← The State of Tech DE RSS Feed

Freitag, 21. August 2026 · 12:12

Nvidia baut China-Chip mit Groq-Technik, Broadcom holt 60 Mrd. für Custom-KI

The State of Tech DE vom Freitag, 21. August 2026: Nvidia entwickelt mit lizenzierter Groq-Technologie einen neuen KI-Chip speziell für den chinesischen Markt – ByteDance und Tencent haben bereits bestellt. Außerdem: Broadcom finanziert die nächste Custom-Chip-Welle mit bis zu 100 Milliarden Dollar Fremdkapital, eine zweite Welle staatlicher KI-Projekte rollt über 67 Länder und überholt Europa, US-Behörden ordnen dringende Patches gegen KI-gestützte Angriffe an, und zwei kostenlose Open-Source-Tools – Trilium Notes und Grocy – helfen bei Wissensmanagement und Lebensmittelverschwendung.

Nvidia KI-Chips Broadcom Custom-Chips Cybersecurity CISA

Diese Folge anhören:

Transkript

Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Freitag, der einundzwanzigste August 2026. Ich bin Anna Hoffmann.

Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: Nvidia baut einen neuen KI-Chip speziell für China, Broadcom holt sich sechzig Milliarden Dollar Schulden für Custom-KI-Chips, eine zweite Welle staatlicher KI-Projekte rollt über siebenundsechzig Länder, US-Behörden ordnen dringende Patches gegen KI-gestützte Angriffe an, dann die Notiz-App Trilium Notes für den eigenen Rechner, und zum Schluss die Haushalts-App Grocy gegen Lebensmittelverschwendung. Fangen wir an.

Nvidia baut mit lizenzierter Groq-Technik einen neuen KI-Chip speziell für China.

Anna: Nvidia bereitet die ersten Lieferungen eines komplett neuen KI-Chips vor, der speziell für chinesische Kunden entwickelt wurde. Kleine Stückzahlen sollen noch bis Jahresende ausgeliefert werden. Und das ist diesmal keine einfache abgespeckte Version der bekannten Modelle. Es ist eine neue Variante von Nvidias Language Processing Unit, entwickelt mit lizenzierter Technologie von Groq, die zusammen mit klassischen Grafikchips KI-Chatbots beschleunigen soll. ByteDance und Tencent haben laut The Information bereits Bestellungen aufgegeben.

Klaus: Der Groq-Aspekt macht das besonders spannend. Nvidia baut hier im Grunde einen Hybridchip, um in einem Markt zu bleiben, aus dem sie fast rausgedrängt wurden. Gleichzeitig lockert China die Beschränkungen für Nvidias bestehende H200-Chips, größere Mengen dürfen nach Hongkong. Beide Seiten justieren also leise nach: Washington behält die Spitzenchips zu Hause, Peking lässt eine mittlere Klasse wieder rein, und Nvidia sichert sich einen Fuß in der Tür statt den zweitgrößten KI-Markt komplett an Huawei zu verlieren.

Anna: Das Größere dahinter: Exportkontrollen werden zur dauerhaften Design-Vorgabe, nicht zur vorübergehenden Hürde. Chiphersteller planen ganze Produktlinien um das herum, was wo verkauft werden darf. Das fragmentiert den globalen Markt und drückt chinesische Käufer nach und nach zu Huawei und anderen heimischen Alternativen, sobald die legal lieferbare Version nicht mehr reicht. Für Nvidia ist das eine Wette darauf, dass ein Kompromiss-Chip besser ist als gar kein Chip.

Klaus: Für den DACH-Raum wirkt das in zwei Richtungen. Wenn Nvidia Fertigungskapazität für ein China-spezifisches Modell reserviert, verschärft das die ohnehin knappe Lieferlage für europäische Kunden, von deutschen Rechenzentrumsbetreibern bis zu Forschungseinrichtungen. Und Firmen wie SAP oder Siemens, die in China entwickeln, müssen künftig genau planen, welche Hardware sie an welchem Standort einsetzen dürfen. Die Zeit der einheitlichen globalen KI-Infrastruktur ist erstmal vorbei.

Broadcom holt sich über sechzig Milliarden Dollar Schulden für die nächste Custom-KI-Chip-Welle.

Anna: Broadcom verhandelt gerade mit einem Konsortium von Kreditgebern über mehr als sechzig Milliarden Dollar an Fremdkapital, um ein großes KI-Chip-Vorhaben zu finanzieren. Das Paket kann eine nachrangige Tranche von rund dreißig Milliarden umfassen, plus eine vorrangig besicherte Tranche, die Broadcom teilweise garantiert. Insgesamt könnte die Summe auf bis zu hundert Milliarden Dollar steigen. Anthropic gilt als einer der Hauptnutznießer, neben anderen Firmen, die eigene Chips entwickeln lassen.

Klaus: Die schiere Dimension ist bemerkenswert. Hundert Milliarden Dollar an Schulden für eine einzige Investitionswelle in Chips, das entspricht ungefähr dem jährlichen Verteidigungsbudget eines mittelgroßen europäischen Landes. Und es zeigt, dass selbst die größten Techkonzerne KI-Infrastruktur nicht mehr aus dem laufenden Cashflow bezahlen wollen. Sie gehen an die Anleihemärkte, verpfänden Vermögenswerte, verhalten sich wie Versorger oder Fluggesellschaften. Das ist ein struktureller Wandel, wie diese Branche finanziert wird.

Anna: Und es sagt viel über den Trend zu Custom-Chips. Anthropic, Google, Meta, sie alle wollen weg von der Abhängigkeit von Nvidia und lassen eigene Designs bauen. Broadcom ist der Partner, der das für viele ermöglicht, und diese Finanzierungsrunde ist gewissermaßen das industrielle Rückgrat dieser Verschiebung. KI-Hardware ist nicht mehr nur Nvidias Geschichte. Eine zweite Ebene aus maßgeschneidertem Silizium entsteht, komplett auf Pump finanziert.

Klaus: Für europäische KI-Firmen wird die Landschaft dadurch härter. Keine europäische Firma hat Zugang zu Kreditlinien in dieser Größenordnung, und der hiesige Wagniskapitalmarkt ist ein Bruchteil des amerikanischen. Aleph Alpha in Heidelberg oder Mistral in Paris konkurrieren gegen Gegner, die zweistellige Milliarden allein für Chip-Bestellungen locker machen. Industrieverbände wie Bitkom weisen seit Monaten darauf hin, dass Europa ohne koordinierte Finanzierung strukturell zurückfallen droht.

Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.

Eine zweite Welle staatlicher KI-Projekte rollt über siebenundsechzig Länder und überholt Europa.

Klaus: Ein neuer Bericht des Center for a New American Security dokumentiert einen deutlichen Sprung bei staatlich unterstützten KI-Projekten. Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden hundertvierundachtzig souveräne KI-Initiativen in siebenundsechzig Ländern gestartet, eine erhebliche Steigerung gegenüber den Vorjahren. Die Forscher sprechen von einer klaren zweiten Welle. Das Ziel ist in fast allen Fällen nationale Selbstständigkeit bei Infrastruktur, Modellen und Daten.

Anna: Auffällig ist die geografische Verschiebung. Der asiatisch-pazifische Raum hat Europa als aktivste Region überholt, Indien führt mit elf neuen Initiativen. Etwa achtzig Prozent der Projekte drehen sich um Infrastruktur: Rechenzentren, nationale Compute-Programme, Zugangssysteme für Forscher und Startups. Länder behandeln KI-Rechenleistung so wie sie früher Stromnetze oder Eisenbahnen behandelt haben. Und dieser Rahmen verändert alles, wer zahlt, wer plant, in welchen Zeitfenstern.

Klaus: Wenn KI zur kritischen nationalen Fähigkeit erklärt wird, schalten sich Industrieministerien ein, Staatsfonds beteiligen sich, Vergabeverfahren laufen nach anderen Regeln als im Privatsektor. Was der Bericht zeigt, ist eine globale Neujustierung. Regierungen vertrauen nicht mehr darauf, dass der Markt allein strategisch wichtige Rechenkapazität liefert.

Anna: Für Europa sind die Zahlen ernüchternd. Der Kontinent hat im ersten Halbjahr dreizehn neue souveräne KI-Projekte hinzugefügt, in absoluten Zahlen respektabel, aber vom asiatisch-pazifischen Raum in Tempo und Ehrgeiz überholt. Deutschland hat mit der geplanten KI-Gigafactory einen ambitionierten Baustein, aber Kritiker aus dem Umfeld des Digitalverbands verweisen darauf, dass Milliardenzusagen aus den USA und aus Asien den Maßstab setzen. Die EU-Kommission arbeitet an ihrer AI Continent Strategy, die Umsetzungsgeschwindigkeit bleibt jedoch die offene Frage.

US-Behörden ordnen dringendes Patchen an, KI-gestützte Angriffe treffen Deutschland und Frankreich hart.

Klaus: Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA hat vier aktiv ausgenutzte Sicherheitslücken in ihren Katalog bekannter Exploits aufgenommen. Betroffen sind Microsoft SharePoint, VMware vCenter und Apples macOS. Bundesbehörden in den USA mussten bis heute, den einundzwanzigsten August, patchen. Eine dieser Lücken wird laut Sicherheitsforschern von einem chinesischsprachigen Akteur in einer, wie sie es nennen, KI-gestützten autonomen Hacking-Kampagne genutzt, parallel zu manuellen Operationen.

Anna: Die Reichweite ist breit. Angriffe wurden in siebenundvierzig Ländern beobachtet, Deutschland, die USA, die Türkei, der Iran und Frankreich stehen ganz oben in der Telemetrie. Das Besondere an dieser Kampagne ist, dass KI einen Teil der Aufklärung und der ersten Ausnutzung autonom übernimmt und dann an menschliche Angreifer für die härteren Ziele übergibt. Diese Kombination ist schneller und billiger als eine rein manuelle Kampagne, und sie senkt die Einstiegshürde für fortgeschrittene Angriffe deutlich.

Klaus: Die Schwachstellen sind für sich schon ernst. Sie erlauben das Ausführen von Code aus der Ferne und persistenten Zugriff, das heißt, ein Angreifer, der reinkommt, bleibt drin und kann sich leise im Netzwerk bewegen. Für jede Organisation, die SharePoint on premises betreibt, VMware vCenter für die Virtualisierung nutzt oder eine Flotte von Macs verwaltet, ist das ein Alles-stehen-und-liegen-lassen-Moment.

Anna: Für den DACH-Raum ist das besonders relevant, weil deutsche Organisationen bereits prominent in den Angriffsdaten auftauchen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat in den vergangenen Monaten wiederholt vor genau diesem Muster gewarnt: kürzere Patch-Fenster, weil Angreifer schneller automatisieren als Verteidiger nachziehen können. Für Mittelständler ohne eigenes Security-Team ist das der Punkt, an dem verwaltete Sicherheitsdienstleister wirklich unverzichtbar werden.

Die freie Notiz-App Trilium Notes verwandelt jeden Rechner in eine private Wissensdatenbank.

Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen du heute konkret etwas anfangen kannst. Als Erstes: Trilium Notes. Das ist eine kostenlose Open-Source-Notiz-Anwendung, die eine wachsende Community aus einem sehr konkreten Grund schätzt. Sie organisiert alles in einer hierarchischen Baumstruktur, das passt für Menschen, die in Kategorien und Unterkategorien denken, statt mit Tags oder Rückverlinkungen zu arbeiten.

Anna: Genau diese Designentscheidung unterscheidet Trilium Notes von den bekannteren Alternativen. Statt eines flachen Stapels Markdown-Dateien baust du Äste. Eine Notiz kann durch Klonen an mehreren Stellen gleichzeitig existieren, du musst also nichts duplizieren. Nutzer berichten, dass die App auch mit Zehntausenden Notizen ruhig läuft, deshalb ist sie bei Forschenden, Juristen und technischen Redakteuren beliebt, die an langen Projekten arbeiten. Sie beherrscht Rich Text, Code-Blöcke, Skizzen, Karten und sogar Beziehungsdiagramme zwischen Notizen.

Klaus: Praktische Details: Trilium Notes läuft als Desktop-App auf Windows, macOS und Linux, und es gibt eine Server-Version zum Selbsthosten, wenn du zwischen Geräten synchronisieren willst. Alles bleibt auf deiner Maschine oder deinem eigenen Server, nichts wandert in eine Firmen-Cloud, außer du richtest das bewusst so ein. Das Einrichten der Desktop-Version dauert etwa zehn Minuten. Komplett kostenlos, kein Abo, kein Konto nötig.

Anna: Für Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Selbsthosting-Option besonders interessant. Wer die Notizen auf einem Server innerhalb der EU haben will, unter DSGVO-Regeln, installiert Trilium Notes auf einer kleinen virtuellen Maschine bei einem europäischen Anbieter wie Hetzner oder IONOS und ist damit rechtlich in einer deutlich klareren Position als bei US-Cloud-Diensten. Eine Alternative zu Evernote oder Notion, die die Datenkontrolle wirklich zurückgibt.

Die freie App Grocy macht aus der Küche einen smarten Haushaltsmanager gegen Lebensmittelverschwendung.

Klaus: Der zweite Fund heute hat nichts mit KI zu tun: Grocy. Eine freie Open-Source-Haushaltsmanagement-App, am ehesten zu beschreiben als Warenwirtschaftssystem für den eigenen Kühlschrank. Sie erfasst, welche Lebensmittel du hast, was demnächst abläuft, was auf die Einkaufsliste gehört, und sie schlägt sogar Rezepte auf Basis dessen vor, was schon in der Küche steht.

Anna: Der Ablauf ist unkompliziert. Beim Auspacken des Einkaufs scannst du mit der Handykamera die Barcodes, Grocy protokolliert Artikel, Menge und Verfallsdatum. Beim Kochen verbrauchst du die Zutaten aus der App, der Bestand aktualisiert sich automatisch. Grocy übernimmt auch Haushaltsaufgaben, es erinnert dich daran, wann die Kaffeemaschine entkalkt oder die Batterie im Rauchmelder gewechselt werden muss. Manche kleine Betriebe nutzen es sogar zur Lagerverwaltung.

Klaus: Grocy läuft in jedem Webbrowser, Begleit-Apps für Android und iOS machen das Barcode-Scannen schnell. Selbst hosten lässt es sich auf einem Raspberry Pi, einem kleinen Heimserver oder einer günstigen virtuellen Maschine. Es gibt auch gehostete Angebote über einige europäische Anbieter, wenn du den Server nicht selbst betreiben willst. Entwickelt wird die App von einem kleinen unabhängigen Team, und sie ist wirklich kostenlos.

Anna: Was Nutzer besonders loben, ist die Reduktion von Lebensmittelverschwendung. Sobald die App meldet, dass drei Artikel diese Woche ablaufen, wird Essensplanung sehr konkret. Haushalte, die Grocy einige Monate nutzen, berichten typischerweise von niedrigeren Ausgaben, weil sie aufhören, Dinge doppelt zu kaufen, die schon im Vorratsschrank stehen. In Deutschland, wo laut Bundesministerium für Ernährung pro Kopf jährlich rund achtzig Kilogramm Lebensmittel im Müll landen, ein interessanter Hebel.

Klaus: Heute ging es um Nvidias neuen China-Chip mit Groq-Technik, um Broadcoms sechzig-Milliarden-Dollar-Schuldenpaket für Custom-KI-Chips, um die zweite Welle staatlicher KI-Projekte in siebenundsechzig Ländern, um die dringende Patch-Anordnung der US-Behörde CISA gegen KI-gestützte Angriffe, um die private Notiz-App Trilium Notes für den eigenen Rechner, und um den freien Haushaltsmanager Grocy gegen Lebensmittelverschwendung.

Anna: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.

Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.