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Freitag, 31. Juli 2026 · 12:42

UN-KI-Sicherheitsabkommen mit 150+ Ländern, EU plant 7 KI-Gigafabriken

The State of Tech DE vom Freitag, 31. Juli 2026: Mehr als 150 Länder unterzeichnen bei einem UN-Sondergipfel das erste globale KI-Sicherheitsabkommen – mit Überwachungsgremium und Geld für unabhängige Sicherheitsforschung. Außerdem: DeepMind und CERN starten eine KI-Partnerschaft für schnellere Teilchenphysik, Sanofi meldet vielversprechende erste Studienergebnisse für ein KI-entwickeltes Krebsmedikament, die EU schreibt bis zu sieben KI-Gigafabriken mit bis zu zehn Milliarden Euro aus, der Satelliten-Internet-Anbieter StarNet öffnet die Warteliste für ländliche Regionen in Europa, und AWS veröffentlicht einen kostenlosen technischen Leitfaden zu Flüssigkühlung – auch für Heimserver-Bastler geeignet.

KI Vereinte Nationen DeepMind CERN Sanofi EU-Politik

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Transkript

Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Freitag, der einunddreißigste Juli 2026. Ich bin Anna Hoffmann.

Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute geht es um das erste globale KI-Sicherheitsabkommen der UN, das mehr als hundertfünfzig Länder unterschrieben haben. Dann die Partnerschaft zwischen DeepMind und CERN, die Teilchenphysik mit KI beschleunigen soll. Danach Sanofis KI-entwickeltes Krebsmedikament mit vielversprechenden ersten Studienergebnissen. Als vierte Nachricht die milliardenschwere EU-Initiative für sieben KI-Gigafabriken in Europa. Und zum Schluss zwei Sachen, mit denen ihr heute konkret etwas anfangen könnt: der neue Satelliten-Internet-Anbieter StarNet, für den in Teilen Europas jetzt die Warteliste offen ist, und ein kostenloser technischer Leitfaden von AWS zu Flüssigkühlung, der auch für Heimserver-Bastler brauchbar ist. Fangen wir an.

Über hundertfünfzig Länder unterzeichnen bei UN-Gipfel das erste globale KI-Sicherheitsabkommen.

Anna: Bei einem Sondergipfel der Vereinten Nationen haben Staats- und Regierungschefs aus mehr als hundertfünfzig Ländern einstimmig ein neues globales KI-Sicherheitsabkommen unterzeichnet. Es legt einen gemeinsamen Rahmen fest, wie fortgeschrittene KI entwickelt und eingesetzt werden soll, mit Transparenz, Rechenschaftspflicht und dem Schutz vor Missbrauch im Zentrum. Entscheidend ist: Es entsteht ein neues UN-gestütztes Gremium, das die Einhaltung überwacht und die Regeln fortschreibt, wenn die Technik sich weiterentwickelt. Und genau das unterscheidet dieses Papier von den üblichen Absichtserklärungen.

Klaus: Und es steht Geld dahinter, konkret für unabhängige Sicherheitsforschung. Außerdem gibt es geteilte Prinzipien, die sich ausdrücklich auf das beziehen, was das Abkommen existenzielle Risiken durch fortgeschrittene Systeme nennt. Diese Formulierung galt vor zwei Jahren noch als Nischenposition, jetzt steht sie in einem Dokument, das Staatschefs unterschreiben. Das Abkommen drängt außerdem auf internationale Zusammenarbeit bei Red-Teaming, also dem gezielten Testen von Schwachstellen, bei der Meldung von Vorfällen und bei gemeinsamen Bewertungsstandards. Das ist also nicht nur eine Werteerklärung, das ist der Anfang einer Infrastruktur.

Anna: Für Europa ist der Zeitpunkt bemerkenswert. Der EU-KI-Gesetzentwurf ist hier bereits in Kraft, und ab kommendem Sonntag, dem zweiten August, treten weitere Transparenzpflichten in Kraft. Brüssel argumentiert seit Jahren, dass KI globale Regeln braucht, nicht nur regionale. Dieses Abkommen bestätigt diesen Ansatz. Für Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die grenzüberschreitend arbeiten, erhöht sich damit der Druck. Wenn das UN-Gremium Leitlinien herausgibt, die mit nationalen Regeln in den USA kollidieren, werden europäische Aufsichtsbehörden voraussichtlich zuerst dem multilateralen Kurs folgen.

Klaus: Die deutsche Bundesregierung hat sich in den vergangenen Monaten wiederholt für einen solchen internationalen Rahmen eingesetzt, und auch die Schweiz, die selbst nicht EU-Mitglied ist, sitzt bei diesem Thema oft in der ersten Reihe. Für die Bitkom und andere Branchenverbände heißt das jetzt: Unternehmen müssen sich nicht nur auf das EU-Gesetz einstellen, sondern auch darauf, dass daraus in den nächsten Jahren globale Standards abgeleitet werden. Wer heute seine KI-Governance sauber aufstellt, ist morgen im Vorteil.

DeepMind und CERN vereinbaren mehrjährige Partnerschaft für schnellere Teilchenphysik durch KI.

Anna: Googles KI-Labor DeepMind und das europäische Kernforschungszentrum CERN bei Genf haben eine mehrjährige Partnerschaft angekündigt, um physikalische Simulationen mit KI zu beschleunigen. Die Idee ist, tiefe Lernmodelle zu bauen, die die riesigen Datenmengen aus dem Large Hadron Collider deutlich schneller verarbeiten können als klassische Methoden. Simulationen, die aktuell auf Supercomputern Wochen brauchen, könnten auf Stunden schrumpfen.

Klaus: Das ist wichtig, weil CERN in Daten ertrinkt. Der Beschleuniger produziert in Spitzenzeiten etwa ein Petabyte pro Sekunde, und nur ein winziger Bruchteil davon lässt sich überhaupt speichern und analysieren. Wenn KI-Modelle vorab filtern und Kollisionen schneller simulieren, können Forscher mehr Theorien testen und schneller zu Ergebnissen kommen. DeepMind hat auf diesem Feld Erfahrung: Bei der Proteinfaltung mit AlphaFold hat das Labor die Biologie innerhalb weniger Jahre umgekrempelt.

Anna: Interessant ist die Richtung. Vor einigen Jahren jagten die großen KI-Labore vor allem Konsumentenprodukte und Sprachmodelle. Jetzt docken sie zunehmend an die Grundlagenforschung an, und ausgerechnet an europäische Institutionen. CERN behält Datenhoheit und Physik, DeepMind bringt Rechenleistung und Modellexpertise. Das ist eine Vorlage, die andere europäische Forschungszentren genau beobachten, weil sie Zugang zu Spitzen-KI verschafft, ohne die Grundlagen abzugeben. Für Deutschland relevant sind unter anderem das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY in Hamburg und das Karlsruher Institut für Technologie, die beide eng mit CERN zusammenarbeiten.

Klaus: Es bleibt aber ein Punkt zur Einordnung: Die Rechenleistung kommt weiterhin von einem US-Unternehmen. Die EU baut zwar an eigenen Hochleistungsrechenzentren, doch bei den KI-Modellen selbst gibt es diese Abhängigkeit vorerst. Für europäische Forschungspolitik ist das eine Aufgabe für die kommenden Jahre.

Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.

Sanofis KI-entwickeltes Krebsmedikament zeigt in ersten Studien am Menschen vielversprechende Ergebnisse.

Klaus: Der französische Pharmariese Sanofi hat ermutigende erste klinische Studienergebnisse für ein Krebsmedikament vorgestellt, das fast vollständig von seiner hauseigenen KI-Plattform entworfen wurde. Der Wirkstoff zielt auf eine aggressive Krebsform, und in der ersten Studienphase zeigte er sowohl deutliche Wirksamkeit als auch ein günstiges Sicherheitsprofil. Sanofi will die weitere Entwicklung beschleunigen.

Anna: Das ist einer der ersten Fälle, in denen ein großes etabliertes Pharmaunternehmen, nicht ein KI-nahes Biotech-Startup, einen KI-entworfenen Wirkstoff so weit in Studien am Menschen gebracht und positive Ergebnisse gemeldet hat. Die Branche verspricht diesen Moment seit etwa fünf Jahren. KI verkürzt die Entdeckungsphase von Jahren auf Monate, indem sie vorhersagt, welche Moleküle an welche Zielstrukturen binden. Aber bislang sind die meisten dieser Kandidaten entweder in Studien gescheitert oder haben das Labor nie verlassen.

Klaus: Phase-Eins-Ergebnisse sind natürlich noch früh. Sie zeigen vor allem Sicherheit und deuten auf Wirksamkeit hin. Aber wenn Sanofi das durch Phase Zwei und Drei tragen kann, verändert sich die Ökonomie der Arzneimittelentwicklung grundlegend. Klassische Pipelines kosten Milliarden und dauern ein Jahrzehnt. Wenn KI da konsistent Jahre einspart, hat die europäische Pharmaindustrie plötzlich eine echte Antwort auf die Dominanz amerikanischer Biotechs.

Anna: Und für den DACH-Raum ist das nicht abstrakt. Boehringer Ingelheim, Bayer, Roche und Novartis haben alle eigene KI-Plattformen für die Wirkstoffsuche aufgebaut und beobachten diese Studie sehr genau. Für Patientinnen und Patienten in Europa gilt allerdings: Auch KI-entworfene Medikamente durchlaufen dieselbe Zulassung. Die Europäische Arzneimittelagentur in Amsterdam hat sich in den vergangenen Jahren methodisch damit auseinandergesetzt, wie KI-Nachweise in klinischen Studien zu bewerten sind. Ohne diese Prüfung kommt nichts auf den Markt, egal wie schnell die KI im Labor ist.

EU schreibt bis zu sieben KI-Gigafabriken aus, um Europas digitale Souveränität zu sichern.

Klaus: Die Europäische Kommission hat eine Ausschreibung für den Bau von bis zu sieben sogenannten KI-Gigafabriken in Europa eröffnet. Die Initiative wird mit bis zu zehn Milliarden Euro aus EU- und nationalen Mitteln unterstützt und soll mindestens zwanzig Milliarden Euro an privaten Investitionen freisetzen. Ziel ist, im globalen KI-Wettlauf aufzuholen und die Abhängigkeit von amerikanischen Hyperscalern zu reduzieren.

Anna: In diesen Gigafabriken sollen fortschrittliche KI-Prozessoren, Software, Cloud-Technologien und energieeffiziente Rechenzentren gebündelt werden. Das ist ausdrücklich als industriepolitisches Projekt gedacht, nicht nur als Forschungsförderung. Brüssel will Standorte schaffen, an denen europäische Unternehmen und Forschungseinrichtungen Zugang zu Hochleistungsrechnen bekommen, ohne dafür zu US-Anbietern gehen zu müssen.

Klaus: Für Deutschland ist das direkt relevant. Standorte wie München, Stuttgart, Jülich, aber auch Wien und Zürich, gelten in Branchenkreisen als aussichtsreiche Kandidaten. Der Betrag klingt zunächst groß, doch im Vergleich zu den hunderten Milliarden, die US-Konzerne und die amerikanische Regierung in KI-Infrastruktur stecken, bleibt die Summe bescheiden. Industrieverbände wie der VDMA und Bitkom argumentieren seit längerem, dass Europa deutlich mehr investieren müsste, um wirklich konkurrenzfähig zu sein.

Anna: Für die DACH-Region kommt noch etwas Praktisches dazu. Mittelständler und Start-ups, die eigene KI-Modelle trainieren wollen, scheitern heute oft an den Kosten für Rechenkapazität. Wenn die Gigafabriken tatsächlich subventionierten Zugang anbieten, könnte das die europäische KI-Landschaft breiter machen. Der Zeithorizont ist allerdings mehrjährig, die ersten Standorte dürften frühestens 2028 in Betrieb gehen.

Satelliten-Internet-Anbieter StarNet öffnet Warteliste für ländliche Regionen in Europa.

Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen ihr heute konkret etwas anfangen könnt. Zuerst: ein neuer Satelliten-Internet-Anbieter namens StarNet hat seine ersten dreißig Satelliten gestartet, und für Hörerinnen und Hörer wichtig, die Anmeldung für den frühen Zugang ist in mehreren europäischen Ländern offen. Der Plan sind über fünfhundert Satelliten innerhalb von drei Jahren, mit Laser-Verbindungen zwischen den Satelliten für Breitband mit geringer Latenz in ländlichen und abgelegenen Gebieten.

Anna: Für alle, die in einem Dorf leben, wo Glasfaser noch nicht angekommen ist, oder in einem Alpental, wo das Mobilfunknetz regelmäßig ausfällt, ist das einen Blick wert. StarNet gibt an, dass Nutzer mit frühem Zugang in Teilen Skandinaviens, im Alpenraum, in schottischen Highlands und in ländlichen Regionen Spaniens sich über die Website des Unternehmens auf eine Warteliste setzen lassen können. Die Geschwindigkeiten werden mit denen von terrestrischem Glasfaser verglichen, sobald die Satellitenkonstellation dichter wird.

Klaus: Zwei Punkte werden in ersten Berichten hervorgehoben. Erstens, die Laserverbindungen zwischen den Satelliten bedeuten, dass das Netz Ausfälle umleiten kann, was historisch die Schwachstelle von Satelliten-Breitband war. Zweitens, StarNet kündigt eine Option für europäisches Daten-Routing an, sodass Datenverkehr, wo möglich, innerhalb des Kontinents bleibt. Das ist ein echter Unterschied gegenüber dem amerikanischen Platzhirsch. Für Deutschland relevant: In Bayern, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gibt es weiterhin ganze Landstriche ohne verlässliches Festnetz.

Anna: Die Anmeldung dauert etwa zwei Minuten und verpflichtet zu nichts. Sie setzt euch nur auf die Liste für den Fall, dass der Dienst in eurer Postleitzahl live geht. Für die Schweiz und Österreich, wo Bergregionen ähnliche Probleme haben, dürfte das ebenfalls interessant werden, sobald die regulatorische Zulassung vorliegt.

AWS veröffentlicht kostenlosen technischen Leitfaden zu Flüssigkühlung, nutzbar für Heim-Bastler.

Klaus: Das zweite ist etwas anders gelagert. ie-dabbel-ju-es, also Amazons Cloud-Sparte, hat ein neues Flüssigkühlungssystem für seine Rechenzentren vorgestellt, und zusammen mit der Ankündigung einen erstaunlich detaillierten technischen Leitfaden veröffentlicht, wie dielektrische Flüssigkeitskühlung funktioniert. Mit Diagrammen und Effizienzzahlen. Kostenlos lesbar auf der ie-dabbel-ju-es-Website.

Anna: Das ist kein Konsumentenprodukt, klar. Aber für alle, die einen Heimserver betreiben, einen Gaming-PC oder eine kleine KI-Workstation, ist der Leitfaden tatsächlich brauchbar. Er erklärt, warum Immersionskühlung und Direkt-auf-Chip-Flüssigkühlung bis zu dreißig Prozent Energie einsparen, und geht die Kompromisse durch. In Enthusiasten-Foren wird der Text bereits als eine der klarsten öffentlichen Erklärungen zu diesem Thema geteilt.

Klaus: Wenn euer Heim-Rechner im Sommer klingt wie ein Föhn, ist das Hintergrundlektüre, die euren nächsten Zusammenbau verändern könnte. Es ist auch ein nützlicher Einstieg, wenn ihr in der IT arbeitet und in eurer Firma zu Rechenzentrums-Energieverbrauch Auskunft geben müsst. Der Leitfaden ist für Ingenieure geschrieben, bleibt aber lesbar.

Anna: Er ist auf Englisch verfügbar und braucht etwa zwanzig Minuten. Kein Login erforderlich. Ein seltener Fall, in dem eine große Cloud-Ankündigung tatsächlich etwas Praktisches für Menschen außerhalb der Branche zurücklässt. Und angesichts des rasant steigenden Energieverbrauchs von KI-Rechenzentren, der auch in Deutschland und Österreich zunehmend diskutiert wird, sickert dieses Wissen von den Hyperscalern schneller zu Alltags-Bastlern durch als früher.

Klaus: Für den DACH-Raum spannend: Auch das Fraunhofer-Institut und mehrere Schweizer Hochschulen forschen an genau diesen Kühltechnologien, und die Diskussion um Abwärmenutzung aus Rechenzentren, etwa für Fernwärme, wird gerade in Frankfurt am Main sehr konkret geführt.

Anna: Heute ging es um das erste globale KI-Sicherheitsabkommen der UN, die KI-Partnerschaft von DeepMind und CERN, Sanofis KI-entworfenes Krebsmedikament in ersten Studien am Menschen, die EU-Ausschreibung für sieben KI-Gigafabriken, den neuen Satelliten-Internet-Anbieter StarNet mit Warteliste für ländliche Regionen in Europa, und den kostenlosen Flüssigkühlungs-Leitfaden von ie-dabbel-ju-es für Heim-Bastler.

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