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Mittwoch, 12. August 2026 · 12:22

Unitree-Börsengang mit 900 Mio. Dollar, Gemini übernimmt das Smart Home

The State of Tech DE vom Mittwoch, 12. August 2026: Der chinesische Roboterhersteller Unitree geht in Shanghai an die Börse und sammelt fast 900 Millionen Dollar ein – als erster börsennotierter Humanoiden-Hersteller Chinas ein Signal für den ganzen Industriezweig. Außerdem: Google ersetzt den Assistant durch Gemini als kontextbewusste KI-Schicht im Smart Home, der US-Journalistenverband SPJ legt einen neuen Ethikkodex für das KI-Zeitalter vor, Compal eröffnet ein vollautomatisiertes Großwerk für KI-Server in Taiwan, und zum Ausprobieren: der freie Musikplayer Feishin für die eigene Sammlung und die datenschutzfreundliche Fahrplan-App Transportr für europäische Verkehrsverbünde.

Robotik China Börsengang Google Gemini Smart Home KI-Ethik

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Transkript

Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Mittwoch, der zwölfte August 2026. Ich bin Anna Hoffmann.

Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute im Programm: Der chinesische Roboterhersteller Unitree geht in Shanghai an die Börse und sammelt fast neunhundert Millionen Dollar ein. Google macht Gemini zum unsichtbaren Assistenten im ganzen Haus. Der amerikanische Journalistenverband schlägt einen neuen Ethikkodex für das KI-Zeitalter vor. Der taiwanesische Auftragsfertiger Compal eröffnet ein riesiges Werk für KI-Server. Zum Abschluss zwei Sachen zum Ausprobieren: der freie Musikplayer Feishin für die eigene Musiksammlung und die Fahrplan-App Transportr für den europäischen Nahverkehr. Fangen wir an.

Chinesischer Roboterhersteller Unitree geht mit Milliarden-Bewertung an die Börse in Shanghai.

Anna: Unitree ist ein Name, den viele in der Robotik-Szene schon kennen. Der chinesische Hersteller ist bekannt für seine vierbeinigen Roboter, die aussehen wie robotische Hunde, und zunehmend auch für humanoide Maschinen. Heute setzt das Unternehmen einen Meilenstein: Unitree geht in Shanghai an die Börse, mit einem Ausgabepreis von einhundertfünfzig Komma acht Yuan pro Aktie. Das ergibt eine Emission von rund sechs Komma eins Milliarden Yuan, umgerechnet etwa neunhundertvier Millionen US-Dollar. Damit ist Unitree der erste Hersteller humanoider Roboter, der auf dem chinesischen Festland notiert wird.

Klaus: Und das ist keine gewöhnliche Börsennotierung. Peking behandelt das, was in China "verkörperte Intelligenz" heißt, als strategischen Sektor. Also KI-Modelle, die in Maschinen sitzen, die laufen können, greifen, Treppen steigen und im Alltag wirklich etwas tun. Bisher haben wir das vor allem als Bühnenshow im Silicon Valley gesehen. Unitrees Vorteil ist die Lieferkette dahinter: Motoren, Akkus, Sensoren, alles vor Ort und deutlich günstiger als bei westlichen Konkurrenten. Ein vierbeiniger Unitree-Roboter kostet einen Bruchteil dessen, was eine vergleichbare Maschine von Boston Dynamics kostet.

Anna: Skaliert man diesen Preisvorteil auf humanoide Modelle, wird schnell klar, warum Analysten diese Notierung als Signal für einen ganzen Industriezweig lesen. Interessant ist auch der Zeitpunkt. In derselben Woche berichten chinesische Forschungsgruppen von Fortschritten bei sogenannten Weltmodellen. Das sind KI-Systeme, die Physik und Bewegung aus Videos lernen. Kombiniert man günstige Hardware mit leistungsfähigen KI-Gehirnen, entsteht eine Basis, die den nächsten Zyklus in der Fertigung prägen könnte.

Klaus: Für den DACH-Raum ist das direkt relevant. Deutschland hat mit Firmen wie Neura Robotics und Agile Robots eigene Anwärter im Humanoiden-Rennen, dazu Kuka und Franka bei den klassischen Industriearmen. Fließen jetzt Milliarden in chinesische Konkurrenz, wächst der Druck auf die Bewertungen und die Investitionsbereitschaft in Europa. Der Branchenverband VDMA warnt seit Monaten, dass Europa in der Robotik technologisch mithält, aber bei Skalierung und Kapital hinterherhinkt. Diese Notierung ist Beleg für genau das.

Google baut Gemini zum unsichtbaren Assistenten im ganzen Zuhause um.

Anna: Weiter zu Google. Heute findet das jährliche "Made by Google"-Event statt, und die Botschaft ist eindeutig: Gemini übernimmt das Zuhause. Was früher Google Assistant hieß, also die Stimme, der man ein Wachwort zurufen musste, wird durch etwas ersetzt, das Google eine ambiente KI-Schicht nennt. Die Idee: Gemini sitzt still im Hintergrund über Lautsprechern, Displays, Türklingeln und Thermostaten, beobachtet den Kontext und greift ein, ohne dass man jedes Mal "Hey Google" sagen muss.

Klaus: Statt Befehle gibt es also ein Gespräch. Gemini soll bemerken, dass jemand sich fertig macht, um zur Arbeit zu gehen, und eine frühere Route wegen Stau vorschlagen. Oder erkennen, dass die Kinder ins Bett gegangen sind, und das Licht dimmen, ohne dass jemand fragt. Google verkauft das als proaktive Hilfe statt als reaktive Sprachsteuerung. Und der Übergang soll nahtlos sein, was wichtig ist, denn niemand will die Routinen verlieren, die er in den letzten Jahren mühsam eingerichtet hat.

Anna: Genau da liegt aber die Spannung. Google bittet Haushalte im Grunde darum, einem System zu vertrauen, das mehr zuhört und mehr Schlüsse zieht als der alte Assistent. Und in Europa läuft das direkt in den AI Act und die DSGVO hinein. Ein System, das leise den Kontext in einem Wohnzimmer beobachtet, braucht eine sehr klare Rechtsgrundlage. Nutzer müssen verstehen, welche Daten das Gerät verlassen und welche lokal bleiben. Datenschutzbeauftragte in Deutschland und Österreich haben schon signalisiert, dass sie hier genau hinschauen werden.

Klaus: Was den DACH-Markt konkret betrifft: Die neuen Nest-Geräte kommen erstmal mit klarer Verzögerung, weil Google die Vorgaben des Digital Markets Act erst umsetzen muss. Nutzer, die ein Google-Home-Setup haben, sollten in den kommenden Wochen einen Rollout in den Einstellungen sehen, mit dem sich die neuen Kontext-Funktionen ausdrücklich aktivieren oder ausschalten lassen. Ohne Zustimmung passiert nichts, das verlangt die europäische Gesetzeslage.

Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.

US-Journalistenverband schlägt ersten großen Ethikkodex für das KI-Zeitalter vor.

Klaus: Die Society of Professional Journalists, einer der einflussreichsten Berufsverbände für Journalisten in den USA, hat einen Entwurf für einen neuen Ethikkodex vorgelegt. Es ist das erste größere Update seit über einem Jahrzehnt. Interessant: In dem Text kommen die Buchstaben K und I bewusst nicht vor. Die Autoren wollen, dass der Kodex nicht veraltet, sobald ein neues Modell erscheint. Aber der ganze Umbau ist getrieben von generativer KI in Redaktionen und der Flut KI-generierter Inhalte im Netz.

Anna: Die wichtigsten Neuerungen sind sehr praktisch. Es gibt einen neuen Grundsatz zum Erkennen von Fehl- und Desinformation. Und es gibt Leitlinien zur Prüfung der Herkunft und Echtheit von Informationen und Quellen. Auf Deutsch: Journalisten sollen prüfen, wo ein Inhalt tatsächlich herkommt, ob ein Bild von einem Menschen oder einer Maschine stammt, und ob ein zitierter Experte überhaupt existiert. Der letzte Punkt ist keine Kleinigkeit. Es gab schon Fälle, in denen Reporter komplett erfundene Fachleute zitiert haben, die ein Chatbot ausgedacht hatte.

Klaus: Klug ist der Ansatz, Verhaltensweisen zu regeln statt Technologien. Wenn man Regeln an konkrete Werkzeuge bindet, sind sie beim nächsten Modell schon überholt. Wenn man aber vom Journalisten verlangt, jede Quelle zu verifizieren, gilt das unabhängig davon, ob sie aus einem Chatbot, einer Pressemitteilung oder einem menschlichen Interview stammt.

Anna: Für den deutschsprachigen Raum ist das direkt relevant. Der Deutsche Presserat, der Presserat Österreich und der Schweizer Presserat arbeiten derzeit an eigenen Ergänzungen zu ihren Kodizes, speziell zum Umgang mit KI in Redaktionen. Auch ARD, ZDF, ORF und SRF haben interne Leitlinien veröffentlicht oder überarbeiten sie. Der amerikanische Vorschlag wird in diese Debatten einfließen. Für Leserinnen und Zuschauer bedeutet das mittelfristig: mehr Transparenz darüber, wie ein Artikel entstanden ist, und deutlichere Kennzeichnungen, wenn KI im Spiel war.

Compal eröffnet Großwerk in Taiwan und triplet KI-Server-Umsatz binnen eines Jahres.

Klaus: Der taiwanesische Auftragsfertiger Compal Electronics hat heute in Daxi ein neues Werk speziell für KI-Server eröffnet. Das ist harte Industrie, keine Show. Die Anlage soll die nächste Generation von KI-Serversystemen und komplette Rack-Lösungen produzieren, also genau die Geräte, die palettenweise in Hyperscale-Rechenzentren in Europa, den USA und dem Nahen Osten geliefert werden.

Anna: Die Zahlen sind bemerkenswert. Compal rechnet damit, dass KI-Server nächstes Jahr dreißig bis vierzig Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Dieses Jahr sind es rund zehn Prozent. Das ist mehr als eine Verdreifachung in zwölf Monaten. Das Werk läuft vollautomatisiert und ist von Anfang an auf Flüssigkühlung ausgelegt. Und das ist wichtig, weil moderne KI-Beschleuniger so viel Wärme abgeben, dass klassische Luftkühlung nicht mehr ausreicht. Flüssigkühlung wird still und leise zum Standard für alles, was große Modelle trainiert oder ausliefert.

Klaus: Für europäische Rechenzentrumsbetreiber ist das direkt spürbar. Der Mangel an KI-fähiger Serverkapazität war einer der Engpässe, die Unternehmen ausgebremst haben, die eigene KI-Workloads fahren wollen, statt bei einem US-Cloud-Anbieter zu mieten. Mehr Produktionskapazität in Taiwan bedeutet kürzere Lieferzeiten für Käufer in Frankfurt, Wien und Zürich.

Anna: Und es gibt einen geopolitischen Nebenaspekt. Taiwan bleibt das Nadelöhr der globalen KI-Hardware-Kette. Neue Fertigungskapazität dort verstärkt diese Zentralstellung noch. Für Deutschland, das gerade mit Milliarden versucht, eine eigene Halbleiterindustrie in Dresden und Magdeburg aufzubauen, ist das eine Erinnerung: Die Wertschöpfung liegt nicht nur bei den Chips selbst, sondern auch bei der Montage, den Racks und der Kühltechnik drumherum. Firmen wie Rittal aus Herborn, die weltweit führend bei Rechenzentrums-Infrastruktur sind, profitieren davon direkt.

Der freie Musikplayer Feishin verwandelt eure eigene Musiksammlung wieder in ein modernes Streaming-Erlebnis.

Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen ihr heute konkret etwas anfangen könnt. Fangen wir mit dem freien Musikplayer Feishin an. Viele haben noch eine Musiksammlung auf einer alten Festplatte liegen, von CDs gerippt oder gekauft, als Downloads noch eine Sache waren. Feishin ist ein kostenloser Open-Source-Player, der aus dieser verstaubten Sammlung wieder etwas macht, das sich wie ein richtiger Streaming-Dienst anfühlt.

Anna: Der Trick: Feishin verbindet sich mit einem selbst gehosteten Musikserver zu Hause und liefert dann auf Windows, Mac und Linux eine App, die aussieht und funktioniert wie die kommerziellen Streaming-Apps, die man kennt. Große Bibliotheken mit zehntausenden Titeln kommen laut Nutzerberichten ohne Ruckeln klar. Feishin unterstützt auch hochwertige Audioformate, die manche kommerziellen Dienste noch komprimieren. Cover, Playlists, Zufallswiedergabe, Sync über mehrere Geräte, alles vorhanden, alles zeigt auf Musik, die einem wirklich gehört.

Klaus: Das ist der zentrale Punkt: echte Eigentümerschaft. Wer schon einmal erlebt hat, wie ein Lieblingssong wegen eines Lizenzstreits aus einem Streaming-Dienst verschwindet, weiß, wie sich das anfühlt. Bei Feishin kann das nicht passieren. Der Aufbau ist etwas anspruchsvoller, das muss man ehrlich sagen. Man braucht einen Musikserver, entweder auf einem Heim-PC oder einem kleinen Dauerlauf-Gerät wie einem Raspberry Pi. Wer damit schon einmal gearbeitet hat, ist in einer halben Stunde fertig. Wer nicht, sollte eine ruhige Stunde einplanen.

Anna: Und der Datenschutzaspekt ist erheblich. Feishin sendet keine Hörgewohnheiten an ein Werbesystem. Alles bleibt zwischen den eigenen Geräten und dem eigenen Server. Für Hörerinnen und Hörer in Deutschland, Österreich und der Schweiz passt das gut zum wachsenden Interesse an digitaler Souveränität zu Hause. Eigene Musik, eigene Dateien, eigene Kontrolle, kein Abo, das plötzlich verschwindet, kein Algorithmus, der einem sagt, was man mögen soll. Feishin ist kostenlos und läuft auf allen großen Desktop-Betriebssystemen.

Die App Transportr plant öffentliche Verkehrsverbindungen in ganz Europa, ohne euch zu verfolgen.

Klaus: Die zweite Empfehlung ist für alle, die in europäischen Städten mit Tram, Bus und Bahn unterwegs sind. Transportr ist eine kostenlose Open-Source-Fahrplan-App, die Verbindungen für eine breite Palette europäischer Verkehrsverbünde plant. Berlin, Wien, Zürich, Prag, viele kleinere Städte auch, alles über community-gepflegte Datenverbindungen.

Anna: Was Transportr von den großen kommerziellen Apps unterscheidet, ist vor allem das, was sie nicht macht. Kein Konto nötig, kein Verkauf von Standortdaten, keine Werbung, keine ständigen Upgrade-Pop-ups. Man öffnet die App, tippt Ziel ein und bekommt die schnellste Verbindung über die Verkehrsmittel, die Sinn ergeben. Gespeicherte Verbindungen funktionieren auch offline, was praktisch ist, wenn man in einen U-Bahn-Tunnel taucht und das Signal weg ist.

Klaus: Die App ist auf Android verfügbar, sowohl über den Google Play Store als auch über das Open-Source-Verzeichnis F-Droid. Nutzer loben oft, wie schnell Transportr Verbindungen plant, im Vergleich zu manchen offiziellen Verkehrsapps, die etwas träge sind. Und die App handhabt grenzüberschreitende Fahrten überraschend gut, was klein wirkt, aber ein kleines Wunder ist, wenn man weiß, wie fragmentiert die europäischen Verkehrsdaten sind.

Anna: Man muss ehrlich sein: Für Ticketkäufe braucht man weiter die App des jeweiligen Verkehrsverbundes, etwa den DB Navigator, die ÖBB-App oder SBB Mobile. Aber für die reine Planung, also die Frage, wie komme ich vom Hotel zum Termin am anderen Ende einer fremden Stadt, ist Transportr ein sehr ruhiges, sehr nützliches Werkzeug. Kostenlos, privat und tatsächlich brauchbar.

Anna: Das war's für heute. Heute ging es um Unitrees Milliarden-Börsengang in Shanghai, Gemini als unsichtbare KI-Schicht im Google-Zuhause, den neuen Ethikkodex-Entwurf des amerikanischen Journalistenverbands, das neue KI-Server-Werk von Compal in Taiwan, den freien Musikplayer Feishin für die eigene Musiksammlung und die Fahrplan-App Transportr für europäische Verkehrsverbünde.

Klaus: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.

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