Donnerstag, 6. August 2026 · 12:54
Google DeepMind verliert Jeff Dean, D-Wave Quantendurchbruch in Nature, iPhone-Preisschock
The State of Tech DE vom Donnerstag, 6. August 2026: Google baut die Spitze seiner KI-Sparte um – Jeff Dean verlässt das Unternehmen, Demis Hassabis wechselt in eine Aufsichtsrolle, und Koray Kavukcuoglu übernimmt die operative Leitung von DeepMind. Außerdem: D-Wave veröffentlicht in Nature einen Durchbruch bei der Quanten-Fehlerkorrektur, der interne KI-Branchenstreit zwischen Open-Source- und Sicherheitsverfechtern treibt jetzt die US-Politik, ein Speicher-Engpass droht iPhones und andere Elektronik um bis zu 300 Dollar zu verteuern, und zum Ausprobieren: das datenschutzfreundliche Screenshot-Werkzeug Flameshot und die minutengenaue Wetter-App Tomorrow.io.
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Transkript
Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Donnerstag, der sechste August 2026. Ich bin Anna Hoffmann.
Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: Ein großer Umbau an der Spitze von Google DeepMind, Jeff Dean geht. Dann ein Durchbruch beim Quantencomputer-Hersteller D-Wave, veröffentlicht in Nature. Drittens der interne Streit in der KI-Branche, der in Washington gerade Politik macht. Viertens eine Speicher-Knappheit, die iPhones und andere Geräte deutlich teurer machen könnte. Und zum Abschluss zwei Sachen zum Ausprobieren: das freie Screenshot-Werkzeug Flameshot und die Wetter-App Tomorrow.io. Fangen wir an.
Google DeepMind verliert KI-Veteran Jeff Dean, Demis Hassabis wechselt in eine Aufsichtsrolle.
Anna: Google baut die Spitze seiner KI-Sparte gerade komplett um. Jeff Dean, einer der Architekten der Google-KI-Strategie über zwei Jahrzehnte hinweg, verlässt das Unternehmen und gründet eine eigene Firma. Er nimmt mehrere leitende Kollegen mit. Gleichzeitig zieht sich Demis Hassabis, bisher operativer Chef von Google DeepMind, aus dem Tagesgeschäft zurück. Er wird Vorsitzender des Labors und Chefwissenschaftler von Alphabet. Die operative Leitung von DeepMind übernimmt Koray Kavukcuoglu, der zum Senior Vice President befördert wurde.
Klaus: Das ist keine normale Personalie. Google DeepMind ist nicht irgendein KI-Labor, sondern das Herz hinter Gemini und hinter einem großen Teil der Grundlagenforschung, auf der andere Anbieter aufbauen. Jeff Dean hat jahrelang geprägt, wie Google große Sprachmodelle trainiert. Wenn er geht und gleichzeitig Hassabis eine Stufe nach oben rückt, ist das ein echter Generationswechsel. Kavukcuoglu ist intern bekannt und geschätzt, aber die Außenwelt wird sehr genau hinschauen, ob die Forschungskultur erhalten bleibt oder ob sich die Prioritäten in Richtung Produkt verschieben.
Anna: Für die DACH-Region ist das relevanter, als es auf den ersten Blick wirkt. Viele Forschungsgruppen an der ETH Zürich, der TU München oder am Max-Planck-Institut arbeiten mit den Werkzeugen und Veröffentlichungen, die DeepMind über die Jahre freigegeben hat. Wenn sich Tempo oder Richtung ändern, spüren das europäische Universitäten schnell. Dazu kommt: Wenn Jeff Deans neue Firma Talente aus Google zieht, wird auch der Kampf um KI-Fachkräfte in Zürich, Berlin oder Wien noch härter. Deutsche Konzerne wie SAP oder Siemens, die selbst KI-Teams aufbauen, konkurrieren dann mit einer weiteren gut finanzierten Startup-Adresse im Silicon Valley.
Klaus: Und noch ein Punkt: Google steht ohnehin unter Druck von OpenAI und Anthropic. Eine Umstrukturierung mitten in dieser Phase ist ein Risiko. Es kann gutgehen, wenn Kavukcuoglu klare Signale setzt. Es kann aber auch zu Reibung führen, wenn Teams sich neu sortieren müssen, während die Konkurrenz Vollgas gibt. Beobachter erwarten, dass die nächsten Gemini-Releases entscheidend dafür sind, wie diese Neuaufstellung bewertet wird.
D-Wave veröffentlicht in Nature einen Durchbruch bei Quanten-Fehlerkorrektur, weniger Hardware nötig.
Anna: Weiter geht's mit einem Thema, das lange als eine der größten Hürden im Quantencomputing galt. Die Firma D-Wave hat in der Fachzeitschrift Nature eine Arbeit veröffentlicht, die ein schnelles und präzises Zwei-Qubit-Gatter beschreibt. In einfachen Worten: Quantencomputer machen sehr viele Rechenfehler, und um diese Fehler zu korrigieren, brauchte man bisher enorm viel Zusatz-Hardware. D-Wave sagt, ihr Ansatz reduziert diesen Aufwand deutlich. Das ist eine der wichtigsten Barrieren zwischen heutigen Versuchsmaschinen und einem System, das tatsächlich wirtschaftlich genutzt werden kann.
Klaus: Wichtig ist hier vor allem, wo das erschienen ist. Quanten-Meldungen gibt es fast wöchentlich, aber die meisten stehen in Pressemitteilungen. Eine begutachtete Veröffentlichung in Nature hat ein anderes Gewicht. Das heißt nicht, dass morgen der kommerzielle Quantencomputer im Rechenzentrum steht, aber der Abstand zwischen Labor und Anwendung wird kleiner. Fehlerkorrektur ist wirklich eine harte Wand, und dass sie hier ein Stück weiter durchbrochen wurde, verändert die Diskussion.
Anna: Für Europa ist das Timing spannend. Die EU steckt seit Jahren Geld in ihr Quantum-Flagship-Programm, und es gibt ernstzunehmende Akteure in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. In Deutschland arbeiten Firmen wie IQM aus München oder das Fraunhofer-Institut an ähnlichen Problemen. Ein Durchbruch aus Nordamerika setzt europäische Labore unter Druck, vergleichbare Ergebnisse zu zeigen, und liefert gleichzeitig ein Argument für neue Fördergelder. Pharmakonzerne wie Boehringer Ingelheim oder Roche experimentieren schon länger mit Quanten-Simulationen für Molekülforschung. Wenn Fehlerkorrektur wirklich billiger wird, kommen solche Anwendungen greifbarer in Reichweite.
Klaus: Bleibt die Frage, wie schnell sich das übersetzt. Von der Nature-Publikation bis zum praktischen Nutzen können Jahre vergehen. Aber der Kern ist: Der theoretische Aufwand für einen fehlertoleranten Quantencomputer sinkt, und das verschiebt die Zeitachse nach vorne. Auch für IT-Sicherheitsleute in der DACH-Region ist das ein Signal. Verschlüsselung, die heute als sicher gilt, muss langfristig quantensicher werden, und je näher praktische Quantenrechner rücken, desto dringlicher wird die Umstellung.
Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.
Der interne Streit der KI-Branche über Sicherheit und Open Source treibt jetzt die US-Politik.
Klaus: Der lange schwelende Konflikt innerhalb der KI-Branche ist aus den Kantinen der Labore in den US-Kongress und ins Weiße Haus gewandert. Auf der einen Seite: die schnellen Entwickler, die Open-Source-Verfechter. Auf der anderen: die Sicherheitsverfechter und die Anbieter geschlossener Modelle. Ein kürzlich veröffentlichter Brief, unterzeichnet von Nvidia, Microsoft, Meta, ai-bie-em, Dell und Palantir, argumentiert gegen breite Beschränkungen für chinesische Open-Weight-Modelle. Das ist eine bemerkenswerte Koalition und zeigt, dass die Branche nicht mit einer Stimme spricht, wenn Gesetzgeber um Rat fragen.
Anna: Interessant ist, wer da unterschrieben hat und wer nicht. Chip-Hersteller und Unternehmenssoftware-Anbieter sagen: Schneidet uns bitte nicht vom chinesischen Modell-Ökosystem ab. Die Labore, die eigene Frontier-Modelle bauen, argumentieren dagegen tendenziell für strengere Kontrollen, was zufällig auch die Markteintrittshürde für Konkurrenten erhöht. Industriepolitik als Sicherheitsdebatte verpackt, und Washington beginnt langsam, das zu durchschauen.
Klaus: Für europäische Regulierer ist dieser US-Streit tatsächlich nützlich. Brüssel wurde jahrelang kritisiert, zu schnell zu regulieren, während Washington nichts tat. Jetzt ist der EU AI Act der Referenzpunkt, auf den alle reagieren müssen. Wenn die USA am Ende einen Flickenteppich aus Bundesstaats-Regeln bekommen, weil sich die Industrie in Washington nicht einigen kann, stärkt das Europas Position als der Ort mit einem einheitlichen, planbaren Regelwerk.
Anna: Und da liegt das Paradoxe: Viele Konzerne, die den AI Act öffentlich kritisieren, bevorzugen ihn in der Praxis, weil sie damit rechtliche Klarheit haben. Für DACH-Unternehmen bedeutet das konkret: Wer Compliance-Prozesse jetzt aufbaut, hat einen Vorteil, sobald andere Regionen nachziehen. Der Branchenverband Bitkom fordert, dass Deutschland die Umsetzung des AI Acts nicht überreguliert, sondern die Spielräume für Innovation nutzt. Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen, wenn die konkreten Durchführungsverordnungen ausformuliert werden.
Apples Speicher-Engpass zeigt eine breitere Chip-Krise, iPhones könnten um dreihundert Dollar teurer werden.
Klaus: Kommen wir zu einem Thema, das aus der KI-Wolke direkt in den Elektronikladen wandert. Apple hat aktuell erhebliche Probleme, genug Speicher-Chips für seine Geräte zu bekommen. Analysten schätzen, dass neue iPhone-Modelle deshalb bis zu dreihundert Dollar teurer werden könnten. Und das ist nicht nur ein Apple-Problem. Ein Bericht der Global Electronics Association sagt, dass zweiundsechzig Prozent der Elektronikhersteller bereits mit knappen Komponenten oder längeren Lieferzeiten kämpfen. Zweiundachtzig Prozent rechnen mit Preissteigerungen, etwa ein Drittel sogar mit deutlichen Erhöhungen.
Anna: Der Grund ist ein Mix aus Faktoren, aber der Hauptantreiber ist der KI-Boom. Speicherhersteller lenken ihre Kapazitäten in High-Bandwidth-Memory um, das für KI-Server in Rechenzentren gebraucht wird und deutlich besser bezahlt wird als klassischer Verbraucher-Speicher. Derselbe Boom, der die riesigen Datacenter füllt, drückt jetzt auf die Chip-Versorgung für ganz normale Produkte. Apple hat die Marge, um höhere Kosten aufzufangen oder weiterzugeben. Kleinere europäische Elektronikmarken haben dieses Polster nicht.
Klaus: Für DACH-Verbraucher zeigt sich das in zwei Punkten. Erstens: Preise für Smartphones, Laptops und sogar Smart-Home-Geräte werden in den nächsten sechs bis zwölf Monaten voraussichtlich steigen. Zweitens: Die Verfügbarkeit könnte lückenhaft werden, besonders bei Mittelklasse-Marken ohne Apples Einkaufsmacht. Deutsche Elektronikhändler melden schon jetzt längere Lieferzeiten für bestimmte Modelle, und das noch vor dem Weihnachtsgeschäft.
Anna: Und es trifft auch die deutsche Industrie an anderer Stelle. Autobauer wie Volkswagen oder BMW brauchen zunehmend Speicherchips für Assistenzsysteme und Bordelektronik. Wenn dieselben Bauteile in Rechenzentren wandern, verschärft sich die Lage in der Lieferkette weiter. Der Branchenverband ZVEI warnt seit Monaten, dass Europa in der Chip-Versorgung strukturell verwundbar bleibt, solange die Fertigung in Asien konzentriert ist. Der geplante Ausbau der Intel-Fabrik in Magdeburg, der zuletzt ins Stocken geriet, wird vor diesem Hintergrund noch wichtiger.
Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen du heute konkret etwas anfangen kannst.
Das freie Screenshot-Werkzeug Flameshot macht aus jedem Bildschirmfoto in Sekunden eine kommentierte Grafik.
Anna: Der erste Fund heißt Flameshot. Das ist ein kostenloses Open-Source-Screenshot-Werkzeug, das unter Windows, Mac und Linux läuft. Was Flameshot besonders macht, ist nicht das Aufnehmen selbst, sondern was danach passiert. Statt das Bild einfach nur zu speichern, öffnet Flameshot sofort eine Bearbeitungs-Ebene, auf der man Pfeile zeichnen, Bereiche hervorheben, sensible Daten wie E-Mail-Adressen unkenntlich machen oder Textkommentare hinzufügen kann. Und zwar alles, bevor die Datei überhaupt auf der Festplatte landet.
Klaus: Der Grund, warum viele Nutzer es empfehlen, ist der Arbeitsablauf. Die eingebauten Screenshot-Werkzeuge der meisten Betriebssysteme sind okay, wenn man nur ein Bild aufnehmen will. Aber sobald man etwas markieren und einem Kollegen schicken möchte, muss man einen separaten Editor öffnen. Flameshot fasst das in einen einzigen Schritt zusammen. Anwender berichten, dass sie so mehrere Minuten pro Screenshot sparen, wenn sie Fehler dokumentieren, jemandem einen Menüpunkt erklären oder ein Dokument im Chat kommentieren.
Anna: Ein paar praktische Punkte. Flameshot ist wirklich kostenlos, es gibt keine Premium-Stufe, kein Konto, und keine Daten verlassen das Gerät. Die Installation dauert etwa eine Minute über flameshot.org oder über den Paketmanager unter Linux. Man kann das Werkzeug auf eine Tastenkombination legen, und ein einziger Tastendruck öffnet direkt den Aufnahme- und Kommentiermodus. Es gibt auch eine Option, Bilder direkt in einen Cloud-Dienst hochzuladen, aber in der Standardeinstellung bleibt alles lokal.
Klaus: Für DACH-Nutzer ist gerade der Datenschutz-Aspekt interessant. Weil Flameshot komplett auf dem eigenen Rechner läuft, wandern keine Screenshots auf fremde Server, auch nicht versehentlich. Für alle, die im Büro mit vertraulichen Dokumenten arbeiten, ist das ein echter Vorteil gegenüber Werkzeugen, die im Hintergrund in eine Cloud synchronisieren. Es funktioniert auf Deutsch, ist kompatibel mit allen gängigen Systemen und braucht kaum Ressourcen.
Die Wetter-App Tomorrow.io liefert minutengenaue Vorhersagen, kostenlos auf iOS und Android.
Anna: Der zweite Fund heißt Tomorrow.io. Das ist eine Wetter-App für iOS und Android, die für ihre besonders lokalen Vorhersagen bekannt ist. Die Firma betreibt eigene Satelliten und kombiniert deren Daten mit Bodensensoren. Das ermöglicht Minute-für-Minute-Prognosen für den genauen Standort, nicht nur für die Stadt insgesamt.
Klaus: Was Tomorrow.io von der Standard-Wetter-App auf dem Handy unterscheidet, ist die Präzision. Nutzer berichten, dass die App überraschend genau ist. Wenn sie sagt, der Regen beginnt um 15:47 Uhr, dann stimmt das meist auf wenige Minuten genau. Für Radfahrer, Läufer oder alle, die in der berüchtigt wechselhaften mitteleuropäischen Wetterlage draußen unterwegs sind, ist so eine Genauigkeit im Alltag wirklich nützlich.
Anna: Die kostenlose Version liefert Vorhersagen, Radar und Warnungen vor Unwettern, damit ist der normale Bedarf abgedeckt. Es gibt eine Bezahlstufe mit erweiterten Prognosen und speziellen Warnmeldungen, aber die freie Variante reicht für die meisten. Die Einrichtung dauert wenige Minuten: App herunterladen, Standortzugriff erlauben, wenn man automatische Aktualisierungen möchte, fertig. Besonders gelobt werden die Pollen- und Luftqualitäts-Anzeigen, was für Allergiker im deutschsprachigen Raum im Frühjahr und Sommer relevant ist.
Klaus: Eine Einschränkung: Tomorrow.io ist eine US-Firma. Wer eine vollständig europäische Alternative sucht, findet mit Meteoblue aus der Schweiz einen ähnlichen Dienst mit vergleichbarer Datenqualität. Aber wenn es um Minutengenauigkeit im Moment geht, etwa zwischen zwei Regenschauern eine Radtour einzuschieben, ist Tomorrow.io die App, zu der viele immer wieder zurückkehren.
Anna: Heute ging es um: den Umbau an der Spitze von Google DeepMind mit dem Abgang von Jeff Dean, den Nature-Durchbruch von D-Wave bei der Quanten-Fehlerkorrektur, den internen KI-Branchen-Streit, der jetzt Washington beschäftigt, den Speicher-Engpass, der iPhones und andere Elektronik verteuern könnte, das Screenshot-Werkzeug Flameshot und die Wetter-App Tomorrow.io.
Klaus: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.
Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.