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Montag, 17. August 2026 · 12:32

Goldman Sachs: 1 Billion Dollar KI-Investitionen 2026, Alibaba überholt Meta, DeepMind-Umbau

The State of Tech DE vom Montag, 17. August 2026: Goldman Sachs prognostiziert globale KI-Investitionen von einer Billion Dollar allein in 2026 – breiter verteilt als erwartet, mit Folgen für Stromnetze, Chipversorgung und Europas Rolle. Außerdem: Alibabas Qwen-Modelle knacken drei Milliarden Downloads und stellen Meta und Google in den Schatten, eine Wyoming-Klage testet die Haftung von KI-Anbietern beim Missbrauch ihrer Chatbots, Google DeepMind wird umgebaut und verliert Demis Hassabis sowie Jeff Dean, und als Praxistipps: die lokale Schreib-App Novelwriter für lange Textprojekte und die Offline-Karten-App CoMaps für Reisen durch Europa ohne Tracking.

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Transkript

Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Montag, der siebzehnte August 2026. Ich bin Anna Hoffmann.

Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: Goldman Sachs prognostiziert eine Billion Dollar für KI-Investitionen in diesem Jahr. Chinas offene KI-Modelle von Alibaba überholen Meta und Google bei den Downloads. Eine Klage in Wyoming wirft grundlegende Fragen zur Haftung von KI-Anbietern auf. Google DeepMind wird umgebaut, Demis Hassabis tritt ab und Jeff Dean geht. Dann die freie Schreib-App Novelwriter für alle, die längere Texte schreiben. Und zum Schluss die Offline-Karten-App CoMaps. Legen wir los.

Goldman Sachs prognostiziert eine Billion Dollar an globalen KI-Investitionen allein in 2026.

Anna: Goldman Sachs Research hat eine Zahl veröffentlicht, an der man nicht vorbeikommt. Die weltweiten Investitionen in künstliche Intelligenz laufen 2026 auf rund eine Billion Dollar zu. Und das umfasst nicht nur die großen amerikanischen Cloud-Anbieter, sondern auch private Firmen, kleinere Anbieter und Unternehmen außerhalb der USA. Goldman erwartet einen Anstieg von 0,9 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr auf 1,4 Prozent bis 2028. Kumuliert könnten die Ausgaben seit 2022 bis Jahresende bei rund 1,8 Billionen Dollar liegen.

Klaus: Was diesen Report besonders macht, ist der breitere Blick. Die meisten Schlagzeilen der letzten Monate haben sich auf die vier oder fünf großen US-Konzerne konzentriert. Goldman fasst das Bild deutlich weiter. Das bedeutet, dass der KI-Ausbau breiter verteilt ist als gemeinhin angenommen. Das verändert die Diskussion darüber, wer eigentlich profitiert, wer die Schulden schultert und wo die physische Infrastruktur landet. Denn eine Billion Dollar sind nicht nur Software und Cloud-Abos. Das sind Rechenzentren, Kühlanlagen, Umspannwerke und Netzanbindungen.

Anna: Für die DACH-Region ist diese Perspektive unbequem und klärend zugleich. Deutsche, österreichische und schweizerische Firmen und Regierungen tragen zu dieser Billion bei, aber der Großteil der Rechenleistung, der Beschleuniger und der Rechenzentren steht weiter außerhalb Europas. Die InvestAI-Initiative der EU und die nationalen Programme in Berlin, Wien und Bern wirken gegen diese Zahlen bescheiden. Branchenverbände wie der Bitkom argumentieren seit Jahren, dass die europäischen KI-Investitionen um den Faktor zehn hinter denen der US-Konkurrenz zurückliegen.

Klaus: Was Hörer daraus mitnehmen sollten, ist weniger die Angst, etwas zu verpassen, sondern ein Gefühl für das Tempo. Goldman sagt im Kern, dass die Investitionen bis 2028 stabil hoch bleiben. Das heißt: der Druck auf die Stromnetze, die Fragen zur Chipversorgung und der Streit um Wasserverbrauch von Rechenzentren, all das wird uns weiter beschäftigen. In Frankfurt, wo einer der wichtigsten Rechenzentrums-Cluster Europas steht, spürt man das schon jetzt bei den Strompreisen und den Genehmigungsverfahren. Auch die österreichische E-Control und die deutsche Bundesnetzagentur sind in Alarmbereitschaft, weil die Netzkapazität an einigen Standorten schlicht ausgereizt ist.

Alibabas Qwen-Modelle knacken drei Milliarden Downloads und stellen die offene KI-Welt neu auf.

Anna: Weiter mit einer Meldung, die zeigt, wie schnell sich die Machtverhältnisse in der offenen KI-Welt verschieben. Der chinesische Tech-Konzern Alibaba meldet, dass seine Qwen-Familie an Open-Source-KI-Modellen die Marke von drei Milliarden Downloads überschritten hat. Damit sieht sich Alibaba als Marktführer bei offenen KI-Modellen und laut eigenen Angaben vor den vergleichbaren Modellen von Meta und Google. Ein großer Teil dieses Wachstums fällt in die vergangenen sechs Monate.

Klaus: Der Grund für diesen Anstieg liegt in zwei Punkten. Erstens sind die technischen Fähigkeiten der Qwen-Modelle inzwischen wettbewerbsfähig mit den westlichen Alternativen. Zweitens ist die Lizenz freizügig, was bedeutet, dass Entwickler die Modelle in eigene Produkte einbauen können, ohne teure Verträge unterschreiben zu müssen. Die geschlossenen Systeme großer amerikanischer Labore werden damit unter Druck gesetzt. Ein Entwickler, der bisher OpenAI oder Anthropic bezahlt hat, kann heute realistisch prüfen, ob ein Qwen-Modell für seinen Anwendungsfall reicht.

Anna: Für die DACH-Region ist das eine zweischneidige Sache. Auf der einen Seite bekommen deutsche Mittelständler mehr Auswahl und können KI-Anwendungen bauen, ohne von einem einzelnen US-Anbieter abhängig zu sein. Auf der anderen Seite bringt der Einsatz chinesischer Modelle Fragen mit sich, was Datenschutz, Compliance und Herkunft der Trainingsdaten angeht. Aufsichtsbehörden wie die deutsche Bundesbeauftragte für Datenschutz haben schon signalisiert, dass sie die Nutzung solcher Modelle in sensiblen Bereichen genau anschauen werden. Das ist noch nicht abgeschlossen.

Klaus: Was in dieser Meldung nicht steht, aber offensichtlich mitläuft: Die Konkurrenz aus China verändert die Preisstruktur weltweit. Wenn ein Modell mit vergleichbarer Leistung kostenlos verfügbar ist, wird es für die US-Anbieter schwerer, hohe Margen für ihre geschlossenen Systeme zu verlangen. Das ist gut für Nutzer und schlecht für die Investmentthese hinter manchen Bewertungen aus dem ersten Beitrag. Beides gleichzeitig.

Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.

Eine Klage in Wyoming stellt die Frage, ob KI-Anbieter für Missbrauch ihrer Chatbots haften.

Klaus: Das ist eine schwierige Geschichte, aber eine wichtige. Eine Frau aus dem US-Bundesstaat Wyoming hat vor einem Bundesgericht Klage eingereicht. Der Vorwurf: Ihr Stiefvater habe den Chatbot Grok benutzt, um ein Kinderfoto von ihr in kinderpornografisches Material zu verwandeln. Die Klage richtet sich direkt gegen den KI-Anbieter und testet, ob ein Unternehmen für die Missbrauchsmöglichkeiten seines eigenen Werkzeugs haftbar gemacht werden kann.

Anna: Die rechtliche Frage dahinter ist wirklich neu. Die bestehenden Gesetze gegen solches Material wurden geschrieben, bevor es generative KI gab. Die Gerichte müssen jetzt entscheiden, ob ein Chatbot-Anbieter haftet, wenn seine Schutzmechanismen versagen, und was überhaupt ein zumutbarer Schutzmechanismus ist, wenn Bildmodelle mit kreativen Eingaben umgangen werden können. Fachleute weisen darauf hin, dass die Sicherheitsvorkehrungen zwischen den Anbietern stark schwanken, manche Modelle lassen sich deutlich leichter missbrauchen als andere.

Klaus: Für Europa landet dieser Fall direkt bei der Umsetzung des KI-Gesetzes. Der EU AI Act stuft bestimmte Anwendungen als Hochrisiko ein und legt Pflichten für Anbieter allgemeiner KI-Modelle fest. Kinderschutz-Organisationen in Brüssel argumentieren seit Monaten, dass die aktuelle Leitlinie beim Thema synthetisches Missbrauchsmaterial nicht weit genug geht. Ein solcher Fall, auch wenn er in Amerika verhandelt wird, beschleunigt diese Debatte in der Regel.

Anna: In Deutschland und Österreich gibt es bereits strafrechtliche Regelungen, die KI-generiertes Missbrauchsmaterial erfassen. Das Bundeskriminalamt hat mehrfach betont, dass die Zahl solcher Fälle steigt. Das schwierigere Problem ist die Verhinderung auf Modellebene, und da war die Branche bisher langsam. Wie dieser Prozess ausgeht, wird die Sicherheitsanforderungen an KI-Anbieter weltweit prägen, unabhängig davon, ob am Ende ein Urteil oder ein Vergleich steht.

Google DeepMind wird umgebaut, Hassabis tritt als CEO ab und Jeff Dean verlässt das Labor.

Klaus: Bei Google DeepMind gibt es einen erheblichen organisatorischen Umbau. Mitgründer Demis Hassabis tritt Berichten zufolge als CEO zurück, und Chef-Wissenschaftler Jeff Dean verlässt das Unternehmen, um ein eigenes Startup zu gründen. Die Kontrolle bündelt sich stärker bei der Google-Muttergesellschaft, mit einer erweiterten Rolle für Mitgründer Sergey Brin. Die Botschaft ist klar: weniger forschungsgetriebene Kultur, schnellere Produktauslieferung.

Anna: DeepMind war innerhalb von Google immer eine ungewöhnliche Einheit. Die Londoner Wurzeln und der akademische Stil gaben dem Labor eine Glaubwürdigkeit in der Forschungsgemeinschaft, die reine Produktlabore nie hatten. Die AlphaFold-Arbeit zur Proteinfaltung hat die Biologie als Fach verändert. Wenn sich das Labor von dieser Identität wegbewegt, ist das ein echtes Risiko, nicht nur für Google, sondern für das ganze Forschungsökosystem, das auf offene DeepMind-Veröffentlichungen angewiesen war.

Klaus: Für Europa ist der London-Aspekt wichtig. DeepMind ist eines der wenigen echten europäischen KI-Labore, die an der Spitze der Forschung arbeiten. Wenn sich der Schwerpunkt Richtung Silicon Valley verschiebt, stellt das Fragen dazu, wo künftige Durchbrüche entstehen und wer kommerziell davon profitiert. Auch für den Wissenschaftsstandort Deutschland und Österreich ist das relevant, weil viele Kooperationen zwischen europäischen Universitäten und DeepMind laufen.

Anna: Die wirtschaftliche Logik ist klar genug. Google steht unter Druck, KI-Fähigkeiten schneller in Umsatz zu verwandeln, und die Integration von Gemini in Suche, Android und Workspace ist der Ort, an dem das passiert. Aber Tempo hat einen Preis. Forschungstalente gehen typischerweise, wenn sich die Kultur verschiebt, und Jeff Deans Wechsel zu einem Startup ist wahrscheinlich nur der erste von mehreren. Interessant wird auch, was Hassabis als Nächstes macht. Seine neue Rolle wurde noch nicht vollständig kommuniziert.

Die freie Schreib-App Novelwriter macht aus jedem Laptop eine Werkstatt für Langtext-Autoren.

Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen du heute konkret etwas anfangen kannst. Zuerst Novelwriter. Das ist eine kostenlose Open-Source-Schreib-App, die sich an Menschen richtet, die an Büchern, Doktorarbeiten oder anderen langen strukturierten Projekten sitzen. Verfügbar für Windows, macOS und Linux. Das Besondere an Novelwriter ist, dass die App dein Projekt als einfache Textdateien behandelt, die auf deinem eigenen Rechner liegen. Keine Cloud-Bindung, kein Abo, kein Konto nötig.

Anna: Was du bekommst, ist eine saubere Ordnung nach Kapiteln und Szenen, Notizen zu Figuren und Schauplätzen neben dem eigentlichen Text, und einen ablenkungsfreien Schreibmodus. Rezensionen auf Linux-Blogs und in Schreibforen beschreiben Novelwriter als eines der aufgeräumtesten Werkzeuge in dieser Kategorie. Die Einrichtung dauert etwa zehn Minuten. Du lädst die App von der Novelwriter-Webseite herunter, legst ein Projekt an und fängst an zu tippen.

Klaus: Weil die Dateien auf deinem Gerät bleiben, gibt es keine Sorgen, dass ein unveröffentlichter Manuskript-Entwurf in einem Trainingsdatensatz irgendwo landet. Das ist heute für viele Autoren ein echter Punkt, gerade wenn man an Originalmaterial arbeitet. Für Nutzer in der DACH-Region ist genau dieser Aspekt reizvoll, weil alles standardmäßig lokal bleibt. Willst du zusätzlich sichern, kannst du das auf deinen eigenen Cloudspeicher machen, egal ob das eine Nextcloud-Instanz ist oder ein verschlüsselter Dienst wie Filen aus Deutschland.

Anna: Nichts wird automatisch hochgeladen. Novelwriter wird aktiv weiterentwickelt, und die kleine Community reagiert schnell auf Fehlermeldungen. Nicht auffällig, nicht bunt, aber wirklich nützlich für Leute, die ernsthaft schreiben und ihre Arbeit in eigenen Händen behalten wollen. Für den Schreib-Herbst nach den Sommerferien vielleicht genau das richtige Werkzeug.

Die Offline-Karten-App CoMaps navigiert Europäer durch ganz Europa, ohne Netz und ohne Tracking.

Klaus: Und dann CoMaps. Das ist eine kostenlose Offline-Karten- und Navigations-App, entstanden als Community-Abspaltung eines älteren Open-Source-Kartenprojekts. Verfügbar für Android und iOS. Was CoMaps interessant macht, ist die Unabhängigkeit. Die App wird von einer gemeinnützigen Organisation weiterentwickelt, die von ehemaligen Mitwirkenden gegründet wurde, um das Projekt vollständig quelloffen und werbefrei zu halten.

Anna: Du lädst die Kartendaten nach Land oder Region herunter, und danach funktioniert alles offline. Kein Mobilfunksignal nötig auf Wanderungen oder in ländlichen Gebieten. Nutzer berichten von präzisen Fuß-, Rad- und Autoroutenanweisungen quer durch Europa, einschließlich detaillierter Wegdaten aus OpenStreetMap. Die App selbst ist klein, schlank und fragt keine ungewöhnlichen Berechtigungen ab. Für alle, die im Spätsommer noch in die Alpen oder ins Salzkammergut fahren, ist diese Kombination wirklich nützlich.

Klaus: Keine Datenroaming-Gebühren, wenn du eine Grenze überquerst, keine Standortdaten, die an Werbetreibende weiterfließen, und in Berg- und Landregionen ist die Abdeckung oft besser als bei kommerziellen Alternativen, weil OpenStreetMap dort von einer engagierten Community aktuell gehalten wird. Die Einrichtung ist unkompliziert. Aus dem App Store installieren, die benötigten Länder auswählen und die Karten über WLAN herunterladen, bevor du losfährst.

Anna: Der Speicherbedarf ist überschaubar, ein typisches Land wie Österreich oder die Schweiz belegt einige hundert Megabyte. Wer im September noch eine Wandertour plant oder mit dem Rad durch Bayern oder Tirol will, hat mit CoMaps ein Werkzeug, das ohne Vertrag, ohne Konto und ohne Datenkrake auskommt.

Klaus: Heute ging es um Goldman Sachs und die Billion Dollar für KI-Investitionen in 2026, Alibabas Qwen-Modelle mit drei Milliarden Downloads, die Wyoming-Klage rund um Grok und die Haftungsfrage bei KI-Anbietern, den Umbau bei Google DeepMind mit dem Abgang von Hassabis und Jeff Dean, die freie Schreib-App Novelwriter für lange Projekte, und die Offline-Karten-App CoMaps für Reisen quer durch Europa.

Anna: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.

Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.