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Sonntag, 16. August 2026 · 12:10

OpenAI kippt Wasserkühlung in Sydney, USA zwingt Länder zur KI-Allianzwahl, DeepSeek V4-Pro

The State of Tech DE vom Sonntag, 16. August 2026: OpenAI lässt die geplante Wasserkühlung für sein Rechenzentrum in Sydney fallen und setzt stattdessen auf ein stromintensiveres geschlossenes Flüssigkühlsystem – ein Zielkonflikt mit Signalwirkung für Europa. Außerdem: Die USA drängen Dutzende Länder zur Wahl zwischen amerikanischer und chinesischer KI-Allianz, DeepSeek veröffentlicht V4-Pro mit Fokus auf autonome Agenten und Millionen-Token-Kontext, Google DeepMind wird radikal umgebaut und Demis Hassabis tritt als CEO zurück. Zum Abschluss zwei Empfehlungen zum Ausprobieren: der verschlüsselte Cloudspeicher Cryptomator und die Offline-Karten-App Locus Map.

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Transkript

Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Sonntag, der sechzehnte August 2026. Ich bin Anna Hoffmann.

Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: OpenAI kippt die nachhaltige Kühlung für sein Sydney-Rechenzentrum. Die USA zwingen Partnerländer zur Wahl zwischen Washington und Peking im KI-Rennen. DeepSeek bringt sein neues Modell V4-Pro mit Fokus auf autonome Agenten. Google DeepMind stellt sich radikal um, Hassabis geht als CEO. Dann zwei Sachen zum Ausprobieren: der verschlüsselte Cloudspeicher Cryptomator und die freie Landkarten-App Locus Map. Fangen wir an.

OpenAI kippt die nachhaltige Kühlung für sein Sydney-Rechenzentrum und wählt Strom statt Wasser.

Anna: OpenAI hatte für sein geplantes großes Rechenzentrum in Sydney eigentlich vorgesehen, mit recyceltem Wasser zu kühlen. Genau das Modell, das die australische Regierung fördern will, um den enormen Wasserverbrauch der Rechenzentrumsbranche einzudämmen. Diese Pläne sind jetzt vom Tisch. Stattdessen kommt ein geschlossenes Flüssigkühlsystem, das intern zwar kein Trinkwasser mehr verbraucht, dafür aber deutlich mehr Strom zieht, vor allem für die riesigen Lüfteranlagen, die die Wärme dann anders abführen müssen.

Klaus: Und das trifft ein Netz, das ohnehin schon unter Druck steht. Sydney ist eine der Regionen, in denen die Rechenzentrumsdichte in den letzten zwei Jahren rasant gewachsen ist, und die Netzbetreiber warnen seit Monaten vor Kapazitätsengpässen. Der Kern der Geschichte ist eigentlich ein Zielkonflikt: Wasser sparen oder Strom sparen. OpenAI hat sich für die Wasserlösung entschieden, weil Trinkwasser in Australien politisch heikel ist, aber damit verschiebt sich das Problem auf die Stromseite. Und für das Klima ist das oft die schlechtere Wahl, wenn der Strommix nicht sauber genug ist.

Anna: Was das für uns bedeutet: Genau diese Diskussion steht in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor der Tür. Frankfurt gehört zu den größten Rechenzentrumsstandorten Europas, und die hessische Landesregierung debattiert schon länger über Auflagen für Wasserkühlung und Abwärmenutzung. Wenn selbst ein Anbieter wie OpenAI in Australien den nachhaltigeren Weg wieder verlässt, wird das Argument für strengere Regeln in der EU lauter. Der EU-Aktionsplan für Rechenzentren, der letztes Jahr in Brüssel vorgestellt wurde, sieht Meldepflichten für Wasser- und Stromverbrauch vor, aber noch keine harten Grenzwerte.

Klaus: Interessant ist auch der Signaleffekt. Andere Hyperscaler werden jetzt genau schauen, wie die australische Regierung reagiert. Kommt es zu neuen Auflagen, oder lässt man OpenAI gewähren? Die Antwort wird zum Präzedenzfall. Und in Deutschland macht der Bitkom seit längerem Druck, dass Abwärme aus Rechenzentren verpflichtend ins Fernwärmenetz eingespeist werden soll. Bislang ist das ein Nice-to-have, keine Pflicht. Wenn KI-Rechenzentren weiter im aktuellen Tempo wachsen, wird dieser Punkt in der nächsten Legislaturperiode kaum vermeidbar sein.

Washington zwingt Dutzende Länder zur Wahl zwischen amerikanischer und chinesischer KI-Allianz.

Anna: Die US-Regierung bereitet einen diplomatischen Vorstoß vor, der die geopolitische Landkarte für KI grundlegend verschiebt. Nach einem internen Entwurf, auf den sich ein US-Beamter beruft, sollen Dutzende Länder demnächst offiziell hören: Entweder ihr tretet der amerikanischen Pax-Silica-Initiative bei, oder ihr geht mit Chinas konkurrierendem Rahmenwerk. Eine Doppelmitgliedschaft ist ausgeschlossen. Pax Silica zielt darauf ab, die Lieferketten für KI abzusichern, von seltenen Erden über Halbleiter bis zu den KI-Modellen selbst.

Klaus: Das ist im Grunde die Kalter-Krieg-Logik im Techsektor. Länder wie Indien, Brasilien, Indonesien, aber auch die Golfstaaten, die bisher gerne mit beiden Seiten Geschäfte gemacht haben, sollen sich festlegen. Für Europa ist die Sache formell klarer, weil die EU näher an Washington steht, aber praktisch ist es kompliziert. Deutsche Autobauer bekommen kritische Mineralien und Batterien aus China, und viele europäische Cloud-Anbieter nutzen Chips, die zwar amerikanisch designt sind, aber in Taiwan gefertigt werden. Ein harter Bruch wäre ein enormes Risiko.

Anna: Es geht auch nicht nur um Hardware. Die USA wollen laut den Plänen auch verhindern, dass amerikanische KI-Modelle in Ländern eingesetzt werden, die parallel chinesische Modelle wie die von DeepSeek oder Alibaba in ihre kritische Infrastruktur einbauen. Das würde bedeuten, dass Regierungen sich beim Cloud-Anbieter, beim KI-Modell und bei der Chip-Beschaffung strategisch festlegen müssen. Für die DACH-Region heißt das, dass Unternehmen jetzt ernsthaft eine Doppelstrategie überdenken müssen, die viele bisher fahren.

Klaus: Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat schon vor Monaten gewarnt, dass eine forcierte Entkopplung deutsche Mittelständler härter trifft als Konzerne, weil sie weniger Ausweichmöglichkeiten haben. Und in Wien und Bern läuft die Debatte parallel: Beide Länder haben sich lange als Brückenbauer verstanden. Sollten die Pläne durchkommen, wird diese Position schwer haltbar. Die Schweiz vor allem, deren Pharma- und Präzisionsindustrie stark von globalen Lieferketten abhängt, müsste sich positionieren.

Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.

DeepSeek veröffentlicht V4-Pro und setzt voll auf autonome KI-Agenten mit Millionen-Token-Kontext.

Klaus: DeepSeek hat diese Woche sein neues Modell V4-Pro offiziell freigegeben, nach einer Vorschauphase ist es jetzt in der App, im Web und über die Programmierschnittstelle verfügbar. Der Fokus liegt klar auf sogenannten Agenten-Fähigkeiten, also KI-Systemen, die selbst Werkzeuge bedienen, Code ausführen und mehrstufige Aufgaben ohne ständige menschliche Eingriffe abarbeiten. Das Kontextfenster reicht bis zu einer Million Tokens, das entspricht ungefähr einem sehr langen Roman oder mehreren hundert Seiten Firmenunterlagen, die das Modell auf einmal verarbeitet.

Anna: In den Benchmarks, die DeepSeek selbst veröffentlicht hat, schneidet V4-Pro besonders bei Agenten-Tests stark ab, also Tests, die messen, ob eine KI selbstständig recherchieren, ein Programm schreiben und das Ergebnis prüfen kann. Ab heute gilt außerdem ein neues Preismodell mit Spitzen- und Nebenzeiten-Tarifen. Damit versucht DeepSeek, Unternehmenskunden anzulocken, die große Analysejobs auch mal nachts laufen lassen können, wenn es günstiger ist.

Klaus: Die eigentliche Frage ist, was passiert, wenn deutsche Mittelständler solche Agenten wirklich einsetzen. Denn autonome Agenten heißt nicht nur schneller, sondern auch: Die KI trifft Entscheidungen, die vorher Menschen getroffen haben. Bestellungen auslösen, Termine verschieben, Kunden anschreiben. Und ein chinesisches Modell in solchen Prozessen, das wirft direkt Fragen zum Datenschutz und zur DSGVO auf. Der bayerische Datenschutzbeauftragte hat im Frühjahr schon eine Warnung vor DeepSeek-Nutzung in Behörden ausgesprochen.

Anna: Und das koppelt schön zurück zum Thema davor: Wenn Washington seine Partnerländer zwingt, sich zu entscheiden, wird die Nutzung eines Modells wie V4-Pro in europäischen Unternehmen politisch heikler. Für DACH-Firmen, die trotzdem mit Agenten experimentieren wollen, gibt es europäische Alternativen wie Mistrals Codestral oder Aleph Alphas Modelle. Die sind noch nicht so weit wie DeepSeek in Benchmarks, aber rechtssicher einsetzbar.

Google DeepMind wird radikal umgebaut, Hassabis tritt als CEO ab und Jeff Dean verlässt das Labor.

Klaus: Bei Google DeepMind, einem der wichtigsten KI-Forschungslabore der Welt, findet gerade ein tiefer Umbau statt. Demis Hassabis, der DeepMind vor fünfzehn Jahren mitgegründet hat, tritt als Vorstandschef zurück. Und Jeff Dean, der Chefwissenschaftler des Labors, verlässt Google, um ein eigenes Startup zu gründen. Die Zuständigkeit für die KI-Strategie geht damit stärker an die Konzernzentrale im Silicon Valley, und Sergey Brin, einer der beiden Google-Gründer, bekommt in der neuen Struktur mehr direkte Autorität über die KI-Ausrichtung.

Anna: Das ist mehr als ein Personalwechsel. Es ist eine Kulturverschiebung. DeepMind war historisch ein Forschungslabor mit relativ viel Freiraum, das sich Zeit für Grundlagenforschung nehmen durfte, Stichwort AlphaFold für die Proteinfaltung. Der neue Kurs geht klar in Richtung schnellere Produktentwicklung, also weniger Papers und mehr Features in Gmail, Docs und Android. Das ist eine Reaktion auf den Wettbewerbsdruck durch OpenAI und Anthropic, die in den letzten zwei Jahren aggressiver Produkte in den Markt gedrückt haben.

Klaus: Für den europäischen Markt ist das durchaus relevant. Viele der KI-Funktionen, die in Google Workspace landen, werden bei DeepMind in London entwickelt. Wenn dort jetzt das Silicon Valley stärker den Ton angibt, dann ändert sich möglicherweise auch, wie sensibel die Produkte auf europäische Datenschutzanforderungen zugeschnitten sind. Der Londoner Standort war lange ein Argument dafür, dass Google die europäische Sichtweise ernst nimmt.

Anna: Und Jeff Deans Abgang, der als Chef-Ingenieur hinter vielen fundamentalen Google-Systemen stand, ist symbolisch. Wenn jemand mit seinem Standing das Unternehmen verlässt, um selbst zu gründen, sagt das etwas über das Klima im Konzern. Kleinere KI-Startups außerhalb der großen Konzerne bekommen wieder mehr Raum, und für den DACH-Wagniskapitalmarkt könnte das eine Chance sein, wenn Talente aus Big Tech nach Europa zurückkehren.

Zum Abschluss zwei Sachen zum Ausprobieren, zuerst der verschlüsselte Cloudspeicher Cryptomator.

Klaus: Wenn du deine Dateien in einer Cloud speicherst, egal ob Dropbox, OneDrive oder iCloud, dann sieht der Anbieter im Zweifel, was drin ist. Genau da setzt Cryptomator an. Das ist eine kostenlose Open-Source-App aus Deutschland, die deine Dateien auf deinem Gerät verschlüsselt, bevor sie in die Cloud hochgeladen werden. Der Cloudanbieter sieht dann nur einen wirren Datenhaufen und nicht mehr, dass du dort deine Steuerunterlagen liegen hast.

Anna: Das Konzept ist einfach. Du legst einen sogenannten Tresor an, einen verschlüsselten Ordner, den du wie ein virtuelles Laufwerk öffnest. Alles, was du dort hineinlegst, wird beim Speichern verschlüsselt und beim Öffnen wieder entschlüsselt, ganz automatisch. Das Passwort kennst nur du. Wenn der Cloudanbieter also gehackt wird oder eine Behörde Einsicht verlangt, bekommen sie deine Daten nicht im Klartext.

Klaus: Cryptomator läuft auf Windows, Mac und Linux völlig kostenlos. Für iPhone und Android gibt es eine mobile Version, die einmalig etwa zwölf Euro kostet, das ist der einzige Kostenpunkt. Nutzer schätzen vor allem, dass die App vom deutschen Verein Skymatic entwickelt wird, der offen legt, wie die Verschlüsselung funktioniert. Das kann jeder mit dem nötigen Wissen im Quellcode nachprüfen. Für Selbstständige und Freiberufler in DACH, die etwa Mandantendaten oder Patientenakten in der Cloud ablegen, ist Cryptomator eine praktische Möglichkeit, die DSGVO-konforme Verschlüsselung selbst in die Hand zu nehmen.

Anna: Und weil es Open Source ist, gibt es keine versteckten Konten oder Tracker. Einmal installiert, brauchst du keine Internetverbindung, um Cryptomator selbst zu nutzen, nur die Cloud im Hintergrund arbeitet natürlich weiter. Ein Nachmittag reicht, um die App einzurichten und einen ersten Tresor anzulegen.

Die freie Landkarten-App Locus Map macht Wandern und Radfahren in ganz Europa offline zum Vergnügen.

Klaus: Zum Schluss noch etwas für den Sommer. Locus Map ist eine tschechische Karten-App für Android, die vor allem Wanderer, Radfahrer und Motorradfahrer schätzen. Sie greift auf OpenStreetMap zurück, die freie Weltkarte, und ergänzt das mit Höhenprofilen, offiziellen Wanderwegen, Radwegenetzen und topografischen Details, die Google Maps schlicht nicht hat.

Anna: Der große Vorteil: Alles funktioniert offline. Du lädst vor deiner Tour die Karte für die Region herunter, egal ob Schwarzwald, Wachau oder Berner Oberland, und dann brauchst du unterwegs kein Datennetz. Das ist entscheidend, weil viele der schönsten Wander- und Radrouten in DACH genau dort verlaufen, wo das Mobilfunknetz löchrig ist. Rezensenten heben besonders hervor, dass Locus Map Routen aus dem beliebten Portal Komoot oder von GPX-Dateien importiert und dann mit dem eigenen Kartenmaterial darstellt.

Klaus: Die Basisversion ist kostenlos und reicht für die meisten Nutzer aus. Wer erweiterte Funktionen will, etwa Live-Tracking von Freunden auf derselben Tour oder Premium-Kartenpakete, kann eine Jahreslizenz für etwa zwanzig Euro dazubuchen. Locus Map ist einer der Klassiker in der europäischen Outdoor-Community und seit über zehn Jahren aktiv weiterentwickelt.

Anna: Wichtig zu wissen: Es gibt die App bisher nur für Android. iPhone-Nutzer schauen leider in die Röhre, für sie ist Organic Maps oder OsmAnd die bessere Wahl. Aber wer ein Android-Gerät hat und diesen Sommer noch eine Wanderung im Tessin oder eine Radtour an der Donau plant, kann Locus Map heute Nachmittag installieren, eine Region herunterladen und ist startklar.

Klaus: Heute ging es um OpenAI, das für sein Sydney-Rechenzentrum die Wasserkühlung fallen lässt. Um die USA, die Partnerländer zur Wahl zwischen amerikanischer und chinesischer KI-Allianz zwingen. Um DeepSeeks neues Modell V4-Pro mit Fokus auf autonome Agenten. Um den Umbau bei Google DeepMind mit dem Abgang von Demis Hassabis und Jeff Dean. Und zum Abschluss zwei Sachen zum Ausprobieren: der verschlüsselte Cloudspeicher Cryptomator und die Outdoor-Karten-App Locus Map.

Anna: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.

Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.