Samstag, 25. Juli 2026 · 13:28
Mira Muratis KI-Modell mit 975 Mrd. Parametern, Airbus verlässt Amazon Cloud
The State of Tech DE vom Samstag, 25. Juli 2026: Mira Muratis Startup Thinking Machines veröffentlicht Inkling, ein offenes KI-Modell mit fast einer Billion Parametern – ein Paukenschlag für digitale Souveränität. Außerdem: Airbus zieht 900 kritische Anwendungen aus Amazons Cloud zu einem französischen Anbieter, Südkorea besiegelt historische Speicherchip-Deals in San Francisco, Taiwan setzt seine Robotik bewusst auf Gesundheit und Fabrik statt Militär, und als Tools zum Ausprobieren: das kostenlose Aufnahme-Studio OBS Studio und die Reise-App PolarSteps.
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Transkript
Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Samstag, der fünfundzwanzigste Juli 2026. Ich bin Anna Hoffmann.
Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: Mira Muratis neues Startup veröffentlicht ein riesiges offenes KI-Modell mit fast einer Billion Parametern. Airbus holt neunhundert kritische Anwendungen aus Amazons Cloud zurück nach Europa. Südkorea besiegelt in San Francisco historische Speicherchip-Deals mit US-Konzernen. Taiwan lenkt seine Robotik ganz bewusst in Richtung Krankenhaus und Fabrik, nicht Schlachtfeld. Und zum Schluss zwei Sachen zum Ausprobieren: das kostenlose Aufnahme- und Streaming-Studio OBS Studio und die Reise-App PolarSteps. Legen wir los.
Mira Muratis Thinking Machines veröffentlicht Inkling, ein offenes KI-Modell mit fast einer Billion Parametern.
Anna: Die größte Tech-Nachricht des Tages kommt von Thinking Machines. Das ist das KI-Startup von Mira Murati, der früheren Technikchefin von OpenAI. Ihr Team hat gerade ein Modell namens Inkling vorgestellt, und die Zahl, die sofort ins Auge springt, sind neunhundertfünfundsiebzig Milliarden Parameter. Damit gehört Inkling zu den größten offen verfügbaren KI-Modellen, die es aktuell gibt. Und offen heißt hier wirklich offen: jeder kann die Modellgewichte herunterladen, auf eigener Hardware laufen lassen und für eigene Zwecke anpassen. Das ist eine ganz andere Philosophie als bei den geschlossenen Systemen hinter ChatGPT oder Googles Gemini.
Klaus: Und der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Wir stecken mitten in einem KI-Preiskrieg zwischen den großen US-Laboren, und jetzt kommt ausgerechnet eine ehemalige OpenAI-Spitzenkraft und legt ein Modell dieser Größe kostenlos auf den Tisch. Inkling ist über Entwicklerplattformen zugänglich, unter anderem über einen Dienst namens Tinker. Für Unternehmen ändert das die Rechnung grundlegend. Eine europäische Bank, ein Universitätsklinikum, ein Forschungslabor muss sensible Daten nicht mehr zwingend in eine amerikanische Cloud schicken, um Spitzenleistung zu bekommen. Das lässt sich im Prinzip auf eigenen Servern betreiben.
Anna: Und genau da wird der DACH-Winkel spannend. Digitale Souveränität ist inzwischen ein echtes Vorstandsthema, kein Sonntagsredethema mehr. Ein Modell wie Inkling gibt deutschen, österreichischen und schweizerischen Entwicklern eine ernsthafte Alternative zu den geschlossenen US-Systemen, ohne dass sie selbst bei null anfangen müssten. Universitäten in München, Zürich oder Wien, nationale KI-Programme und Mittelständler, die bisher gezögert haben, ihre Daten in eine US-Cloud zu geben, bekommen damit ein Werkzeug, das sie selbst kontrollieren können. Bitkom und andere Verbände weisen seit Monaten darauf hin, dass genau solche offenen Basismodelle die Voraussetzung für eine eigenständige europäische KI-Landschaft sind.
Klaus: Wichtig ist die Einordnung: die Größe allein macht kein Modell besser als die geschlossene Konkurrenz, und die Betriebskosten sind auch bei offenen Modellen erheblich. Ein Modell mit dieser Parameterzahl lokal zu betreiben, verlangt schwere GPU-Cluster. In der Praxis werden viele Unternehmen es also nicht auf dem eigenen Server laufen lassen, sondern bei europäischen Rechenzentrumsanbietern hosten. Aber der strukturelle Punkt bleibt: die Abhängigkeit von einer Handvoll geschlossener US-Systeme ist ein Stück kleiner geworden, und das war bis vor Kurzem noch kaum vorstellbar.
Airbus verlagert neunhundert kritische Anwendungen von Amazon Web Services zu einem französischen Cloud-Anbieter.
Anna: Der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus tut etwas, das vor fünf Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Berichten zufolge zieht Airbus neunhundert seiner geschäftskritischen Anwendungen von Amazon Web Services, dem weltweit größten Cloud-Anbieter, ab und bringt sie zu einem französischen Anbieter. Das ist keine kleine IT-Aufräumarbeit. Es geht um Anwendungen, die den Alltag eines der wichtigsten europäischen Industriekonzerne am Laufen halten. Der Treiber dahinter ist Datensouveränität.
Klaus: Der juristische Kern ist der amerikanische CLOUD Act. Unter bestimmten Bedingungen können US-Behörden von US-Cloud-Anbietern Zugriff auf Daten verlangen, auch wenn die Daten physisch in Europa liegen. Für einen Konzern mit Berührungspunkten zur Verteidigung ist das keine theoretische Sorge, sondern ein Risiko, das im Vorstand landet. Airbus hat offenbar entschieden, dass die Kosten und die Komplexität einer Migration von neunhundert Anwendungen den Preis wert sind, um die Daten unter europäischer Rechtsprechung zu halten. Der Anbieter, um den es geht, ist der französische Hyperscaler OVHcloud, der sich seit Jahren genau für diesen Moment positioniert.
Anna: Und die Bewegung ist längst breiter. In Deutschland drängen mehrere Bundesministerien und Landesbehörden ihre Digitaltöchter, die Abhängigkeit von den drei großen US-Clouds zu reduzieren. In der Schweiz laufen ähnliche Debatten um die Bundesverwaltung, in Österreich um kritische Infrastruktur. Was lange als politisches Wunschdenken abgetan wurde, wird jetzt zu konkreten Beschaffungsentscheidungen bei einigen der größten Unternehmen des Kontinents. Für den Mittelstand im DACH-Raum ist das ein Signal: wenn Airbus diesen Aufwand betreibt, werden Kunden und Aufsichtsbehörden diese Frage auch anderen Unternehmen stellen.
Klaus: Für deutsche und österreichische Anbieter wie IONOS, StackIT oder die Schweizer Exoscale ist das potenziell eine industriepolitische Chance, die sie so schnell nicht wieder bekommen. Gleichzeitig sollte man realistisch bleiben: Airbus wechselt nicht komplett, und die europäischen Anbieter sind bei manchen Diensten technisch noch nicht auf demselben Niveau wie Amazon oder Microsoft. Aber die Richtung stimmt, und der Preis für Souveränität wird zum ersten Mal in Euro und Cent auf einer Vorstandsfolie verrechnet.
Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.
Südkorea besiegelt in San Francisco historische Speicherchip-Deals mit US-Tech-Konzernen.
Klaus: Südkorea macht sehr sichtbar deutlich, dass es die Produktionsplattform für die globale KI werden will. Präsident Lee Jae-myung ist diese Woche in San Francisco, und im Rahmen dieses Besuchs bereiten Samsung Electronics und SK Hynix Vereinbarungen vor, die als historisch bezeichnet werden. Es geht um Lieferverträge für Speicherchips mit den großen US-Tech-Konzernen. Das sind die Deals, die darüber entscheiden, wer die nächste Generation von KI-Systemen bauen kann, und zu welchem Preis.
Anna: Und um zu verstehen, warum das wichtig ist, muss man wissen: moderne KI-Systeme brauchen einen speziellen Speicher, sogenannte High-Bandwidth-Memory-Chips. Samsung und SK Hynix teilen sich diesen Markt fast komplett unter sich auf. Wenn also der südkoreanische Präsident neben Führungskräften amerikanischer Tech-Firmen steht und diese Lieferabkommen absegnet, dann wird damit für Jahre festgezurrt, wer die zentralen Bauteile für die KI-Wirtschaft liefert. Präsident Lee positioniert sein Land dabei nicht nur als Zulieferer, sondern ausdrücklich als globales KI-Testfeld, wie er es nennt.
Klaus: Für Europa ist die Wirkung zwiespältig. Auf der einen Seite kann ein größeres und breiter gestreutes globales Angebot an KI-Speicher die Engpässe lindern, mit denen deutsche und Schweizer Rechenzentren derzeit kämpfen. Der Ausbau von KI-Kapazitäten in Frankfurt, Zürich oder Wien hängt direkt an der Verfügbarkeit dieser Chips. Auf der anderen Seite werden zentrale Lieferverträge jetzt zwischen Seoul und Silicon Valley geschlossen, nicht zwischen Seoul und Europa. Die europäische Chip-Initiative rund um den European Chips Act zielt zwar in dieselbe Richtung, ist aber bei Hochleistungsspeicher weit hinter Südkorea.
Anna: Aus DACH-Sicht heißt das konkret: Firmen wie Infineon, ams-OSRAM oder das Schweizer STMicro-Werk in Genf spielen bei anderen Chipklassen weltweit vorn mit, aber nicht bei diesem Speichertyp. Für die deutsche Politik verschärft die südkoreanische Offensive den Druck, industriepolitisch klarer zu entscheiden, wo Europa wirklich mithalten will. Und für die Nutzer bleibt am Ende die schlichte Frage: wenn Cloudanbieter in Europa jetzt Verträge für Speicher abschließen müssen, die parallel an OpenAI, Google und Anthropic gehen, wird KI-Rechenleistung in Europa vermutlich nicht schneller billiger.
Taiwan lenkt seine Robotik in Richtung Gesundheit und Fabrik, statt Militär.
Klaus: Taiwan trifft eine bemerkenswerte industriepolitische Entscheidung. Wissenschaftsminister Wu Cheng-wen hat erklärt, dass die taiwanische Robotikindustrie ihren Schwerpunkt auf künstliche Intelligenz und gesellschaftliche Bedürfnisse legen wird, nicht auf militärische Anwendungen. Das ist ein deutlicher Kontrast zu dem, was einige andere Länder gerade mit humanoiden Robotern machen, allen voran die USA und China. Taiwan sagt im Grunde: wir bauen Roboter für Krankenhäuser, Werkshallen und die Altenpflege, nicht für das Schlachtfeld.
Anna: Und das ist mehr als eine Wertaussage, das ist eine kühle Marktentscheidung. Taiwan hat mit TSMC die fortschrittlichste Chipfertigung der Welt und eine starke Präzisionsmechanik. Wenn dieses Ökosystem seine Robotik-Zukunft in Pflege, Fertigungsassistenz und Alltagsdienste legt, dann zielt es auf Märkte, die schlicht deutlich größer und stabiler sind als Rüstungsaufträge. Alternde Gesellschaften in Asien und Europa brauchen Assistenzroboter. Fabriken überall brauchen Kollaborationsroboter, die neben Menschen arbeiten. Das ist die Volumenmusik.
Klaus: Und die Verbindung nach Europa ist naheliegend. Die demografischen Kurven in Deutschland, Österreich und der Schweiz sehen ähnlich aus, gerade im Pflegebereich. Es gibt hier eine starke Tradition, KI und Robotik am menschlichen Nutzen auszurichten. Ein taiwanisches Robotik-Ökosystem mit denselben Zielen ist ein sehr natürlicher Partner für Universitätskliniken in Heidelberg, für die Fraunhofer-Institute oder für Werkzeugmaschinenbauer in Baden-Württemberg. Deutsche Firmen wie KUKA in Augsburg oder Franka Robotics in München arbeiten längst in diesem kollaborativen Segment und hätten in taiwanischer Zulieferung einen sehr passenden Partner.
Anna: Ein subtiler Punkt zum Schluss: Taiwan setzt damit auch ein geopolitisches Signal. Während sich das Rennen um humanoide Kampfroboter global zuspitzt, positioniert sich Taipeh bewusst als der Ort, an dem Robotik zivil bleibt. Das ist für europäische Einkäufer, die auf ethische Lieferketten achten müssen, ein Argument, das im nächsten Ausschreibungsverfahren durchaus eine Rolle spielt. Und für die Beschäftigten in der Pflege im DACH-Raum ist die Botschaft: die Werkzeuge, die ihre Arbeit erleichtern sollen, kommen näher, und sie kommen aus Ländern, die ähnlich denken wie hier.
OBS Studio verwandelt jeden Laptop kostenlos in ein vollwertiges Aufnahme- und Streaming-Studio.
Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen zum Ausprobieren, und die erste ist für alle, die schon mal den Bildschirm aufnehmen, live streamen oder eine Videokonferenz vernünftig mitschneiden wollten, ohne für teure Software zu bezahlen. Das Werkzeug heißt OBS Studio. OBS steht für Open Broadcaster Software, es ist komplett kostenlos, quelloffen und läuft auf Windows, Mac und Linux. Das ist die Software, die viele professionelle Streamer und Dozentinnen im Hintergrund benutzen, ohne dass man es merkt.
Anna: Interessant ist, wie flexibel OBS Studio ist. Man kann den ganzen Bildschirm aufzeichnen oder nur ein bestimmtes Programmfenster. Die Webcam lässt sich einblenden, mehrere Audioquellen mischen, zwischen verschiedenen Szenen wechseln und lokal aufnehmen oder direkt zu YouTube oder Twitch streamen. Nutzer berichten oft, dass sie ab dem Moment, in dem sie OBS eingerichtet hatten, aufgehört haben, sich Gedanken über Aufnahme-Technik zu machen, und einfach angefangen haben, Inhalte zu produzieren.
Klaus: Für Lehrkräfte, kleine Unternehmen, Podcaster, die Video ergänzen wollen, oder alle, die im DACH-Raum Online-Kurse aufbauen, ist das ernsthaft leistungsfähige Software, die nichts kostet und Aufnahmen nicht in eine Cloud schickt, außer man will das ausdrücklich. Alles bleibt zunächst auf dem eigenen Rechner, was bei Datenschutzfragen im Schulbetrieb oder in der Weiterbildung ein echtes Argument ist. Herunterladen kann man das Ganze auf obsproject.com, ohne Konto und ohne Anmeldung.
Anna: Ein realistischer Hinweis: die Oberfläche hat viele Knöpfe, und die Lernkurve ist echt. Aber es gibt exzellente kostenlose Anleitungen, die Einsteiger in etwa fünfzehn Minuten zur ersten sauberen Aufnahme führen. Wer regelmäßig Videokonferenzen dokumentiert, Tutorials aufnimmt oder einen kleinen Kanal aufbaut, für den lohnt sich der Nachmittag Einarbeitung schnell.
PolarSteps zeichnet deine Reise automatisch auf und macht daraus ein teilbares Reisetagebuch.
Klaus: Das zweite Tool passt gerade jetzt, mitten in der Sommerferienzeit im DACH-Raum. Die Reise-App heißt PolarSteps. Sie kommt aus Amsterdam und macht eine Sache sehr gut. Sie zeichnet automatisch auf, wo man auf einer Reise war, und verwandelt das in eine schön aufbereitete Karte und ein Reisetagebuch, das man mit Familie und Freunden teilen oder einfach für sich behalten kann.
Anna: Die Nutzung ist erfrischend einfach. Man startet in der App eine Reise, wenn man losfährt, und vergisst sie danach im Grunde. Die App protokolliert die Route im Hintergrund und markiert jede Stadt und jeden Ort, den man passiert. Fotos vom Handy lassen sich einzelnen Stationen zuordnen. Wenn man zurückkommt, oder auch schon unterwegs, hat man eine bebilderte Erzählung der Reise, die sich per Link teilen lässt, ohne dass man dafür ein Social-Media-Konto braucht.
Klaus: Beim Datenschutz ist ein Detail wichtig: PolarSteps teilt eine Reise nur mit Menschen, die man ausdrücklich einlädt, es gibt keinen öffentlichen Feed als Standard. Nutzer berichten, dass die App den Akku deutlich weniger belastet als erwartet, weil sie den Standort in Intervallen aufzeichnet, nicht permanent. Die Kernfunktionen sind kostenlos. Optional lässt sich am Ende einer Reise ein gedrucktes Hardcover-Reisebuch bestellen, das gerade bei Großeltern als Geschenk sehr beliebt geworden ist.
Anna: PolarSteps ist für iPhone und Android verfügbar, funktioniert quer durch Europa ohne Reibungsverluste und ist eine der wenigen wirklich europäischen Consumer-Apps, die auf diesem Niveau mitspielen. Für die Sommerreise nach Kroatien, den Alpencross oder die Städtetour durch Norditalien reicht es, die App vor der Abfahrt einzurichten. Der Rest passiert von allein.
Klaus: Und das war's für heute.
Anna: Heute ging es um Mira Muratis Thinking Machines und ihr riesiges offenes Modell Inkling, Airbus, das neunhundert Anwendungen aus Amazons Cloud nach Frankreich zieht, Südkoreas historische Speicherchip-Deals in San Francisco, Taiwans klare Entscheidung für zivile statt militärische Robotik, das kostenlose Aufnahme- und Streaming-Studio OBS Studio und die Reise-App PolarSteps.
Klaus: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.
Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.