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Montag, 27. Juli 2026 · 12:42

Südkoreas 950-Mrd-KI-Deal mit Nvidia, Qualcomm erhöht Preise, Kimi K3 schlägt OpenAI

The State of Tech DE vom Montag, 27. Juli 2026: Südkorea schnürt ein KI-Paket über 950 Milliarden Dollar – mit einem 500-Milliarden-Deal zwischen Nvidia und SK Hynix im Zentrum. Außerdem: Qualcomm kündigt zweistellige Preiserhöhungen für Smartphone-Chips ab September an, Chinas Moonshot AI veröffentlicht das Open-Source-Modell Kimi K3 und schlägt damit führende US-Modelle in Benchmarks, Meta, Microsoft, Apple und Amazon stellen ihre KI-Milliarden in der Bilanzwoche auf den Prüfstand, und zum Ausprobieren: die freie Schreib-App Bibisco und der europäische Kartendienst Qwant Maps.

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Transkript

Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Montag, der siebenundzwanzigste Juli 2026. Ich bin Anna Hoffmann.

Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute geht es um ein gigantisches KI-Investitionspaket aus Südkorea mit Nvidia und ess-kah Hynix im Zentrum, um deutlich steigende Preise für Smartphone-Chips von Qualcomm, um ein neues chinesisches Open-Source-Modell namens Kimi K3, das die Konkurrenz aus den USA angreift, um die anstehende Bilanzwoche der US-Tech-Giganten und die Frage, wann sich die KI-Milliarden auszahlen. Und zum Abschluss zwei Sachen zum Ausprobieren: die freie Schreib-App Bibisco für alle, die einen Roman schreiben wollen, und Qwant Maps als europäische Alternative zu Google Maps. Fangen wir an.

Südkorea schnürt ein KI-Paket über 950 Milliarden Dollar, mit einem 500-Milliarden-Deal zwischen Nvidia und ess-kah Hynix im Zentrum.

Anna: Wir starten in San Francisco, wo sich Südkorea gerade unübersehbar im globalen KI-Rennen positioniert hat. Präsident Lee Jae Myung hat ein Bündel an KI-Initiativen im Umfang von 950 Milliarden Dollar angekündigt. Kernstück ist eine Partnerschaft zwischen Nvidia und ess-kah Hynix im Wert von 500 Milliarden Dollar. Ziel ist es, die Versorgung mit sogenanntem High-Bandwidth-Memory zu sichern, also den Spezialspeichern, die die KI-Chips schnell genug mit Daten füttern, damit sie überhaupt ausgelastet arbeiten können. Ohne diesen Speicher steht selbst die teuerste KI-Hardware still.

Klaus: Und die Dimensionen sind wirklich beeindruckend. Als Teil des Deals will ess-kah Telecom bis 2027 ein Rechenzentrum mit zwei Gigawatt Leistung bauen, ausgestattet mit Nvidias nächster Chipgeneration und dem neuesten Speicher von ess-kah Hynix. Zwei Gigawatt, das entspricht ungefähr der Leistung von zwei großen Kernreaktoren, für einen einzigen KI-Campus. Das zeigt, wo die Branche den Engpass sieht: nicht bei der Software, nicht einmal bei den Chips selbst, sondern beim Strom, bei der Kühlung und beim Speicher.

Anna: Strategisch spannend ist, dass Südkorea sich damit als Speicher-Nadelöhr der KI-Wirtschaft festschreibt. ess-kah Hynix und Samsung dominieren die Produktion dieser Hochleistungsspeicher ohnehin, und Seoul formalisiert diese Marktmacht jetzt über direkte, staatlich gestützte Partnerschaften mit US-Chipdesignern. Für die DACH-Region hat das zwei Folgen. Erstens bekommen europäische Unternehmen, die selbst KI-Infrastruktur aufbauen wollen, es künftig mit einer koreanisch-amerikanischen Allianz zu tun, die die entscheidenden Bauteile vorher wegkauft. Zweitens erhöht das den Druck auf Berlin, Wien und Bern, klar zu sagen, ob Europa in dieser Liga wirklich mitspielen will oder sich mit einer Zulieferer-Rolle abfindet.

Klaus: Deutsche Halbleiter-Standorte wie Dresden oder das Umfeld von Infineon in München profitieren zwar vom EU Chips Act, aber die Größenordnung ist eine andere. Der gesamte EU Chips Act summiert sich auf rund 43 Milliarden Euro; hier sprechen wir allein bei einem einzigen bilateralen Deal über mehr als das Zehnfache. Industrieverbände wie der ZVEI weisen seit Monaten darauf hin, dass Europa ohne eigene Speicherfertigung strukturell abhängig bleibt. Der Deal in San Francisco macht diese Debatte konkreter.

Qualcomm kündigt zweistellige Preiserhöhungen für Smartphone-Chips ab dem ersten September an.

Anna: Weiter geht's mit einer Nachricht, die praktisch jedes Handy in der DACH-Region betreffen wird. Qualcomm, der größte Lieferant von Smartphone-Prozessoren außerhalb von Apple, hat seinen Kunden am Freitag mitgeteilt: Ab dem ersten September steigen die Preise um einen zweistelligen Prozentsatz. Das Unternehmen begründet das damit, dass es die gestiegenen Kosten seiner eigenen Zulieferer nicht mehr auffangen kann. Versuche, günstigere Alternativen zu finden, sind offenbar gescheitert.

Klaus: Und das ist keine technische Randnotiz. Qualcomm-Chips stecken in einem großen Teil der Android-Handys, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz verkauft werden, von der Samsung-Mittelklasse bis zu Xiaomi, Oppo und Motorola. Wenn Qualcomm um zehn Prozent oder mehr aufschlägt, haben die Handyhersteller drei Möglichkeiten: die Kosten selbst schlucken und Marge verlieren, sie an die Kunden weitergeben, oder im nächsten Modell einen schwächeren Chip einbauen. In der Praxis wird alles drei passieren, und am Ende zahlen die Kundinnen und Kunden meistens mehr für dieselbe Geräteklasse.

Anna: Auch der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Im September werden die Komponenten für die wichtigen Herbst- und Weihnachtsmodelle bestellt. Die Handys also, die auf den großen Messen Anfang nächsten Jahres vorgestellt werden und die auch Anbieter wie die Deutsche Telekom, Vodafone oder A1 in Österreich groß bewerben, werden gerade jetzt mit diesen höheren Chipkosten kalkuliert. Analysten rechnen bei Android-Flaggschiffen mit Aufschlägen von fünfzig bis hundert Euro, in der Mittelklasse mit zwanzig bis vierzig Euro.

Klaus: Für DACH-Konsumenten heißt das konkret: Der Abstand zu refurbished und gebrauchten Geräten wird größer, und dieser Markt wächst ohnehin schon. Anbieter wie Refurbed aus Wien oder Rebuy in Berlin dürften davon profitieren. Und die Debatte um Reparaturfähigkeit und längere Softwareunterstützung bekommt neuen Rückenwind, gerade in einem Umfeld, in dem die EU mit dem Recht auf Reparatur ohnehin schon Druck macht.

Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.

Chinas Moonshot AI stellt Kimi K3 als Open-Source-Modell bereit und schlägt in Benchmarks Anthropic und OpenAI.

Klaus: Das chinesische Startup Moonshot AI hat heute sein neues Modell Kimi K3 vollständig quelloffen veröffentlicht. Jeder kann es herunterladen, prüfen und anpassen. Laut den mitgelieferten Benchmark-Tests übertrifft Kimi K3 führende geschlossene Modelle von Anthropic und OpenAI, besonders bei Programmieraufgaben. Auf der LLM-Arena-Rangliste für den Bau von Web-Oberflächen steht es aktuell auf Platz eins. Mit 2,8 Billionen Parametern ist es das größte offene Modell der Welt.

Anna: Der strategische Kontext ist entscheidend. Die USA haben in den letzten zwei Jahren die Exportregeln für KI-Chips immer weiter verschärft, um die chinesische KI-Entwicklung zu bremsen. Die Idee war: ohne Nvidias Top-Beschleuniger fallen die chinesischen Labore zurück. Passiert ist das Gegenteil. Gruppen wie Moonshot, DeepSeek und Alibaba haben auf Effizienz gesetzt und geben ihre Modelle einfach frei her. Die Botschaft ist klar: Wenn wir bei der Hardware nicht mithalten können, dann teilen wir eben mehr Software.

Klaus: Für DACH-Unternehmen und Forschungseinrichtungen ist das tatsächlich nützlich. Ein offenes Modell dieser Qualität bedeutet, dass ernsthafte KI-Arbeit auf eigenen Servern in europäischen Rechenzentren möglich ist, ohne pro Anfrage an einen amerikanischen Anbieter zu zahlen und ohne sensible Daten über den Atlantik zu schicken. Für Universitäten, Kliniken, Behörden und den Mittelstand, der sich Enterprise-Verträge mit den Hyperscalern nicht leisten kann oder will, ändert sich damit die Rechnung.

Anna: Gleichzeitig wirft das Fragen für die Aufsicht auf. Der AI Act der EU macht bei Modellen ab einer bestimmten Größe strenge Auflagen. Ein 2,8-Billionen-Parameter-Modell aus China, das jeder herunterladen kann, passt nicht sauber in die Kategorien, die für einzelne Anbieter mit Firmensitz gedacht sind. Datenschutzbehörden wie der BfDI in Bonn oder die österreichische Datenschutzbehörde dürften genau beobachten, wie das Modell in DACH-Unternehmen eingesetzt wird, gerade wenn Trainingsdaten oder Sicherheitsaudits fehlen.

Bilanzwoche bei Meta, Microsoft, Apple und Amazon stellt die riesigen KI-Ausgaben auf den Prüfstand.

Klaus: Diese Woche legen Meta, Microsoft, Apple und Amazon ihre Quartalszahlen vor, und die dominierende Frage in jeder Analystenkonferenz wird dieselbe sein: Wann rechnen sich die gigantischen Investitionen in KI-Infrastruktur eigentlich? Die jüngsten Zahlen von Alphabet haben schon gezeigt, dass die hohen Investitionsausgaben stark auf den freien Cashflow drücken. Die kombinierten KI-Ausgaben der großen US-Tech-Konzerne liegen inzwischen bei mehreren hundert Milliarden Dollar pro Jahr, und die zugehörigen Erlöse sind zwar wachsend, aber immer noch nur ein Bruchteil davon.

Anna: Der Konflikt ist klar. Die Konzernchefs argumentieren, das sei ein Landgrab, wie es ihn nur einmal pro Generation gebe: Wer jetzt die größte KI-Infrastruktur aufbaue, gewinne das kommende Jahrzehnt. Aktionäre stellen dagegen unangenehme Fragen zu Amortisationszeiten, zu Abschreibungen auf Hardware, die in drei Jahren veraltet ist, und dazu, ob die Margen im KI-Servicegeschäft die Ausgaben jemals rechtfertigen können. Als Alphabet seine Zahlen vorgelegt hat, reagierte der Kurs genau deshalb sprunghaft.

Klaus: Für die DACH-Region ist diese Bilanzwoche eine Art Gesundheitscheck für die gesamte KI-Wirtschaft. Große deutsche Pensionsfonds, Versicherer wie Allianz und Munich Re und die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen halten spürbare Anteile an diesen amerikanischen Riesen, die Ergebnisse betreffen also direkt die Vorsorge vieler Menschen. Und deutsche wie österreichische Unternehmen, die große Cloud-Verträge mit Azure, AWS oder Google Cloud abgeschlossen haben, werden genau hinschauen, ob die Preise steigen.

Anna: Für Konzerne wie SAP, Siemens oder die Deutsche Bank, die tief in Microsoft-Copilot- oder Azure-KI-Ökosysteme investiert haben, hängt viel davon ab, wie die Hyperscaler ihre Kosten weitergeben. Wenn Microsoft und Amazon anfangen, die KI-Preise auf breiter Front zu erhöhen, um ihre Margen zu retten, dürften auch die IT-Budgets in Frankfurt, Wien und Zürich unter Druck geraten. Analysten von großen Häusern wie Morgan Stanley und Goldman Sachs haben in den letzten Wochen bereits darauf hingewiesen, dass die Zeit der günstigen Cloud-Rechnung möglicherweise zu Ende geht.

Bibisco ist die kostenlose Open-Source-Schreib-App für alle, die einen Roman planen und wirklich zu Ende bringen wollen.

Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen zum Ausprobieren. Zuerst etwas für alle, die schon mal daran gedacht haben, ein Buch zu schreiben, oder mittendrin feststecken: Bibisco. Das ist eine kostenlose Open-Source-Schreib-App, die speziell für Romanautorinnen und Langtext-Erzähler gebaut ist. Anders als ein normales Textprogramm ist Bibisco genau um die Dinge herum organisiert, mit denen Belletristik-Schreibende wirklich kämpfen: Figuren, Kapitel, Zeitachsen, Orte und wie das alles zusammenhängt.

Anna: Herzstück ist die Figurenwerkstatt. Nutzer können für jede Figur ausführliche Profile anlegen, mit Hintergrund, Persönlichkeit, Aussehen und Beziehungen, und Bibisco zeigt dann, in welchen Kapiteln die Figur auftaucht. Taucht die Hauptfigur fünfzig Seiten lang nicht auf, weist die App darauf hin. Es gibt außerdem eine Mind-Map-Ansicht, in der sich die Verflechtung mehrerer Handlungsstränge visuell nachvollziehen lässt. Das ist gerade dann hilfreich, wenn man mit mehreren Erzählsträngen jongliert und leicht den Überblick verliert, wer eigentlich was weiß.

Klaus: Bibisco läuft in einer freien Community-Edition auf Windows, macOS und Linux, und alles wird lokal auf dem eigenen Rechner gespeichert, das unfertige Manuskript liegt also nicht auf einem fremden Server. Nutzer loben immer wieder, wie ruhig die Oberfläche im Vergleich zu überladenen Textverarbeitungen wirkt. Es gibt zusätzlich eine kostenpflichtige Version mit Cloud-Synchronisation, aber die freie Variante reicht wirklich aus, um ein ganzes Buch zu schreiben. Die App ist auf Deutsch verfügbar, ebenso auf Französisch, Italienisch, Spanisch und Niederländisch. Die Einstiegshürde ist praktisch bei null.

Qwant Maps ist der freie europäische Kartendienst mit Navigation ohne Nutzertracking.

Anna: Und als Zweites eine wirklich europäische Alternative zu Google Maps, die still und leise gereift ist: Qwant Maps. Das ist ein kostenloser Kartendienst der französischen Suchmaschine Qwant, der genau das bietet, was die meisten wirklich brauchen: Adresssuche, Sehenswürdigkeiten und Wegbeschreibungen zu Fuß, mit dem Rad, dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln in europäischen Städten.

Klaus: Der Anspruch ist einfach. Qwant Maps baut kein Profil davon auf, wohin man geht, wonach man gesucht oder welches Restaurant man sich letzten Dienstag angeschaut hat. Der Dienst läuft auf europäischen Servern und unter europäischem Datenschutzrecht. Die Kartendaten kommen von OpenStreetMap, dem offenen Gemeinschaftsprojekt, das bei Wanderwegen, Radrouten und Nahverkehrshaltestellen in DACH-Regionen oft überraschend detailliert ist, gerade dort, wo Google gelegentlich Lücken hat.

Anna: Qwant Maps funktioniert direkt im Browser, auf dem Desktop oder auf dem Handy, ganz ohne Installation und ohne Konto. Website öffnen, suchen, fertig. Für Ausflüge, Urlaub oder eine Route durch eine europäische Stadt, die man nicht kennt, ist das völlig ausreichend. In Tests wird zwar erwähnt, dass Qwant Maps bei Live-Verkehr oder Öffnungszeiten nicht ganz an Google Maps herankommt, aber für den Alltagsgebrauch reicht es locker, und der Standortverlauf bleibt außerhalb der Werbewirtschaft. Ein kleiner Vorschlag für diese Woche: einfach beim nächsten Adress-Check Qwant Maps öffnen statt der Standard-App. Funktioniert es, prima. Wenn nicht, kostet der Versuch nichts.

Klaus: Heute ging es um Südkoreas 950-Milliarden-Dollar-KI-Paket mit Nvidia und ess-kah Hynix, um zweistellige Preiserhöhungen bei Qualcomms Smartphone-Chips ab September, um Chinas neues Open-Source-Modell Kimi K3 von Moonshot AI, um die Bilanzwoche der US-Tech-Giganten und die Frage nach dem KI-Return, um die freie Schreib-App Bibisco für Romanprojekte und um den europäischen Kartendienst Qwant Maps als Alternative zu Google Maps.

Anna: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.

Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.