Sonntag, 26. Juli 2026 · 11:24
Pknergy zeigt Batterie-Innovation, 500 Mrd. für KI-Rechenzentren in Korea
The State of Tech DE vom Sonntag, 26. Juli 2026: Auf der Canton Fair präsentiert der chinesische Hersteller Pknergy neue Lithium-Polymer-Zellen für Wearables und Medizintechnik – ein Schaufenster für Europas Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern. Außerdem: Südkorea und Nvidia bündeln über 500 Milliarden Dollar für ein gigantisches KI-Rechenzentrum, Bangladesch positioniert sich als neuer Halbleiter-Standort, Google startet KI-Suche in Frankreich als Vorbote für den DACH-Rollout, und zwei Tools zum Ausprobieren: der Passwortmanager Proton Pass und der Browser-Fotoeditor Photopea.
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Transkript
Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Sonntag, der sechsundzwanzigste Juli 2026. Ich bin Anna Hoffmann.
Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute geht es um chinesische Batterie-Innovationen auf der Canton Fair, um eine halbe Billion Dollar für koreanische KI-Rechenzentren, um Bangladesch als neuen Halbleiter-Player, um Googles KI-Suche in Frankreich, und zum Schluss zwei Sachen zum Ausprobieren: den freien Passwortmanager KeePassXC-Browser als frische Ergänzung, und ein cleveres Foto-Werkzeug. Fangen wir an.
Chinesischer Batteriehersteller Pknergy zeigt auf der Canton Fair neue Lithium-Polymer-Zellen für Wearables und Medizintechnik.
Anna: Auf der einhundertneununddreißigsten Canton Fair in Guangzhou hat der chinesische Hersteller Pknergy, ein Tochterunternehmen der PKCELL-Gruppe aus Shenzhen, seine neuesten Lithium-Polymer-Zellen vorgestellt. Der Fokus liegt auf besonders flachen und leichten Batterien, wie sie in tragbaren Geräten, medizinischen Sensoren und drahtlosen Ohrhörern stecken. Die Canton Fair ist die größte Handelsmesse Chinas und traditionell ein Schaufenster für alles, was in den nächsten Monaten global in Konsum- und Industrieprodukte eingebaut wird.
Klaus: Der Punkt bei Lithium-Polymer-Zellen ist, dass sie sich anders formen lassen als klassische zylindrische Akkus. Damit ein Fitness-Armband dünn bleibt oder ein Hörgerät winzig, brauchen Hersteller Zellen, die sich der Gehäuseform anpassen. Pknergy positioniert sich als Zulieferer für genau dieses Segment, mit angeblich höherer Energiedichte und längerer Zyklenzahl als in der Vorgängergeneration. Konkrete Zahlen zur Kapazität pro Gramm nennt das Unternehmen laut den Messeunterlagen zurückhaltend, aber die Richtung ist klar: kleiner, leichter, langlebiger.
Anna: Der breitere Kontext ist die europäische Debatte über Batterie-Autonomie. Die EU pumpt seit Jahren Geld in eigene Zellfabriken, von Nordschweden bis Brandenburg. Bei den flachen Polymer-Zellen für Kleinelektronik dominieren aber weiterhin asiatische Hersteller, und die Canton Fair zeigt, wie eng dieser Markt getaktet ist. Wer in Europa ein Wearable auf den Markt bringt, kommt an Zulieferern wie Pknergy praktisch nicht vorbei.
Klaus: Für DACH bedeutet das zwei Dinge. Erstens: Deutsche Medizintechnik-Hersteller aus dem Ruhrgebiet oder aus Tuttlingen, die kleine Geräte bauen, sind auf diese Lieferkette angewiesen. Zweitens: Der Druck, europäische Alternativen aufzubauen, steigt weiter, gerade nach den letzten Handelsspannungen. Solange es diese Alternativen im Kleinformat aber nicht in Serie gibt, sind Messen wie die Canton Fair pflichttermine für die Einkaufsabteilungen.
Südkorea und Nvidia bündeln über fünfhundert Milliarden Dollar für ein gigantisches KI-Rechenzentrums-Programm.
Anna: In San Francisco hat Südkoreas Präsident Lee Jae Myung einen KI-Gipfel ausgerichtet, bei dem Nvidia, OpenAI, Anthropic und Broadcom mit koreanischen Konzernvertretern zusammensaßen. Am Rande kündigten Nvidia und die SK Group ein KI-Programm im Umfang von mehr als fünfhundert Milliarden Dollar an. Ein zentrales Element: SK Telecom baut ein zwei Gigawatt großes Rechenzentrum, das mit Nvidias nächster Chip-Generation namens Vera Rubin und mit den Hochbandbreitenspeichern der Schwesterfirma SK Hynix bestückt wird. Betriebsstart soll 2027 sein.
Klaus: Zwei Gigawatt Anschlussleistung ist eine Zahl, die man sich kurz auf der Zunge zergehen lassen muss. Das entspricht etwa der Leistung von zwei Atomkraftwerksblöcken, nur für ein einzelnes Rechenzentrum. Damit rückt Südkorea in dieselbe Liga wie die großen US-Cluster in Texas und Arizona. Und es zeigt: KI-Infrastruktur ist inzwischen genauso sehr eine Energie- und Standortfrage wie eine Chipfrage.
Anna: Interessant ist die geopolitische Choreografie dahinter. Der koreanische Präsident bringt seine Konzernchefs persönlich mit an einen Tisch mit den führenden US-KI-Firmen. Das ist Industriepolitik im klassischen ostasiatischen Stil, gekoppelt an amerikanische Technologie. Für Nvidia bedeutet die Zusage einen langfristigen Großabnehmer, für SK Hynix zementiert es die Rolle als Speicherpartner für KI-Chips.
Klaus: Und für den DACH-Raum? In Deutschland läuft die Diskussion, ob Standorte wie Frankfurt, München oder das Rheinland ähnliche KI-Cluster überhaupt tragen könnten. Netzanschlüsse und Genehmigungsverfahren gelten als Flaschenhals. Industrieverbände weisen darauf hin, dass ein zwei Gigawatt-Standort in Deutschland derzeit nicht kurzfristig realisierbar wäre. Die Ankündigung aus Seoul erhöht damit indirekt den politischen Druck in Berlin.
Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.
Bangladesch erklärt Halbleiter zum nächsten großen Wirtschaftsmotor nach Textilien.
Klaus: Bangladeschs Premierminister Tarique Rahman hat die Halbleiterindustrie zum nächsten großen Wirtschaftsmotor des Landes erklärt, nach dem lange dominierenden Sektor der Fertigkleidung. Auf der Eröffnung des National Semiconductor Symposiums und des sogenannten BEAR-Gipfels für Elektronik, KI und Robotik kündigte er die Streichung von Zöllen und Steuern auf Rohmaterialien für die Chipfertigung an. Zusätzlich gibt es Bargeldanreize für Unternehmen, die mit Chipdesign-Dienstleistungen Devisen ins Land holen.
Anna: Bangladesch geht damit einen ähnlichen Weg wie Vietnam oder Malaysia, die in den letzten Jahren ebenfalls versucht haben, sich als Chip-Standort zu positionieren, meistens für das sogenannte Back-End, also das Verpacken und Testen fertiger Chips. Rahman verweist auf einen globalen Halbleitermarkt, der 2026 fast eine Billion Dollar erreichen dürfte. Der Anteil, den Bangladesch daraus abgreifen will, ist bescheiden, aber symbolisch: das Land will bis 2030 messbare Exportzahlen im Chipsektor vorweisen.
Klaus: Die Regierung setzt auf ein Dreieck aus Staat, Universitäten und Industrie, mit ausdrücklichem Fokus auf Chipdesign. Das ist bemerkenswert, denn Chipdesign ist der wertschöpfungsstärkste Teil der Kette, direkt nach der Fertigung selbst. Ob genügend Ingenieurinnen und Ingenieure verfügbar sind, ist die offene Frage. Vergleichbare Programme in Indien haben gezeigt, dass die Talentaufbau-Kurve Jahre dauert.
Anna: Für DACH ist das relevant, weil europäische Chipdesign-Häuser wie Infineon aus München oder Bosch aus Reutlingen zunehmend nach zusätzlichen Standorten für Backoffice-Design und Verifikation suchen. Bangladesch positioniert sich hier als kostengünstige Alternative zu Indien. Deutsche Investoren beobachten diese Entwicklung, auch weil die Lieferketten robuster werden sollen, wenn mehr Länder Teile davon abdecken.
Google startet KI-Übersichten und KI-Modus in Frankreich, Europa wird zum Testfall für generative Suche.
Klaus: Seit dem zweiundzwanzigsten Juli rollt Google in Frankreich seine sogenannten KI-Übersichten und einen dedizierten KI-Modus aus. Statt einer klassischen Liste von Links bekommen französische Nutzer nun oben auf der Ergebnisseite eine KI-generierte Zusammenfassung, dazu die Möglichkeit, Folgefragen zu stellen, Bilder und PDFs zu analysieren oder die Smartphone-Kamera für Echtzeit-Antworten zu nutzen. Diese Funktionen waren bereits in mehr als zweihundert Ländern verfügbar, Frankreich zog jetzt nach.
Anna: Der Rollout in Frankreich ist besonders interessant, weil dort die Verlegerbranche seit Jahren juristisch mit Google um Vergütung für Snippets ringt. Wenn Googles KI ganze Antworten direkt in die Ergebnisseite zieht, verlieren Verlage potenziell Klicks. Französische Verlegerverbände haben bereits Bedenken angemeldet. Google argumentiert, die KI-Übersichten führten zu qualifizierteren Weiterleitungen, aber Messungen unabhängiger Analysehäuser zeichnen ein gemischtes Bild.
Klaus: Für den DACH-Raum ist das ein Blick in die nahe Zukunft. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Deutschland, Österreich und die Schweiz in den kommenden Monaten den gleichen Rollout bekommen. Der Digitalverband Bitkom hat mehrfach darauf hingewiesen, dass gerade kleine deutsche Fachpublikationen davon betroffen sein könnten, weil Nutzer den Umweg über den Klick auf die Ursprungsseite sparen.
Anna: Für die tägliche Praxis heißt das: Wer sich informiert, bekommt schneller eine Antwort, verliert aber unter Umständen den Kontext dahinter. Und wer als Website-Betreiber vom Suchtraffic lebt, sollte spätestens jetzt anfangen, seine Reichweiten-Strategie neu zu denken, weg von reinen Suchmaschinen-Klicks, hin zu Newslettern, Apps oder Communitys.
Der freie Passwortmanager Proton Pass bringt Passkey-Verwaltung geräteübergreifend und ohne Konzernbindung.
Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen ihr heute konkret etwas anfangen könnt. Zuerst: Proton Pass. Der Schweizer Anbieter Proton, bekannt für seinen verschlüsselten Mail-Dienst, hat seinen Passwortmanager Proton Pass mit einer erweiterten Passkey-Unterstützung ausgestattet, die inzwischen auf allen großen Plattformen sauber funktioniert, also Windows, macOS, Linux, iOS und Android. Passkeys sind die passwortlose Alternative, mit der man sich per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung anmeldet.
Anna: Der Clou an Proton Pass ist, dass die Passkeys nicht in einem Apple- oder Google-Ökosystem gefangen bleiben. Wer heute einen Passkey in iCloud speichert, kommt vom Android-Gerät aus schwer dran. Proton Pass synchronisiert die Anmeldedaten geräteübergreifend, Ende-zu-Ende verschlüsselt, und die Server stehen in der Schweiz. Es gibt eine kostenlose Basisversion mit begrenzter Zahl an Einträgen und eine Bezahlvariante für ein paar Euro im Monat. Auf ProtonPass.com kann man das direkt einrichten.
Klaus: In Nutzer-Reviews wird gelobt, dass die Einrichtung unter zehn Minuten dauert und der Import aus anderen Passwortmanagern per CSV-Datei problemlos läuft. Für DACH-Nutzer ist besonders interessant, dass Proton der Schweizer Rechtsordnung unterliegt und damit außerhalb amerikanischer Zugriffsregeln steht. Das macht Proton Pass zu einer echten Alternative für alle, die ihre Zugangsdaten nicht bei US-Anbietern lagern wollen.
Anna: Praktischer Tipp beim Umstieg: Erst die wichtigsten zehn Accounts migrieren, also E-Mail, Bank, Behörden, Cloud-Speicher. Dann Schritt für Schritt den Rest. Nach zwei Wochen ist der Umzug in der Regel durch, und die alte Passwortverwaltung kann in Rente gehen.
Der freie Foto-Editor Photopea läuft komplett im Browser und ersetzt Photoshop für Gelegenheitsnutzer.
Klaus: Und die zweite Sache zum Ausprobieren ist Photopea. Das ist ein Foto- und Grafik-Editor, der komplett im Browser läuft, ohne Installation, ohne Anmeldung, kostenlos in der Basisversion. Man ruft photopea.com auf, zieht ein Bild rein und arbeitet mit einer Oberfläche, die verdächtig nach Photoshop aussieht. Photopea versteht sogar Photoshop-Dateien im PSD-Format inklusive Ebenen.
Anna: Photopea wird von einem einzelnen Entwickler aus Prag betreut und finanziert sich über Werbung am rechten Bildschirmrand. Wer die Werbung stört, zahlt fünf Dollar im Monat und ist sie los. Das Tool ist ideal für alle, die gelegentlich einen Hintergrund freistellen, eine Bildgröße anpassen oder eine Grafik für die Präsentation bauen müssen, aber kein Adobe-Abo unterhalten wollen.
Klaus: Reviews aus der Kreativszene loben, dass die Ladezeiten selbst bei großen Dateien überraschend schnell sind und dass Tastenkombinationen aus Photoshop weitgehend funktionieren. Das senkt die Einstiegshürde spürbar. Für Schulen und Vereine, die keine Software-Lizenzen kaufen wollen, ist Photopea eine besonders praktische Wahl, weil es auf jedem Chromebook, jedem alten Laptop und sogar auf dem Tablet läuft.
Anna: Ein kleiner Hinweis noch: Da Photopea im Browser läuft, verlassen die Bilder standardmäßig nicht den eigenen Rechner. Die Verarbeitung passiert lokal im Browser-Speicher. Wer sensible Fotos bearbeitet, etwa Personalausweise oder medizinische Aufnahmen, sollte trotzdem prüfen, ob eine Offline-Alternative wie GIMP nicht besser passt. Für Alltagsaufgaben ist Photopea aber überraschend leistungsfähig.
Anna: Heute ging es um chinesische Batterie-Innovationen von Pknergy auf der Canton Fair, um die halbe Billion Dollar von Nvidia und SK Group für koreanische KI-Rechenzentren, um Bangladesch als aufstrebenden Halbleiter-Standort, um Googles KI-Suche in Frankreich als Vorbote für DACH, und zum Abschluss zwei Sachen zum Ausprobieren: den Schweizer Passwortmanager Proton Pass und den kostenlosen Browser-Foto-Editor Photopea.
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Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.