← The State of Tech DE RSS Feed

Donnerstag, 23. Juli 2026 · 13:24

Alphabet: 500-Mrd.-Cloud-Buch, negativer Cashflow, AMD greift Nvidia an, TSMC erhöht Preise

The State of Tech DE vom Donnerstag, 23. Juli 2026: Alphabets Cloud-Auftragsbuch überschreitet die Marke von 500 Milliarden Dollar, doch der freie Cashflow rutscht wegen massiver KI-Investitionen ins Minus. Außerdem: AMD greift Nvidia mit neuen KI-Chips und dem Helios-Rack-System an, die USA und China planen für September erste offizielle KI-Gespräche unter Trump, und TSMC kündigt Preiserhöhungen von bis zu zehn Prozent ab 2027 an. Zum Ausprobieren: Signal mit neuem Desktop-Update und die kostenlose Web-App Lensless, die störende Personen aus Urlaubsfotos entfernt.

Alphabet Google Cloud AMD Nvidia TSMC KI-Regulierung

Diese Folge anhören:

Transkript

Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Donnerstag, der dreiundzwanzigste Juli 2026. Ich bin Anna Hoffmann.

Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: Alphabet meldet ein Auftragsbuch von einer halben Billion Dollar für seine Cloud, aber der freie Cashflow rutscht ins Minus. AMD stellt neue KI-Chips und ein komplettes Rack-System vor und will Nvidia direkt angreifen. Washington und Peking planen im September erste offizielle KI-Gespräche unter Präsident Trump. TSMC hebt ab 2027 die Chip-Preise um bis zu zehn Prozent an, und das trifft die gesamte Lieferkette. Danach zwei Sachen zum Ausprobieren: der verschlüsselte Messenger Signal mit einem großen Desktop-Update, und die kostenlose Web-App Lensless, die störende Personen aus Urlaubsfotos entfernt. Fangen wir an.

Alphabets Cloud-Geschäft boomt, aber die massiven KI-Ausgaben drücken den freien Cashflow ins Minus.

Anna: Alphabet hat gestern nach US-Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt, und das Bild ist zwiegespalten. Google Cloud hat die Umsatzerwartungen deutlich übertroffen, und das Auftragsbuch für Cloud-Dienste liegt inzwischen bei über fünfhundert Milliarden Dollar. Das ist ein enormes Signal, wie viele Unternehmen weltweit gerade für KI-Infrastruktur anstehen. Aber gleichzeitig ist der freie Cashflow ins Minus gerutscht, weil Alphabet gewaltige Summen in Rechenzentren, Chips und alles steckt, was für dieses Auftragsbuch überhaupt erst gebraucht wird. Die Aktie gab im nachbörslichen Handel entsprechend nach.

Klaus: Und genau dieser Widerspruch ist die eigentliche Geschichte. Auf dem Papier sieht ein Auftragsbuch dieser Größe wie eine Gelddruckmaschine aus. In der Praxis muss Alphabet physische Kapazität in einem Tempo aufbauen, das es in der Tech-Branche so noch nicht gab. Und heute hat Alphabet den Investitionsausblick für 2026 nach oben korrigiert, auf zwischen einhundertfünfundneunzig und zweihundertfünf Milliarden Dollar. Die vorherige Schätzung lag noch bei bis zu einhundertneunzig Milliarden. Das Unternehmen sagt dem Markt im Grunde: Vertraut uns, die Ausgaben zahlen sich später aus. Und Anleger fragen sich, wie viel später, und was passiert, wenn die KI-Nachfrage abkühlt oder die Margen im Cloud-Geschäft dünner ausfallen als gedacht.

Anna: Für DACH-Kunden ist das doppelt relevant. Deutsche Konzerne wie SAP, Siemens oder die Deutsche Bank gehören zu den Unternehmen, die diese Kapazitäten in Anspruch nehmen. Preise und Verfügbarkeit von Google-Cloud-KI-Diensten hier hängen direkt davon ab, wie schnell Alphabet die Rechenzentren tatsächlich hochziehen kann. Und für europäische Cloud-Anbieter, etwa Ionos oder OVH, ist die Zahl ein Weckruf. Wenn ein einzelner US-Hyperscaler mehr als eine halbe Billion Dollar an Vorbestellungen einsammelt, wird die Lücke zu den europäischen Alternativen mit jedem Quartal größer.

Klaus: Beobachtenswert ist auch, wie der Markt in den nächsten Monaten reagiert. Wenn der Cashflow länger negativ bleibt, könnte der Druck auf Alphabet wachsen, entweder Preise zu erhöhen oder Investitionen zu strecken. Beides wäre für Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz spürbar. Wer jetzt Verträge verhandelt, sollte wissen, dass die Verhandlungsposition der Hyperscaler durch dieses Auftragsbuch nicht schwächer wird.

AMD stellt neue KI-Chips und ein Rack-System vor und fordert Nvidia direkt heraus.

Anna: AMD veranstaltet heute sein Event Advancing AI 2026, und Konzernchefin Lisa Su stellt dort die nächste Generation der KI-Produkte vor. Im Zentrum stehen neue EPYC-Serverprozessoren und die Beschleunigerfamilie Instinct MI400. Zusammen bilden sie ein neues KI-Rack-System mit dem Namen Helios. Auf Deutsch gesagt: AMD verkauft nicht mehr nur Chips, sondern komplette einsatzbereite KI-Rechenschränke, direkt gerichtet an Cloud-Anbieter und große Unternehmen, die bisher fast ausschließlich bei Nvidia gekauft haben.

Klaus: Und der Wettbewerbsaspekt ist der eigentliche Punkt. Nvidia dominiert das Geschäft mit KI-Training und -Inferenz seit Jahren, und das spiegelt sich in den Preisen. AMDs Angebot heute ist, dass Helios eine glaubwürdige zweite Option bietet, mit Leistung in derselben Klasse und, entscheidend, mit einer Verfügbarkeit, die nicht auf einer langen Nvidia-Warteliste steht. Wenn AMD im großen Maßstab liefern kann, verschiebt sich die gesamte Ökonomie der KI-Infrastruktur. Die Cloud-Riesen bekommen Verhandlungsmacht, und die Preise für KI-Rechenleistung könnten aufhören, so steil zu steigen.

Anna: Für die DACH-Region ist das sehr konkret. Deutsche KI-Firmen wie Aleph Alpha und Forschungseinrichtungen wie das Jülich Supercomputing Centre haben immer wieder darauf hingewiesen, dass sie kaum an genug Nvidia-Hardware kommen, und wenn doch, dann zu Mondpreisen. Eine echte AMD-Alternative bedeutet, dass europäische Cloud-Anbieter Kapazitäten schneller und günstiger ausbauen können. Und für souveräne KI-Projekte, bei denen Regierungen in Berlin, Wien oder Bern Rechenkapazität auf europäischem Boden haben wollen, öffnet sich damit ein zweiter Lieferant.

Klaus: Wichtig ist die Einordnung: Ankündigung und tatsächliche Lieferung sind zwei verschiedene Dinge. Analysten weisen darauf hin, dass AMD in vorherigen Generationen zwar starke Chips gezeigt hat, aber bei Software und Ökosystem gegenüber Nvidias CUDA-Plattform noch aufholen muss. Der eigentliche Praxistest kommt, wenn die ersten Helios-Systeme bei Kunden stehen und in echten KI-Workloads laufen. Bis dahin bleibt Nvidia der Referenzwert.

Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.

USA und China planen für September erste offizielle KI-Gespräche unter Präsident Trump.

Klaus: Washington und Peking bereiten Berichten zufolge für September bilaterale Gespräche vor, die sich ausdrücklich der KI-Politik widmen. Auf der Tagesordnung steht der sichere Umgang mit sogenannten Frontier-Modellen, also den fortschrittlichsten KI-Systemen, deren Fähigkeiten die vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen zunehmend überholen. Es wäre das erste offizielle KI-Treffen zwischen beiden Ländern unter Präsident Trump.

Anna: Man sollte den Rahmen dieser Gespräche allerdings richtig einordnen. Das ist keine Vertragsverhandlung, und keine Seite hat verbindliche Zusagen angedeutet. Was auf dem Tisch liegt, ist eher ein gemeinsames Vokabular für Risiken: Was gilt als Frontier-Modell, welche Vorfälle sollten gemeldet werden, gibt es Berührungspunkte bei Sicherheitstests vor der Freigabe. Angesichts der breiteren Handelsspannungen zwischen den beiden Ländern ist allein die Tatsache, dass man sich trifft, bemerkenswert.

Klaus: Für Europa ist das ein Moment zum genauen Hinsehen, weniger zum direkten Mitspielen. Brüssel war global die lauteste Stimme in Sachen KI-Regulierung, der AI Act ist in Kraft und dient vielen Ländern als Vorlage. Wenn Washington und Peking anfangen, sich auf eigene gemeinsame Prinzipien zuzubewegen, könnte das den europäischen Ansatz entweder stärken oder ins Abseits drängen. Aus dem Bundeskanzleramt und dem BMWK heißt es bisher nur, man beobachte die Entwicklung.

Anna: Für Unternehmen in der DACH-Region, die KI-Modelle einsetzen oder entwickeln, ist der praktische Effekt vorerst gering. Aber wenn aus diesen Gesprächen tatsächlich gemeinsame Meldepflichten oder Testverfahren entstehen, würde das die globale Compliance-Landkarte verändern. Firmen wie Aleph Alpha, DeepL oder Black Forest Labs müssten dann prüfen, ob ihre Modelle unter eine mögliche gemeinsame US-chinesische Definition fallen. Wichtig bleibt: Bislang steht nur der Termin, kein Ergebnis.

TSMC hebt die Chip-Preise ab 2027 um bis zu zehn Prozent an, und die gesamte Elektronik wird teurer.

Klaus: Der taiwanische Auftragsfertiger TSMC, der weltweit größte Chip-Hersteller nach Bestellung, plant seine Preise ab 2027 um bis zu zehn Prozent anzuheben. Personen aus dem Umfeld des Unternehmens sagen, dass die Erhöhung sowohl ältere als auch modernste Fertigung betrifft und breit über die Kundenbasis gilt. Als Gründe werden steigende Rohstoffkosten, teurere Fertigungsanlagen und vor allem die enormen Ausgaben für neue Werke außerhalb Taiwans genannt. Besonders in den USA, in Japan und in Deutschland.

Anna: Und das kommt direkt nach einem Rekordquartal, das vor allem von der KI-Chip-Nachfrage getrieben war. Interessant ist nicht, dass TSMC die Preise erhöht, sondern wer am Ende zahlt. TSMC fertigt für so gut wie jeden großen Namen, den man kennt: Apple, Nvidia, AMD, Qualcomm. Ein Aufschlag von zehn Prozent an der Foundry kaskadiert durch die gesamte Elektronikindustrie. Er landet irgendwann in Smartphones, Laptops, Autos und zunehmend in den Servern, die KI-Anwendungen betreiben. Und weil die Kunden ohnehin um Kapazität anstehen, haben sie kaum Verhandlungsspielraum.

Klaus: Für die DACH-Region ist das doppelt spürbar. Auf der einen Seite hängen deutsche Autobauer wie Volkswagen und BMW, Industriekonzerne wie Bosch und Siemens sowie die Unterhaltungselektronik stark an TSMC-Fertigung. Höhere Eingangskosten werden sich in den nächsten Jahren in den Produktpreisen niederschlagen. Auf der anderen Seite baut TSMC in Dresden gerade ein eigenes Werk auf, gemeinsam mit Infineon, Bosch und NXP, gefördert vom Bund. Wenn TSMCs weltweite Preise steigen, verschiebt sich die Rechnung für dieses Dresdner Projekt: Die Standortkosten in Deutschland sehen im Vergleich weniger schrecklich aus, und die Argumente für europäische Chip-Souveränität bekommen neuen Rückenwind.

Anna: Praktisch heißt das für Unternehmen im Mittelstand: Wer Elektronik einkauft oder Produkte entwickelt, sollte die Kalkulation für die Jahre 2027 und 2028 jetzt schon prüfen. Zehn Prozent an der Fertigung sind nicht eins zu eins zehn Prozent im Endgerät, aber der Trend zeigt klar nach oben. Und die Zeiten, in denen Chip-Preise als planbare Konstante galten, sind vorerst vorbei.

Der verschlüsselte Messenger Signal wird mit einem neuen Desktop-Update zum ernsthaften Arbeitswerkzeug.

Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen ihr heute konkret etwas anfangen könnt. Erstens: Der verschlüsselte Messenger Signal hat in den letzten Wochen leise eine Reihe von Desktop-Verbesserungen ausgerollt, die Tester als echtes Upgrade beschreiben. Signal ist vor allem für seine Datenschutz-Referenzen bekannt, mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung standardmäßig und der Möglichkeit, den eigenen Kontakten die Telefonnummer nicht zu zeigen, wenn ein Nutzername eingerichtet ist.

Anna: Was sich geändert hat, ist die Desktop-Erfahrung: deutlich flüssigerer Dateiaustausch, eine bessere Suche über alte Konversationen und eine überarbeitete Oberfläche, die endlich wie ein echtes Arbeitswerkzeug wirkt und nicht wie eine Handy-App, die für den größeren Bildschirm auseinandergezogen wurde. Signal wird von einer Stiftung ohne Gewinnabsicht betrieben, verkauft keine Werbung und scannt keine Nachrichten für Trainingsdaten. Das ist eine Mittelposition zwischen WhatsApp, das zu Meta gehört, und Telegram, das seine eigenen Datenschutzfragen hat.

Klaus: Für Nutzer in der DACH-Region ist das besonders interessant, weil Signal in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine wachsende Fangemeinde hat, unter anderem bei Journalistinnen, Anwälten und einigen Behörden. Nutzer berichten, dass Signal jetzt auch größere Dateien ohne Ruckeln überträgt und dass die Gruppen-Chat-Funktionen so weit aufgeholt haben, dass kleine Teams die App tatsächlich für Arbeitsabsprachen nutzen können. Signal ist kostenlos für Windows, Mac, Linux, iPhone und Android. Die Desktop-Version ist in wenigen Minuten installiert, wenn die App auf dem Handy schon läuft.

Anna: Zu wissen ist: Für den Start braucht man weiterhin eine Telefonnummer, kann diese danach aber vor anderen verbergen. Wer eine Messenger-Alternative sucht, die nicht gleichzeitig als Werbeplattform funktioniert, hat mit dem aktuellen Signal einen guten Anlass, den Umstieg noch einmal zu versuchen.

Die kostenlose Web-App Lensless entfernt Touristen und störende Objekte aus Urlaubsfotos, direkt im Browser.

Klaus: Die zweite Sache zum Ausprobieren heißt Lensless, ein kostenloses webbasiertes Foto-Werkzeug, das gerade unter Reisefotografen und Urlaubsknipsern für Gesprächsstoff sorgt. Was es macht, ist einfach, aber wirklich nützlich: Es entfernt Touristen, Hintergrundgerümpel und kleine Störfaktoren aus Fotos, und der größte Teil der Verarbeitung passiert direkt im Browser, nicht auf einem fernen Server. Aus einem Foto vom Brandenburger Tor mit fünfzig Fremden im Bild wird in weniger als einer Minute ein deutlich sauberer Schnappschuss.

Anna: Die Technik dahinter ist nicht neu, Hintergrund-Entfernung und Objekt-Radierung gibt es seit Jahren in teurer Bildbearbeitungssoftware. Aber Lensless hat das Ganze auf etwas reduziert, das jeder ohne Abo und ohne Konto benutzen kann. Rezensenten heben hervor, dass die Ergebnisse für ein kostenloses Werkzeug erstaunlich sauber sind, besonders bei Landschaften und Architektur, wo klare Kanten die Arbeit leichter machen. Bei komplexen Menschenmengen tut sich die Software schwerer, das ist fair zu wissen, bevor man Wunder erwartet.

Klaus: Für Nutzer in der DACH-Region, die gerade in die Sommerferien starten oder gerade zurückkommen, ist das eine praktische Ergänzung fürs Handy. Man öffnet Lensless einfach im mobilen Browser, lädt ein Foto hoch, exportiert die bereinigte Version, und muss keine App installieren. Und weil viel Verarbeitung lokal bleibt, wandert das Urlaubsalbum nicht als Trainingsmaterial in eine große Plattform. Kostenlos, ohne Login, funktioniert auf jedem Gerät mit einem modernen Browser. Zehn Minuten heute Abend reichen, um zu sehen, ob es die eigenen Ferienbilder rettet.

Anna: Und ein kurzer Datenschutzhinweis für die europäischen Hörer: Auch wenn viel im Browser läuft, lohnt sich vor sensiblen Fotos ein Blick in die Datenschutzerklärung. Für Urlaubs- und Alltagsschnappschüsse ist das Werkzeug aber genau richtig.

Klaus: Heute ging es um Alphabets zwiegespaltenes Cloud-Quartal mit einem Auftragsbuch über einer halben Billion Dollar und negativem Cashflow, um AMDs neue KI-Chips und das Helios-Rack-System als direkter Angriff auf Nvidia, um die für September geplanten ersten offiziellen KI-Gespräche zwischen den USA und China unter Präsident Trump, und um TSMCs Preiserhöhung von bis zu zehn Prozent ab 2027, die durch die ganze Elektronikbranche laufen wird. Zum Ausprobieren: der verschlüsselte Messenger Signal mit einem deutlich verbesserten Desktop, und die kostenlose Web-App Lensless, die Touristen und Störfaktoren aus euren Urlaubsfotos herausschneidet.

Anna: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.

Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.