer, allein die Stromrechnung ist erschütternd, und der Amortisationszeitraum ist lang. Gleichzeitig braucht Oracles klassisches Datenbankgeschäft weniger Personal, weil die Kunden in die Cloud wechseln.
Klaus: Dieses Muster sehen wir gerade quer durch die Branche. Rekord-KI-Investitionen und Entlassungen im selben Quartal. Die Belegschaft, die Oracle im KI-Zeitalter braucht, sieht ganz anders aus als die aus der On-Premise-Datenbank-Ära. Weniger klassische Vertriebsingenieure, mehr Betrieb von Rechenzentren, mehr KI-Spezialisten. Für die Betroffenen kurzfristig sehr schmerzhaft, und Aktionäre haben wenig Geduld.
Anna: Für Beschäftigte im DACH-Raum ist das ein Warnschuss. Oracle hat große Standorte in München und Wien, dazu Beratungsteams in Zürich. Wer dort im traditionellen Datenbankumfeld sitzt, sollte sich nicht auf gutes Umsatzwachstum als Jobsicherheit verlassen. Der Betriebsrat in Deutschland dürfte sich auf Verhandlungen einstellen. Gleichzeitig zeigt der Fall, wie stark der KI-Boom die Kapitalflüsse in eine Handvoll Cloud-Anbieter konzentriert, mit Folgen auch für europäische Rechenzentrumsbetreiber, die um die gleichen Grundstücke, Netzanschlüsse und Kühlkapazitäten konkurrieren.
Der verschlüsselte deutsche E-Mail-Dienst Mailbox punkt org bringt echte Privatsphäre in die Inbox.
Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen ihr heute konkret etwas anfangen könnt. Erst ein E-Mail-Dienst, der einen zweiten Blick verdient: Mailbox punkt org. Betrieben aus Berlin, seit den späten Neunzigern am Markt, und aufgebaut auf der Idee, dass eure Inbox niemand anderen etwas angeht. Der Ansatz ist geradlinig: verschlüsseltes E-Mail-Hosting auf deutschen Servern, nach deutschem Datenschutzrecht, ohne Werbung, ohne Datenauswertung.
Anna: Nutzer bekommen die klassische Kombination aus Mail, Kalender, Kontakten und Cloudspeicher, aber mit echter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung über offene Standards wie PGP. Die Preise starten bei einem Euro pro Monat, damit liegt der Dienst in Reichweite für alle, die das Tauschgeschäft "kostenlose Inbox gegen Daten" hinter sich lassen wollen. Wichtig: das ist eine Alternative zu Google Mail und Outlook auf der Ebene des Alltagsnutzers, kein spezielles Werkzeug für Techniker.
Klaus: Interessant im Vergleich zu den bekannteren Schweizer Angeboten ist der Preis und der Umfang der Werkzeuge. Voller Zugang über die klassischen Protokolle IMAP und SMTP, das heißt, der Dienst funktioniert mit jeder Mail-App, die ihr schon nutzt, von Thunderbird über Apple Mail bis Outlook. Es gibt eine ordentliche Web-Oberfläche für alle, die nichts einrichten wollen, und mobile Apps für Kalender und Cloud. Nutzer loben besonders den Spam-Filter und die Möglichkeit, eine eigene Domain ohne teuren Business-Tarif einzubinden.
Anna: Die praktische Anwendung: Freiberufler, Journalisten, kleine Unternehmen, oder einfach Menschen, die keine Lust mehr haben, dass eine große Werbeplattform ihre Post mitliest, machen einen sauberen Wechsel. Import aus Gmail oder Outlook funktioniert, ihr könnt Weiterleitungen einrichten und in Ruhe umziehen. Innerhalb eines Wochenendes ist der Umzug in der Regel erledigt. Läuft auf iOS, Android, Windows, Mac und Linux, weil es auf offenen Standards basiert.
Der freie Video-Editor Olive macht aus jedem Laptop einen ernsthaften Schnittplatz.
Klaus: Und die zweite Sache für heute: ein freier Open-Source-Video-Editor namens Olive. Wer den Einstieg in den Videoschnitt bisher geschoben hat, weil die großen Programme teuer oder überwältigend sind, sollte hier reinschauen. Olive ist ein nicht-linearer Video-Editor. Das heißt, ihr arbeitet mit Clips auf einer Zeitleiste und schiebt sie frei umher, so wie es professionelle Cutter tun.
Anna: Läuft auf Windows, Mac und Linux, ist wirklich kostenlos, ohne Wasserzeichen, ohne Abo, ohne versteckte Upsell-Angebote. Die Oberfläche kommt allen bekannt vor, die schon einmal Premiere oder Final Cut geöffnet haben: Zeitleiste unten, Vorschau oben, Effekte und Clips an der Seite. Das Projekt wurde von Grund auf neu gebaut, um moderne Videoformate und höhere Auflösungen zu verarbeiten, ohne die Abstürze, unter denen frühere Versionen litten.
Klaus: Nutzer berichten, dass die Software inzwischen stabil genug für echte Projekte ist, egal ob YouTube-Kanal, Familien-Urlaubsvideo oder ein kleiner Kurzfilm. Standardformate, Farbkorrektur, grundlegende Effekte und Ton-Mischung stecken alle drin. Die realistische Erwartung: das ersetzt keine vollständige Profi-Suite für Hollywood-Farbabstimmung oder Sendezentralen. Für die neunzig Prozent Anwender, die einfach Clips zusammenschneiden, Musik unterlegen, Titel setzen und etwas Sehbares exportieren wollen, macht es den Job, ohne nach Kreditkarte zu fragen.
Anna: Für Selbstständige und Schulen im DACH-Raum ist das relevant, weil Lizenzen für die großen Videoprogramme bei mehreren Arbeitsplätzen schnell in den vierstelligen Bereich klettern. Olive senkt diese Schwelle auf null. Zum Ausprobieren: Downloadgröße überschaubar, Installation in Minuten, und Tutorials auf YouTube gibt es reichlich. Ein Wochenendprojekt, in dem sich testen lässt, ob der Video-Einstieg wirklich so schwer ist, wie man immer denkt.
Anna: Heute ging es um: John Ternus, den neuen Apple-Chef mit KI-Baustelle. Die Tech-Messe LEAP in Riad mit fünfzehn Milliarden Dollar an Deals. OpenAIs Hardware-Schlüssel-Pflicht für Daybreak. Die Oracle-Entlassungen trotz KI-Boom. Und zwei Sachen zum Ausprobieren: der verschlüsselte Berliner E-Mail-Dienst Mailbox punkt org und der freie Video-Editor Olive.
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Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.