Donnerstag, 30. Juli 2026 · 13:12
874 Mio. Dollar für KI-Chips, KI-Patente knacken 100.000-Marke, SUSS MicroTec investiert 45 Mio.
The State of Tech DE vom Donnerstag, 30. Juli 2026: Washington pumpt 874 Millionen Dollar aus dem CHIPS-Gesetz in KI-Chipforschung – der größte Einzelposten geht an GlobalFoundries für Silizium-Photonik. Außerdem: KI-Patente überschreiten erstmals die 100.000-Marke pro Jahr, SUSS MicroTec baut ein neues Zentrum für Chipverpackung in Karlsruhe, OpenAI öffnet seine Spitzenmodelle für 100.000 Wissenschaftler, der Schweizer Messenger Threema braucht keine Handynummer, und das Open-Source-Werkzeug Hugin setzt Urlaubsfotos zu Panoramen zusammen.
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Transkript
Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Donnerstag, der dreißigste Juli 2026. Ich bin Anna Hoffmann.
Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: Washington schießt 874 Millionen Dollar in die KI-Chipforschung, weltweite KI-Patente knacken erstmals die Hunderttausend-Marke, SUSS MicroTec investiert 45 Millionen Euro in Karlsruhe, OpenAI öffnet seine Spitzenmodelle für hunderttausend Wissenschaftler, der Schweizer Messenger Threema als Alternative ohne Handynummer und das freie Panorama-Werkzeug Hugin für Urlaubsfotos. Fangen wir an.
US-Handelsministerium pumpt 874 Millionen Dollar in Chipforschung für den KI-Boom.
Anna: Washington legt nach. Das US-Handelsministerium hat sieben Absichtserklärungen unterzeichnet, mit denen zusammen 874 Millionen Dollar aus dem CHIPS-Gesetz in die Forschung an Halbleitern für KI-Systeme fließen. Der größte Brocken, bis zu 300 Millionen Dollar, geht an GlobalFoundries für sogenannte Silizium-Photonik. Vereinfacht gesagt: Statt Daten mit Strom durch den Chip zu jagen, nutzt man dabei Licht. Das klingt exotisch, ist aber deshalb wichtig, weil in modernen KI-Systemen ein riesiger Teil der Energie und der Zeit beim Datentransport verloren geht.
Klaus: Und das ist eben nicht nur ein einmaliger Scheck. Es passt in ein Muster, in dem die USA gezielt öffentliches Geld hinter genau die Engstellen der KI-Infrastruktur legen: schnellere Verbindungen zwischen Chips, bessere Verpackung, effizientere Stromversorgung. Die Wette dahinter ist, dass derjenige, der diese Engstellen kontrolliert, auch das nächste Jahrzehnt der KI-Rechenzentren dominiert. Auffällig ist die Verschiebung: Es geht nicht mehr nur um neue Fabriken, sondern um die Forschungspipeline, die diese Fabriken überhaupt füttert.
Anna: Für den DACH-Raum ist der Vergleich unbequem. Der European Chips Act wurde mit großen Zahlen angekündigt, aber die konkreten Forschungsbudgets, die in KI-spezifische Hardware in Deutschland, Österreich oder der Schweiz fließen, sind ein Bruchteil davon. Der Branchenverband Bitkom und Industrievertreter wie der VDMA argumentieren seit Monaten, dass es weniger auf die reine Gesamtsumme ankommt, sondern auf die Intensität: die Bereitschaft, frühe Forschung in der Größenordnung zu fördern, die die USA hier vormachen. Passend dazu meldet in Taiwan der Auftragsfertiger UMC, dass er über die nächsten drei Jahre fünf Milliarden Dollar in fortgeschrittene Chipverpackung und Silizium-Photonik stecken will. Die Richtung ist überall die gleiche, nur das Tempo unterscheidet sich.
Klaus: Und für deutsche Kunden hat das ganz praktische Folgen. Wer heute KI-Server bestellt, hängt an einer globalen Kette, in der die Schlüsseltechnologien in wenigen Händen konzentriert sind. Wenn Washington die Forschung anschiebt, verschiebt sich mittelfristig auch, wo die neuesten Beschleuniger überhaupt zuerst verfügbar sind. Für Cloud-Anbieter im DACH-Raum heißt das: Sie kaufen ein, was anderswo entwickelt wird, und müssen sich darauf verlassen, dass die Lieferketten stabil bleiben.
Zahl weltweiter KI-Patente überschreitet erstmals die Marke von 100.000 pro Jahr.
Anna: Weiter mit einer Zahl, die die Dimension des KI-Rennens sichtbar macht. Zum ersten Mal überhaupt sind die weltweit erteilten Patente im Bereich künstliche Intelligenz in einem einzigen Jahr über die Hunderttausender-Marke gestiegen. Für 2025 zählt der Jahresbericht der Patentanalyse-Firma IFI CLAIMS insgesamt 107.279 erteilte Patente. Besonders stark wächst dabei die Kategorie der sogenannten agentischen KI, also Systeme, die nicht nur Fragen beantworten, sondern eigenständig mehrere Schritte hintereinander ausführen.
Klaus: Was diese Zahl im Kern zeigt, ist die Industrialisierung der KI-Forschung. Ein erteiltes Patent ist noch kein fertiges Produkt, das stimmt. Aber in diesem Umfang bedeutet es, dass Unternehmen sich Terrain sichern in einem Ausmaß, das es so noch nie gab. In den Ranglisten dominieren chinesische und amerikanische Anmelder, und der Abstand zu europäischen Anmeldern wächst seit Jahren. Verbände wie der VDI weisen regelmäßig darauf hin, dass Europa zwar starke Grundlagenforschung produziert, aber deutlich weniger davon in geschütztes, kommerziell verwertbares geistiges Eigentum umsetzt.
Anna: Es gibt ein Gegenargument: Patentzahlen messen Aktivität, nicht Qualität. Ein großer Teil dieser Anmeldungen wird nie zu einem relevanten Produkt. Trotzdem zählt die schiere Menge, wenn es später um Lizenzverhandlungen, defensive Portfolios und die Frage geht, wer an den Tischen sitzt, an denen Standards festgelegt werden. Wenn europäische Firmen bei der Regulierung und Vermarktung agentischer KI mitreden wollen, brauchen sie Patente als Verhandlungsmasse.
Klaus: Für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist das ein doppeltes Signal. Auf der einen Seite gibt es starke Player wie Siemens, Bosch oder das Fraunhofer-Netzwerk, die in Teilbereichen ganz vorne mitspielen. Auf der anderen Seite fließt viel Wissen aus DACH-Hochschulen in Publikationen statt in Patente. Das Deutsche Patent- und Markenamt hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die Umsetzung von Forschung in geschütztes Wissen der Flaschenhals bleibt. Wer diesen Flaschenhals nicht weitet, ist im globalen KI-Rennen zwar sichtbar, aber ohne echte Hebelwirkung.
Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.
SUSS MicroTec investiert 45 Millionen Euro in Karlsruher Zentrum für Chipverpackung.
Klaus: Der deutsche Halbleiter-Ausrüster SUSS MicroTec steckt rund 45 Millionen Euro in ein neues Anwendungs- und Entwicklungszentrum in Karlsruhe. Der Schwerpunkt: fortgeschrittene Chipverpackung. Das klingt technisch, ist aber eine der wichtigsten Baustellen der Branche. Einzelne Chips lassen sich nur bis zu einer bestimmten Grenze verkleinern. Danach entstehen die Fortschritte darüber, wie clever man mehrere Chips zu einem einzigen Hochleistungssystem verbindet.
Anna: Und genau diese Verpackung ist zum Nadelöhr des KI-Booms geworden. Speicherbausteine wie HBM, also Hochbandbreiten-Speicher, müssen extrem eng an die Recheneinheiten heran, sonst bremst der Datentransport das ganze System aus. Fast die gesamte führende Verpackungskapazität sitzt heute in Taiwan und Südkorea, bei Firmen wie TSMC oder SK Hynix. Ein europäischer Ausrüster, der seine Forschungsbasis in Baden-Württemberg ausbaut, ist damit einer der wenigen echten industriellen Anker, den der Kontinent in dieser Lieferkette hat.
Klaus: 45 Millionen Euro sind, verglichen mit den Milliarden in den USA und Asien, ein bescheidener Betrag. SK Hynix zum Beispiel hat gerade angekündigt, seine Investitionen auf mindestens 31 Milliarden Dollar hochzufahren. Aber gezielte Investitionen in eine schmale Spezialität sind historisch genau der Weg, auf dem die europäische Industrie überproportional stark geworden ist. Das Standardbeispiel bleibt ASML aus den Niederlanden bei der Belichtungstechnik.
Anna: Die Frage für den DACH-Raum ist, ob politische Unterstützung und die Nachfrage großer Kunden ausreichen, damit SUSS MicroTec seine Spezialität in echte Marktanteile umsetzt. Sonst bleibt es ein Nischenlieferant, während das eigentliche Volumenwachstum in Asien und den USA stattfindet. Für Karlsruhe selbst und die Region ist die Nachricht klar positiv: qualifizierte Arbeitsplätze, ein Sog für Zulieferer, und ein Signal an junge Ingenieurinnen und Ingenieure, dass Halbleiterforschung in Deutschland eine Zukunft hat.
OpenAI gibt hunderttausend Forschern weltweit freien Zugang zu seinen Spitzenmodellen.
Klaus: OpenAI hat ein Programm namens ChatGPT for Academic Researchers gestartet. Kostenloser Zugang zu den fortgeschrittensten Modellen des Unternehmens, sowohl im normalen ChatGPT als auch im Codier-Werkzeug Codex, für rund hunderttausend Wissenschaftlerinnen, Mathematiker und Ingenieure. Höhere Nutzungslimits, größere Kontextfenster für lange Dokumente und erweiterte Recherchefunktionen. Das erklärte Ziel: wissenschaftliche Entdeckungen zu beschleunigen, indem KI direkt in die Labore kommt.
Anna: Unter der Verpackung ist das vor allem ein Verteilungsschachzug. Akademische Forscher sind die Leute, die die nächste Generation von KI-Anwendungen in Medizin, Materialwissenschaft und Physik prägen werden. Wer sie jetzt in sein Ökosystem holt, sichert sich, dass die Publikationen, die Methoden und die späteren Ausgründungen auf diesem Stack aufbauen. Google, Anthropic und Meta haben ähnliche Programme laufen, die Konkurrenz um akademische Aufmerksamkeit ist hart.
Klaus: Für Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Angebot attraktiv und kompliziert zugleich. Attraktiv, weil Zugang zu Spitzenmodellen teuer ist und viele Forschungsbudgets knapp bemessen sind. Kompliziert, weil Forschungsdaten über einen US-amerikanischen Anbieter laufen und die EU-KI-Verordnung, deren Transparenzpflichten in den vergangenen Wochen wirksam wurden, klare Anforderungen an Datenherkunft und Nachvollziehbarkeit stellt.
Anna: Dazu kommt die Datenschutzfrage. Sensible Forschungsdaten, etwa aus der medizinischen Forschung an Uniklinika in Wien, Zürich oder Heidelberg, dürfen nicht einfach in ein amerikanisches Sprachmodell einfließen. Universitäten müssen also den wissenschaftlichen Nutzen gegen sehr konkrete rechtliche Auflagen abwägen. Der Deutsche Hochschulverband hat bereits angemerkt, dass es dafür klare Leitlinien braucht, sonst entscheidet am Ende jede Fakultät für sich, und die Ergebnisse werden nicht mehr vergleichbar.
Klaus: Und es gibt eine langfristige Dimension. Wenn die nächste Generation von Forschern in Europa auf einer US-Plattform lernt, KI-gestützte Wissenschaft zu machen, ist das ein struktureller Vorteil für OpenAI, den Regulierung im Nachhinein kaum ausgleichen kann.
Der verschlüsselte Schweizer Messenger Threema kommt ohne Handynummer aus.
Anna: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen du heute konkret etwas anfangen kannst. Als Erstes: Threema, ein kostenpflichtiger Messenger aus der Schweiz, der sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine feste Nutzerbasis als ernsthafte WhatsApp-Alternative aufgebaut hat. Das Besondere: Für die Anmeldung braucht man weder Telefonnummer noch E-Mail-Adresse. Stattdessen bekommt man eine zufällig erzeugte Threema-ID, und die ist die eigene Identität in der App.
Klaus: Alle Chats, Anrufe und Dateien sind Ende-zu-Ende verschlüsselt, die Server stehen in der Schweiz und unterliegen dem dortigen Datenschutzrecht. Threema ist nicht kostenlos, es kostet einmalig ein paar Euro. Die Entwickler argumentieren, dass genau das der Punkt ist: Wer nichts bezahlt, ist meist selbst das Produkt. Threemas Geschäftsmodell hängt bewusst nicht davon ab, etwas über die Nutzerinnen und Nutzer zu wissen. Metadaten werden weitgehend vermieden, selbst dass zwei Personen miteinander schreiben, wird laut Anbieter nicht dauerhaft gespeichert.
Anna: Die App gibt es für iPhone und Android, dazu eine Desktop-Version für den Laptop. Einrichtung dauert etwa fünf Minuten. Es gibt eine separate Threema-Work-Version, die Behörden, Ministerien und Firmen im DACH-Raum bereits einsetzen, unter anderem Teile der Schweizer Armee und mehrere deutsche Landesverwaltungen, die sensible Kommunikation ausdrücklich nicht über US-Dienste laufen lassen wollten. In Reviews wird gelobt, dass die App schlank bleibt und keine Werbe- oder Tracking-Bausteine mitschleppt.
Klaus: Der offensichtliche Nachteil ist derselbe wie bei jeder Messenger-Alternative: Man muss die Menschen, mit denen man reden will, überzeugen, ebenfalls Threema zu installieren. Aber wer sensible Gespräche führt, sei es beruflich, journalistisch oder privat, bekommt hier ein Werkzeug, das aus dem europäischen Rechtsraum kommt und dessen Geschäftsmodell nicht auf Datenauswertung basiert.
Das kostenlose Open-Source-Werkzeug Hugin baut aus Einzelaufnahmen echte Panoramen.
Anna: Der zweite Fund für heute ist Hugin. Ein kostenloses Open-Source-Programm, das eine Serie überlappender Fotos zu einem einzigen Panoramabild zusammensetzt. Wer im Urlaub schon einmal versucht hat, eine weite Landschaft einzufangen, und am Ende drei oder vier Bilder hatte, die nicht sauber aneinanderpassen, findet in Hugin genau das Werkzeug, das diese Aufnahmen ordentlich verbindet.
Klaus: Es läuft auf Windows, Mac und Linux und wird seit über fünfzehn Jahren von einer freiwilligen Community weiterentwickelt. Interessant ist, wie viel Kontrolle Hugin bietet. Der Automatikmodus erledigt ein einfaches Panorama in wenigen Klicks. Wenn es schwieriger wird, mit kniffligem Licht, bewegten Objekten oder wenn man eine komplette 360-Grad-Rundumsicht bauen möchte, geben die manuellen Regler wirklich viel Spielraum. Fotobegeisterte nutzen die Software für alles von Hochzeitsalben bis zu architektonischer Dokumentation.
Anna: In Kritiken wird oft angemerkt, dass die Bedienoberfläche etwas altbacken wirkt. Das stimmt, aber sobald man die ersten Menüs hinter sich hat, sprechen die Ergebnisse für sich. Entscheidend ist: Alles läuft auf dem eigenen Rechner. Die Fotos landen nirgends in einer Cloud, was gerade dann wichtig ist, wenn Bilder vom Zuhause, von Kindern oder von Orten dabei sind, die man lieber nicht auf einer amerikanischen Plattform ablegen möchte. Ein gutes Beispiel für ruhige, ausgereifte Open-Source-Software, die Jahr für Jahr funktioniert, ohne Abo, ohne Konto. Herunterladen von der Projektseite, Ordner mit Fotos wählen, und der Nachmittag ist gerettet.
Klaus: Und die App ist gerade für den DACH-Raum praktisch, weil viele Wander- und Bergpanoramen sich mit einem Smartphone gar nicht in einem Bild einfangen lassen. Ob Zugspitze, Großglockner oder Matterhorn: Ein paar überlappende Aufnahmen und Hugin, und man hat sein eigenes Weitwinkelbild ohne Spezialobjektiv.
Anna: Heute ging es um 874 Millionen Dollar aus Washington für die KI-Chipforschung, den ersten Sprung der weltweiten KI-Patente über die Hunderttausender-Marke, SUSS MicroTec und sein neues Karlsruher Zentrum für Chipverpackung, OpenAIs kostenlosen Zugang zu Spitzenmodellen für hunderttausend Forscher, den Schweizer Messenger Threema ohne Handynummer und das freie Panorama-Werkzeug Hugin für Urlaubsfotos.
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Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.