← The State of Tech DE RSS Feed

Dienstag, 18. August 2026 · 11:26

OpenAI & Nvidia bauen größtes KI-Rechenzentrum, Apple-Aktionär klagt, Azure-Hack trifft Vodafone

The State of Tech DE vom Dienstag, 18. August 2026: OpenAI und Nvidia investieren 105 Milliarden Dollar in das größte KI-Rechenzentrum der Welt in Ohio – ein Projekt, das Europas gesamte KI-Infrastruktur in den Schatten stellt. Außerdem: Ein Apple-Aktionär verklagt den Vorstand wegen mutmaßlich raubkopierter KI-Trainingsdaten, Hacker TheHatman verkauft Daten aus den Azure-Umgebungen von Vodafone und McDonald's, Coherent liefert Siliziumkarbid-Substrate für 25 % bessere Chip-Kühlung, und zum Abschluss zwei Tools zum Ausprobieren: das Diagramm-Werkzeug Mermaid Chart und die Reiseplan-App Polarsteps Plan.

KI-Infrastruktur OpenAI Nvidia Apple Cloud-Sicherheit Microsoft Azure

Diese Folge anhören:

Transkript

Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Dienstag, der achtzehnte August 2026. Ich bin Anna Hoffmann.

Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: OpenAI und Nvidia bauen das größte KI-Rechenzentrum der Welt in Ohio. Ein Apple-Aktionär verklagt den Vorstand wegen mutmaßlich raubkopierter KI-Trainingsdaten. Ein Hacker verkauft Daten aus den Azure-Umgebungen von Vodafone, McDonald's und weiteren Konzernen. Coherent liefert erste Muster eines Siliziumkarbid-Substrats, das KI-Chips deutlich besser kühlt. Zum Abschluss zwei Sachen zum Ausprobieren, zuerst das textbasierte Diagramm-Werkzeug Mermaid Chart. Und danach die Reiseplan-App Polarsteps Plan aus Amsterdam. Fangen wir an.

OpenAI und Nvidia bauen für 105 Milliarden Dollar das größte KI-Rechenzentrum der Welt in Ohio.

Anna: OpenAI unterzeichnet einen Zwanzigjahresvertrag für ein neues KI-Rechenzentrum in Ohio, das nach Fertigstellung das größte einzelne KI-Rechenzentrum der Welt sein könnte. Gebaut wird es auf dem Gelände einer ehemaligen Uran-Anreicherungsanlage aus dem Kalten Krieg. Nvidia stellt eine Finanzierungszusage von 105 Milliarden Dollar bereit, und die volle Ausbaustufe könnte acht Gigawatt Kapazität erreichen. Zum Vergleich: Das entspricht etwa dem Stromverbrauch eines mittelgroßen europäischen Landes. SoftBank und SB Energy stecken mehr als vier Milliarden Dollar in die lokale Energieinfrastruktur, versprochen sind fünfunddreißigtausend Bauarbeitsplätze und fünfundzwanzighundert Dauerstellen.

Klaus: Die Zahlen sind beeindruckend, aber der wirklich interessante Punkt ist die Exklusivität. Diese Anlage läuft ausschließlich mit Nvidia-Chips, und Nvidia finanziert praktisch den Kunden, der dann die eigenen Chips kauft. Jeder Dollar, den Nvidia reinsteckt, kommt als Chip-Bestellung zurück. Auf dem Papier ist das großartig für Wachstum, aber Analysten sehen darin auch eine Konzentration von Risiken, die Regulierer erst langsam auf dem Schirm haben. Für den DACH-Raum ist die Botschaft unbequem: Diese eine Anlage hat mehr dedizierte KI-Rechenleistung als Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen aufbieten können. Und deutsche KI-Firmen mieten zunehmend Kapazität bei US-Hyperscalern, was Wettbewerbsfähigkeit, Latenz und Datensouveränität von Entscheidungen abhängig macht, die in Ohio getroffen werden, nicht in Berlin oder München.

Anna: Das ist auch der Grund, warum die deutsche Bundesregierung und die EU über souveräne KI-Infrastruktur reden. Der geplante Ausbau von KI-Fabriken in Deutschland und Frankreich klingt nach viel, bewegt sich aber im Bereich von Hunderten Megawatt, nicht Gigawatt. Es gibt also eine Größenordnung Unterschied. Für deutsche Unternehmen, die heute Modelle trainieren wollen, bleibt der Weg über AWS, Azure oder Google Cloud damit vorerst der praktische Standardweg.

Apple-Aktionär verklagt den Vorstand wegen mutmaßlicher KI-Training auf Raubkopien und geschönter Aktienrückkäufe.

Klaus: Ein Apple-Aktionär hat eine sogenannte Derivativklage gegen den Vorstand des Unternehmens eingereicht. Der Vorwurf: Der Vorstand habe verheimlicht, dass Apple raubkopiertes urheberrechtlich geschütztes Material zum Training seiner KI-Modelle verwendet habe. Laut Klageschrift setzt dieses mutmaßliche Verhalten Apple potenziellen Schadensersatzansprüchen in Milliardenhöhe aus. Und trotzdem habe der Vorstand fünfundvierzig Milliarden Dollar an Aktienrückkäufen genehmigt, zu Kursen, die die Klage als künstlich überhöht bezeichnet. Kurz gesagt: Der Investor argumentiert, der Vorstand habe Aktien zurückgekauft, während er auf einer versteckten juristischen Bombe saß.

Anna: Das Interessante ist der Blickwinkel. Autoren und Verlage haben KI-Firmen bereits verklagt, das kennen wir. Neu ist, dass jetzt ein eigener Aktionär gegen den Vorstand vorgeht, weil er die Risiken nicht offengelegt habe. Wenn dieses Argument Traktion bekommt, öffnet das eine zweite Front für jedes börsennotierte Unternehmen, das Modelle mit fragwürdigen Daten trainiert hat. Vorstände weltweit lesen diese Woche ihre Offenlegungen noch einmal. Für den DACH-Raum gibt es einen konkreten Bezug: Der AI Act der EU verlangt von Anbietern allgemeiner KI-Modelle inzwischen eine zusammenfassende Offenlegung der Trainingsdaten. Europäische Regulierer können auf diese Klage zeigen und sagen: Genau deshalb haben wir Transparenz vorgeschrieben.

Klaus: Deutsche Verlage und Verwertungsgesellschaften wie die VG Wort verfolgen die Entwicklung sehr genau. Wenn Aktionärsklagen zum neuen Hebel werden, verändert das den Ton der ganzen Debatte. Nicht mehr nur Autoren gegen Tech-Konzerne, sondern die Kapitalmärkte selbst, die Klarheit über Trainingsdaten verlangen.

Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.

Hacker verkauft Daten aus den Azure-Umgebungen von Vodafone, McDonald's und anderen Konzernen.

Klaus: Ein Angreifer, der sich TheHatman nennt, verkauft angeblich Daten, die direkt aus den Microsoft-Azure-Umgebungen mehrerer Fortune-500-Unternehmen stammen. Die Liste der genannten Opfer ist schwer: McDonald's, der indische IT-Riese Tata Consultancy Services, Vodafone und die Hotelgruppe InterContinental Hotels Group. Das Besondere daran ist der Vorwurf, dass die Daten aus den Cloud-Umgebungen der Kunden selbst gezogen wurden, nicht aus einer undichten App oder einem gestohlenen Laptop. Wenn das stimmt, deutet das auf kompromittierte Administrator-Zugangsdaten oder falsch konfigurierte Zugriffsrechte hin, und zwar im großen Stil.

Anna: Der Name Vodafone bringt europäische Aufsichtsbehörden sofort in Bewegung. Vodafone hat allein in Deutschland zweistellige Millionenzahlen an Kunden, dazu große Bestände in Großbritannien, Italien und Spanien. Jeder bestätigte Abfluss von Kundendaten löst nach DSGVO eine Meldepflicht innerhalb von zweiundsiebzig Stunden aus. Die deutsche Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Landesdatenschutzbeauftragten werden Antworten sehen wollen. IHG betreibt Hotelketten quer durch den DACH-Raum, also könnten auch Buchungs- und Bonusprogrammdaten betroffen sein.

Klaus: Die größere Lektion betrifft geteilte Verantwortung in der Cloud. Microsoft sichert die Plattform, aber Kunden sind für Konfiguration, Identitätsrichtlinien und Zugriffskontrollen selbst zuständig. Angreifer haben ihren Fokus verschoben. Statt in die Cloud einzubrechen, missbrauchen sie legitime Zugangsdaten der Kunden. Sicherheitsforscher weisen seit Monaten darauf hin, und der Fall ist ein Lehrstück dafür, warum Multi-Faktor-Authentifizierung für Administrator-Konten nicht optional ist.

Coherent liefert Muster eines Siliziumkarbid-Substrats, das KI-Chips fünfundzwanzig Prozent besser kühlt.

Anna: Der US-Materialhersteller Coherent hat begonnen, Muster eines neuen dreihundert Millimeter großen Siliziumkarbid-Substrats an Kunden zu verschicken. Das Material ist speziell dafür entwickelt, Wärme von KI-Chips abzuleiten. Coherent gibt an, die Wärme lasse sich bis zu fünfundzwanzig Prozent besser verteilen als mit dem aktuellen Standard. Und, das ist wichtig, das neue Substrat ist kompatibel mit bestehenden Halbleiter-Produktionslinien. Chip-Hersteller müssten ihre Fabriken also nicht umbauen.

Klaus: Das ist die unglamouröse Seite des KI-Booms und möglicherweise die wichtigste. Jede neue Generation KI-Beschleuniger zieht mehr Strom und produziert mehr Wärme als die vorherige. Nvidias neueste Server-Racks kommen inzwischen deutlich über hundert Kilowatt pro Rack, und irgendwann kocht sich das Silizium selbst. Bessere Wärmeleitmaterialien sind einer der wenigen verbliebenen Hebel, für den man kein neues Kraftwerk bauen muss. Fünfundzwanzig Prozent bessere Wärmeverteilung übersetzt sich direkt in höhere Taktraten oder längere Lebenszeit der Chips.

Anna: Für Deutschland ist das gleich zweifach relevant. Erstens fließen Milliarden aus dem European Chips Act in neue Halbleiterkapazität, unter anderem in die Intel-Investition in Magdeburg und in Ausbauten in Sachsen. Bessere Wärmeleitsubstrate könnten Teil der Spezifikation für diese neuen Fabriken werden. Zweitens stehen deutsche Rechenzentrumsbetreiber unter wachsendem regulatorischen Druck, Effizienzziele zu erreichen. Alles, was hilft, mehr Rechenleistung pro Kilowatt Strom rauszuholen, wird schnell zum Verkaufsargument.

Klaus: Und es zeigt, wo der Wettbewerb in der Halbleiterkette gerade wirklich stattfindet: bei Materialien, Verpackung und Kühlung. Nicht nur bei den Chips selbst.

Mermaid Chart macht aus dem Browser einen Arbeitsplatz für Diagramme aus reinem Text.

Anna: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen du heute konkret etwas anfangen kannst. Das erste ist Mermaid Chart, ein kostenloses browserbasiertes Diagramm-Werkzeug, das sich still und leise zum Liebling von Entwicklern, technischen Redakteuren und Projektmanagern entwickelt hat. Statt Kästen auf einer Zeichenfläche zu ziehen, tippst du ein paar Zeilen einfachen Text, und Mermaid Chart zeichnet daraus ein Flussdiagramm, ein Sequenzdiagramm, ein Organigramm oder einen Zeitstrahl. Änderst du ein Wort im Text, aktualisiert sich das Diagramm sofort.

Klaus: Der clevere Punkt ist, dass Mermaid auf einer offenen Syntax basiert, die schon von GitHub, GitLab, Notion und vielen Dokumentationsplattformen unterstützt wird. Diagramme, die du in Mermaid Chart baust, wandern also mit dir, sie sperren dich nicht in einen Anbieter ein. Nutzer berichten, dass ein Flussdiagramm, das in herkömmlichen Werkzeugen zwanzig Minuten dauerte, sich mit ein paar Zeilen Text in unter zwei Minuten skizzieren lässt. Es läuft komplett im Browser, keine Installation nötig, und der kostenlose Tarif ist großzügig genug für die meisten privaten und kleinen Teams.

Anna: Für den DACH-Raum gibt es einen praktischen Zusatznutzen. Weil die Diagramme als Text gespeichert werden, lassen sie sich einfach in eine Versionsverwaltung packen, in einem Pull Request überprüfen und in technische Dokumentation einbetten, ohne proprietäres Dateiformat. Gerade Behörden und öffentliche Verwaltungen schätzen das, weil es zu Open-Standards-Beschaffungsregeln passt. Die Pro-Version bringt Team-Zusammenarbeit und private Speicherung, aber der kostenlose Tarif deckt für die meisten schon alles ab. Du findest Mermaid Chart auf mermaidchart.com.

Polarsteps Plan lässt dich mehrtägige Europareisen bauen, ohne Reisedaten an Werbenetzwerke abzugeben.

Klaus: Das zweite Werkzeug ist Polarsteps Plan, der Reiseplanungs-Teil der niederländischen Reise-App Polarsteps. Die Haupt-App zeichnet deine Reise still auf, während du unterwegs bist. Plan lässt dich die Route dagegen vor der Reise bauen. Du setzt Nadeln auf eine Karte, fügst Hotels, Fähren, Flüge und Sehenswürdigkeiten hinzu, und die App näht daraus einen Tag-für-Tag-Plan zusammen, den du mit Mitreisenden teilen kannst.

Anna: Was Polarsteps Plan von Google Trips oder ähnlichen Werkzeugen unterscheidet, ist die europäische Datenschutzhaltung. Polarsteps sitzt in Amsterdam, arbeitet also standardmäßig unter DSGVO, und das Unternehmen sagt ausdrücklich, dass es keine Standortdaten der Nutzer an Werbetreibende verkauft. Rezensenten heben hervor, wie gut die App mit europäischen Mehrländerreisen umgeht, wo man Züge, Billigflieger und die gelegentliche Fähre kombiniert. Der Plan synchronisiert sich mit der Haupt-App, sodass beim Reiseantritt Offline-Karten und Tagesplan schon parat liegen.

Klaus: Der kostenlose Tarif erlaubt eine Reise gleichzeitig, was für die meisten reicht. Wer öfter unterwegs ist, kann für unbegrenzte Planung und erweiterte Zusammenarbeit bezahlen. Die App läuft auf iOS und Android, und es gibt eine Web-Version für die schwerere Arbeit am Laptop. Mit den Herbstferien und den Weihnachtsmärkten in Straßburg, Nürnberg und Wien vor der Tür ist das ein zeitlich passender Fund. Fünfzehn Minuten auf dem Sofa, und du hast einen teilbaren Plan für die Mitreisenden.

Anna: Heute ging es um OpenAI und Nvidia, die für 105 Milliarden Dollar das größte KI-Rechenzentrum der Welt in Ohio bauen. Um einen Apple-Aktionär, der den Vorstand wegen mutmaßlicher raubkopierter KI-Trainingsdaten verklagt. Um den Hacker TheHatman, der Daten aus den Azure-Umgebungen von Vodafone, McDonald's und weiteren Konzernen verkauft. Um Coherent, das Siliziumkarbid-Substrate liefert, die KI-Chips fünfundzwanzig Prozent besser kühlen. Um das textbasierte Diagramm-Werkzeug Mermaid Chart im Browser. Und um die Reiseplan-App Polarsteps Plan aus Amsterdam.

Klaus: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.

Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.