← The State of Tech DE RSS Feed

Freitag, 7. August 2026 · 12:21

KI-Blase: 45% der Fondsmanager alarmiert, EU-KI-Gesetz live, Stanford-Mikroroboter

The State of Tech DE vom Freitag, 7. August 2026: 45 Prozent der globalen Fondsmanager sehen laut Bank of America eine KI-Blase als größtes Marktrisiko – bei einem Verhältnis von 25 zu 1 zwischen KI-Investitionen und Umsätzen. Außerdem: Die Transparenzregeln des EU-KI-Gesetzes sind in Kraft getreten, Stanford erhält 27 Millionen Dollar für einen Mikroroboter, der durch die Blutbahn schwimmt, Washington belegt Polysilizium mit Zöllen und Preisuntergrenzen, und als praktische Abschlusstipps stellen Anna und Klaus die freie Foto-Bibliothek LibrePhotos sowie den verschlüsselten deutschen E-Mail-Dienst Tuta Mail vor.

KI-Blase EU-KI-Gesetz Mikroroboter Polysilizium Handelspolitik LibrePhotos

Diese Folge anhören:

Transkript

Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Freitag, der siebte August 2026. Ich bin Anna Hoffmann.

Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: Fondsmanager warnen so laut wie lange nicht vor einer KI-Blase, in Brüssel treten die Transparenzregeln des KI-Gesetzes in Kraft, Stanford baut einen winzigen Roboter, der durch die Blutbahn schwimmt, Washington belegt Polysilizium mit Zöllen und Preisuntergrenzen, und zum Abschluss zwei Sachen zum Ausprobieren: die freie Foto-Bibliothek LibrePhotos und der verschlüsselte E-Mail-Dienst Tuta Mail. Fangen wir an.

Bank-of-America-Umfrage zeigt, 45 Prozent der Fondsmanager halten KI für das größte Marktrisiko.

Anna: Wir starten mit einer Warnung, die jede Woche lauter wird. Eine frische Umfrage der Bank of America zeigt, dass 45 Prozent der globalen Fondsmanager eine KI-Blase inzwischen als das größte Risiko für die Märkte sehen. Vor ein paar Monaten waren das noch elf Prozent. Ein sehr scharfer Sprung in kurzer Zeit, und das kommt von den Leuten, die tatsächlich große Summen verwalten.

Klaus: Und der Grund für die Nervosität ist die Lücke zwischen dem, was reingeht, und dem, was rauskommt. Die weltweiten KI-Investitionen sollen 2026 die 2,5 Billionen Dollar überschreiten. Die Umsätze der Unternehmen mit KI liegen dagegen bei rund 100 Milliarden. Das ist grob ein Verhältnis von 25 zu eins zwischen Ausgaben und Einnahmen. Mehr als die Hälfte der befragten Manager sagt, KI-Aktien seien schon jetzt in Blasengebiet. Und das ist kein einzelner Skeptiker, sondern eine Mainstream-Umfrage unter Profi-Investoren.

Anna: Der Vergleich, der am Markt gezogen wird, ist die Dotcom-Phase Ende der Neunziger. Damals war die Technologie real und verändernd, aber die Bewertungen sind der Umsatzentwicklung weit vorausgeeilt. Der Kernpunkt: Selbst Leute, die langfristig an KI glauben, halten die kurzfristigen Kurse für nicht durch Zahlen gedeckt. Analysten mahnen, genauer auf die Fundamentaldaten zu schauen, also Cashflow, Margen und tatsächliche Kundenverträge, nicht nur auf Ankündigungen.

Klaus: Für den DACH-Raum hat das zwei ganz konkrete Seiten. Erstens die Bewertungen: viele europäische Tech-Werte bewegen sich im Sog der US-Größen, also würde eine Korrektur in New York innerhalb von Stunden auch in Frankfurt, Wien und Zürich ankommen. Betroffen wären dann Namen wie SAP, ASML oder Infineon, die im DAX und den Nachbarindizes schwer wiegen. Zweitens die Realwirtschaft: der KI-Boom trägt aktuell auch die Auftragsbücher deutscher Zulieferer für Rechenzentren, Kühlung und Netzwerktechnik. Wenn die Investitionen in den USA gedrosselt werden, spüren das Firmen in Baden-Württemberg und Bayern relativ schnell in den Bestellungen.

Die Transparenzregeln des EU-KI-Gesetzes greifen, die Hochrisiko-Pflichten werden auf Dezember 2027 verschoben.

Anna: Weiter nach Brüssel, wo ein großer Teil des KI-Gesetzes diese Woche live gegangen ist. Ab jetzt muss jedes KI-System, das mit Menschen interagiert, offenlegen, dass es eine KI ist. Und KI-generierte Inhalte, also Bilder, Audio, Video und Texte, müssen als künstlich erkennbar sein. Chatbots müssen sich zu erkennen geben, und synthetische Medien brauchen eine Kennzeichnung.

Klaus: Aber, und das ist der Punkt, über den gerade viel diskutiert wird, die schwereren Pflichten für sogenannte Hochrisiko-Systeme sind auf Dezember 2027 verschoben. Das betrifft KI in biometrischer Erkennung, in Personalauswahl und Beschäftigung und in wesentlichen öffentlichen Dienstleistungen. Also genau die Bereiche, in denen Bürgerrechtsorganisationen am stärksten auf Leitplanken gedrängt haben, bekommen jetzt zusätzliche Zeit, bevor die strengsten Regeln greifen.

Anna: Die Kommission argumentiert, dass die Technik so schnell läuft, dass die detaillierten technischen Standards schlicht noch nicht fertig sind. Kritiker halten dagegen: eine Verschiebung bleibt eine Verschiebung, und Bürger werden zwischenzeitlich Hochrisiko-Entscheidungen von KI ausgesetzt, ohne das versprochene Sicherheitsnetz. Für Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die unmittelbare Veränderung sichtbar: mehr Hinweise wie "Dieser Inhalt wurde von KI erzeugt" auf Plattformen und in Kundenservice-Chats.

Klaus: Für Unternehmen im DACH-Raum teilt sich die Aufgabe in zwei Teile. Ein Set konkreter Transparenzpflichten, die noch dieses Jahr umzusetzen sind, und ein deutlich größeres Compliance-Projekt für Hochrisiko-Systeme, das jetzt bis Ende 2027 vorbereitet werden muss. Die Schweiz, die formal nicht an das KI-Gesetz gebunden ist, wird sich in der Praxis eng an den EU-Regeln orientieren, weil Schweizer Anbieter ihre Systeme sonst nicht in der EU verkaufen können. Der Bitkom und österreichische Wirtschaftskammern rufen ihre Mitglieder auf, jetzt schon zu inventarisieren, welche eigenen KI-Systeme möglicherweise als hochriskant eingestuft werden.

Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.

Stanford erhält bis zu 27 Millionen Dollar für einen KI-gesteuerten Mikroroboter, der durch die Blutbahn schwimmt.

Klaus: Jetzt eine bemerkenswerte medizinische Geschichte aus Stanford. Forscher dort haben bis zu 27,2 Millionen Dollar über fünf Jahre von ARPA-H bekommen, das ist die US-Forschungsagentur für Gesundheit. Ziel: ein KI-gesteuerter Mikroroboter, der durch die Blutgefäße eines Patienten reisen kann. Das Gerät heißt M3bot und soll Blutgerinnsel und Aneurysmen von innen behandeln.

Anna: Der clevere Teil ist die Mechanik. Der Roboter nutzt eine einzige Drehbewegung für zwei Aufgaben gleichzeitig. Diese Rotation treibt ihn durch die Blutgefäße, und dieselbe Bewegung presst und schrumpft ein Gerinnsel direkt vor Ort, angeblich um mehr als 95 Prozent. Also statt Medikamente einzusetzen, die ein Gerinnsel auflösen, oder eine offene Operation, um es zu entfernen, hätte man ein winziges, ungebundenes Gerät, das den Verschluss dort mechanisch abbaut, wo er sitzt.

Klaus: Das ist wichtig, weil Schlaganfall- und Aneurysma-Behandlung heute stark davon abhängen, dass ein Katheter genau die richtige Stelle durch die Gefäßstruktur des Körpers erreicht. Und manche Teile des Gefäßsystems sind schlicht zu klein oder zu verwinkelt für aktuelle Werkzeuge. Ein autonomer Mikroroboter, vom Chirurgen gesteuert, aber physisch nicht an einen Katheter gebunden, könnte an Stellen kommen, die heutige Instrumente nicht erreichen. Das öffnet Behandlungsoptionen für Patienten, die aktuell sehr wenig Auswahl haben.

Anna: Für den DACH-Raum ist Schlaganfall eine der führenden Ursachen für Tod und Langzeit-Behinderung, und die Schlaganfall-Versorgung ist einer der Schwerpunkte in der deutschen und österreichischen Krankenhauslandschaft. Wenn Stanfords Ansatz die Jahre klinischer Studien besteht, die noch vor ihm liegen, würden Uniklinika wie die Charité oder die Medizinische Universität Wien früh in europäische Studien einsteigen wollen. Deutsche und Schweizer Medizintechnik-Firmen wie Siemens Healthineers und Roche beobachten das Feld aufmerksam, weil autonome Mikroroboter potenziell eine neue Produktkategorie in der endovaskulären Chirurgie werden könnten.

Washington führt 15 Prozent Zoll und Preisuntergrenzen auf Polysilizium ein, den Rohstoff hinter Chips und Solaranlagen.

Klaus: Für unsere vierte Geschichte lassen wir KI mal beiseite und schauen auf den Handel. Die US-Regierung hat neue Maßnahmen zu Polysilizium erlassen, dem Rohstoff für Halbleiter und Solarpaneele. Es gibt einen Zoll von 15 Prozent und, wichtig, Mindestimportpreise, also sogenannte Preisuntergrenzen, auf Polysilizium und auf die daraus hergestellten Produkte: Barren, Wafer, Zellen und Module. Grundlage ist Paragraf 232 des Trade Expansion Act, also der nationale Sicherheitshebel, den US-Regierungen zuletzt immer häufiger nutzen.

Anna: Erklärtes Ziel ist der Schutz der US-Polysilizium-Hersteller vor chinesischer Konkurrenz. Die Regeln greifen ab dem 4. Dezember, und sie kommen zusammen mit einem Förderprogramm für Unternehmen, die neue Polysilizium-Kapazitäten in den USA aufbauen wollen. Was das zu einer großen Sache macht, ist die Reichweite. Polysilizium steht ganz am Anfang zweier strategisch entscheidender Lieferketten, Chips und Solar. Wenn man auf den Rohstoff und alle daraus abgeleiteten Produkte eine Preisuntergrenze legt, formt man die Wirtschaftlichkeit beider Industrien gleichzeitig um.

Klaus: Für Europa sind die Effekte gemischt. Bei Solar hat Europa in den letzten Jahren enorme Mengen günstiger chinesischer Module importiert. Eine US-Verschiebung könnte einen Teil dieses Stroms zurück in Richtung europäische Märkte lenken, was hier kurzfristig die Preise weiter drücken könnte. Für deutsche und österreichische Solar-Installateure wäre das gut für die Marge, für die letzten europäischen Zellhersteller wie Meyer Burger wird der Wettbewerbsdruck aber noch härter.

Anna: Bei Chips ist die Geschichte komplizierter. Europäische Halbleiterwerke wie die von Infineon in Dresden oder die neue TSMC-Fabrik im Aufbau sind auf stabile, kalkulierbare Rohstoffkosten angewiesen. Wenn US-Preisuntergrenzen den globalen Polysilizium-Markt neu ordnen, kann das die Kostenstruktur bis nach Sachsen und Kärnten reichen. Wacker Chemie mit Sitz in München ist einer der größten Polysilizium-Hersteller der Welt, und Analysten schauen jetzt genau darauf, ob Wacker von höheren Weltmarktpreisen profitiert oder ob chinesische Überkapazitäten den europäischen Markt zusätzlich fluten.

LibrePhotos ist die freie Foto-Bibliothek, die Gesichter, Orte und Objekte auf dem eigenen Rechner erkennt.

Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, die du heute konkret ausprobieren kannst, und beide halten wir bewusst weg von den großen KI-Clouds. Das erste ist LibrePhotos. Das ist eine freie, quelloffene Foto-Bibliothek, die auf dem eigenen Rechner oder einem kleinen Heimserver läuft. Sie macht die cleveren Dinge, die man sonst von Google Fotos oder Apple Fotos erwartet, nur ohne dass die Bilder irgendwo hochgeladen werden.

Anna: LibrePhotos scannt die Fotosammlung und ordnet sie automatisch. Es erkennt Gesichter, sodass sich nach Personen browsen lässt. Es identifiziert Objekte und Szenen, also findet die Suche nach "Strand" oder "Geburtstagstorte" die passenden Bilder. Und es nutzt die Standortdaten in den Fotos, um sie auf einer Karte anzuzeigen, sodass man Jahre später sehen kann, wo man überall war. Das läuft alles lokal, auf der eigenen Maschine, nicht im Rechenzentrum eines anderen Unternehmens.

Klaus: Der typische Aufbau ist auf einem NAS, also einer kleinen Speicherbox, die viele im Netzwerk schon herumstehen haben, oder auf einem alten Laptop, der als Mini-Server weiterlebt. Nutzer beschreiben es oft als den Moment, in dem die Fotobibliothek nach Jahren des reinen Zusammenschiebens auf dem Handy endlich wieder benutzbar wird. Es ist wirklich kostenlos, wird von einer Community gepflegt, und läuft auf Windows, Mac und Linux.

Anna: Für die DACH-Perspektive: gerade in Deutschland und Österreich, wo Datenschutz im Alltag ein echtes Thema ist, ist das eine ernste Alternative für alle, denen es unwohl war, zwei Jahrzehnte Familienfotos an einen US-Cloud-Anbieter zu übergeben. Ehrlich gesagt braucht die Einrichtung ein bisschen technische Geduld, das ist keine Ein-Klick-App fürs Handy, sondern Software, die man installiert und konfiguriert. Aber es gibt gute Anleitungen auf Deutsch, und viele Volkshochschulen und lokale Linux-Nutzergruppen bieten inzwischen Workshops speziell dafür an.

Tuta Mail ist der verschlüsselte deutsche E-Mail-Dienst, der die Inbox aus den Händen von Werbetreibenden hält.

Klaus: Und der zweite Tipp ist Tuta Mail, geschrieben T-U-T-A. Das ist ein verschlüsselter E-Mail-Dienst mit Sitz in Hannover, und er ist eine ernsthafte Alternative für alle, die schon länger überlegen, von Gmail oder Outlook wegzugehen.

Anna: Das Kernversprechen ist klar. E-Mails werden Ende-zu-Ende verschlüsselt, wenn sie an andere Tuta-Nutzer geschickt werden, und sogar die Metadaten, also die Betreffzeilen und das Adressbuch, sind auf Tutas Servern verschlüsselt. Das ist ein Unterschied zu den meisten gängigen E-Mail-Anbietern, wo der Inhalt zwar auf dem Transportweg geschützt ist, aber auf dem Server weiterhin lesbar. Tutas Server stehen in Deutschland, damit fällt der Dienst unter deutsches und europäisches Datenschutzrecht.

Klaus: Es gibt einen kostenlosen Tarif mit einem Gigabyte Speicher und einer Tuta-Adresse, das reicht für viele private Zwecke. Bezahlte Tarife bringen eine eigene Domain, mehr Speicher und einen Kalender dazu. In Tests wird Tuta immer wieder für seine einfache Bedienung gelobt, was bei Datenschutz-Werkzeugen nicht selbstverständlich ist. Es gibt Apps für iOS, Android, Windows, Mac und Linux, plus eine normale Weboberfläche, sodass sich der Dienst ohne großen Bruch in den Alltag einfügt.

Anna: Der praktische Weg zum Ausprobieren ist der kostenlose Tarif, genutzt für einen konkreten Zweck, vielleicht das Online-Shopping, Newsletter-Abos oder die Kommunikation im Verein. So sieht man, wie sich der Dienst im Alltag anfühlt, ohne gleich das ganze digitale Leben umzuziehen. Und für alle im DACH-Raum, denen wichtig ist, dass ihre Daten in Europa bleiben und einem deutschen Anbieter gehören, ist Tuta Mail wirklich eine der solidesten Optionen.

Klaus: Damit sind wir am Ende.

Anna: Heute ging es um die wachsenden Sorgen vor einer KI-Blase, die Transparenzregeln des EU-KI-Gesetzes, Stanfords Mikroroboter im Blutgefäß, die US-Zölle auf Polysilizium, und zum Abschluss zwei praktische Sachen zum Ausprobieren: die freie Foto-Bibliothek LibrePhotos und den verschlüsselten deutschen E-Mail-Dienst Tuta Mail.

Klaus: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.

Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.