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Montag, 20. Juli 2026 · 12:19

EU zwingt Google, Android zu öffnen, Googles Top-Modell verzögert sich, Hyundai kauft Boston Dynamics

The State of Tech DE vom Montag, 20. Juli 2026: Die EU-Kommission verpflichtet Google unter dem Digital Markets Act, Android für konkurrierende KI-Assistenten zu öffnen und Suchdaten zu teilen – mit Auswirkungen auf zwei Milliarden Geräte weltweit. Außerdem: Googles Flaggschiff-KI-Modell verpasst zum dritten Mal seinen Starttermin, die Non-Profit Current AI baut mit französischer Unterstützung eine offene KI-Infrastruktur, und Hyundai übernimmt Boston Dynamics vollständig – mit spürbaren Folgen für die europäische Autoindustrie. Dazu zwei konkrete Empfehlungen: die Offline-Wissensbibliothek Kiwix Reader und der europäische Später-Lesen-Dienst Wallabag One.

EU Digital Markets Act Google Android KI-Infrastruktur Boston Dynamics

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Transkript

Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Montag, der zwanzigste Juli 2026. Ich bin Anna Hoffmann.

Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: Brüssel zwingt Google, Android für KI-Konkurrenten zu öffnen. Googles nächstes Top-KI-Modell verpasst zum dritten Mal seinen Starttermin. Eine französisch finanzierte Non-Profit baut eine öffentliche KI-Infrastruktur für alle. Hyundai übernimmt den Robotik-Pionier Boston Dynamics komplett. Dann zwei Sachen zum selber Ausprobieren: die Offline-Wissensbibliothek Kiwix Reader und der europäische Später-Lesen-Dienst Wallabag One. Fangen wir an.

Die EU-Kommission zwingt Google, Android für konkurrierende KI-Assistenten zu öffnen.

Anna: Brüssel hat Google einen der härtesten Schläge seit Jahren verpasst. Unter dem Digital Markets Act muss Google jetzt sein Android-Ökosystem für konkurrierende KI-Assistenten öffnen und Teile seiner Suchdaten mit anderen KI-Entwicklern teilen. Das betrifft weltweit zwei Milliarden Android-Telefone, die Reichweite ist also gewaltig. Und das ist keine Empfehlung, sondern bindend. Google muss liefern.

Klaus: Bislang war die Lage klar: Wer einen ernsthaften KI-Assistenten auf Android bauen wollte, musste das zu Googles Bedingungen tun, mit Googles Vorauswahl im Weg. Das ändert sich jetzt. Wettbewerber können sich direkter einklinken, und sie bekommen Zugriff auf Teile der Suchdaten, die vorher fest in Googles Systemen eingesperrt waren. Genau dieses Rohmaterial braucht man, um einen konkurrenzfähigen Assistenten zu trainieren. Die Kommission verkauft das ausdrücklich als Wettbewerbsmaßnahme, nicht als Strafe. Es soll verhindern, dass sich der Suchmaschinenmarkt im KI-Zeitalter einfach wiederholt.

Anna: Für Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz könnte das über die nächsten ein, zwei Jahre spürbar werden. Stell dir vor, du richtest ein neues Android-Telefon ein und wählst deinen KI-Assistenten so aus, wie du heute deinen Browser wählst. Genau da will Brüssel hin. Für europäische KI-Entwickler ist das eine echte Chance: Firmen wie Mistral aus Frankreich, Aleph Alpha aus Heidelberg oder auch kleinere DACH-Anbieter bekommen plötzlich einen Weg auf Geräte, auf die sie sonst nie gekommen wären.

Klaus: Und der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Diese Auflage kommt genau, während Google mit seinem eigenen Top-Modell in Verzug ist, was unser nächstes Thema ist. Konkurrenten bekommen also gerade eine Tür geöffnet, in einem Moment, in dem Googles Türsteher etwas müde wirkt. Deutsche Datenschutzbehörden werden genau hinschauen, wie die Datenweitergabe technisch umgesetzt wird, damit aus einer Wettbewerbsmaßnahme kein neues Datenschutzproblem entsteht.

Googles neues Top-KI-Modell verpasst zum dritten Mal den geplanten Starttermin.

Anna: Wir bleiben bei Google, aber wechseln die Perspektive. Das nächste Flaggschiff-KI-Modell von Google, also die eigentliche Speerspitze, hat Berichten zufolge zum dritten Mal seinen internen Starttermin verpasst. Der Zieltag war der siebzehnte Juli, der ist vorbei. Jetzt soll Google überlegen, eine schlankere, schnellere Zwischenversion herauszugeben, während am großen Modell weitergearbeitet wird. Die Alphabet-Aktie ist auf die Nachricht hin an der Wall Street rund vier Prozent gefallen, das ist bei dieser Unternehmensgröße eine deutliche Reaktion.

Klaus: Und das eigentlich Auffällige ist die Stille drumherum. Es gibt keine offizielle Modellbeschreibung, keine Preise, keine Benchmarks. In der KI-Welt, wenn ein Top-Labor so lange so leise ist bei seinem Aushängeschild, fangen die Leute an, die Lücken selbst zu füllen. Ein Teil der Spekulation ist berechtigt, ein Teil nicht, aber das Schweigen wird zur Geschichte. Und der Wettbewerbsdruck macht es nicht besser. Anthropic liefert in stabilem Takt, OpenAI genauso, und chinesische Labore wie Moonshot mit Kimi K3 schieben leistungsfähige offene Modelle nach.

Anna: Für Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das mehr als Silicon-Valley-Klatsch. Viele DACH-Firmen haben sich in den letzten zwei Jahren auf Googles KI-Stack festgelegt, oft über die Google Cloud. Wenn das Flaggschiff verspätet und beim Start unter den Erwartungen landet, müssen Einkaufsabteilungen und CTOs neu rechnen. Eine schlanke Zwischenversion hält Entwickler bei der Stange, aber sie signalisiert dem Markt auch: die eigentliche Hauptattraktion ist noch nicht fertig.

Klaus: Was das für den Alltag bedeutet: Wer heute in einem deutschen Konzern eine KI-Strategie plant, sollte nicht auf ein einziges Modell setzen. Der SAP-Ansatz, mehrere Modelle parallel anzubinden, sieht rückblickend klüger aus als eine reine Google-Wette. Und für den Standort Europa ist das indirekt eine gute Nachricht: je enger die Rennen an der Spitze, desto größer die Chance für Alternativen von hier.

Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.

Eine französisch mitfinanzierte Non-Profit baut eine offene öffentliche KI-Infrastruktur für alle.

Klaus: Jetzt zu etwas ganz anderem im Geist. Eine Non-Profit-Organisation namens Current AI versucht, das aufzubauen, was sie öffentliche KI-Infrastruktur nennt, frei und offen für alle, ungefähr so, wie es das frühe Web einmal war. Gegründet wurde sie im Februar 2025 von Martin Tisne, und sie hat inzwischen rund vierhundert Millionen Dollar eingesammelt. Der Finanzierungsmix ist bemerkenswert: die französische Regierung steuert hundert Millionen bei, dazu kommen die Ford Foundation, die MacArthur Foundation, und auch DeepMind und Salesforce sind dabei.

Anna: Das Ziel ist, dass grundlegende KI-Fähigkeiten, also Übersetzung, Spracherkennung, brauchbare Assistenten, nicht dauerhaft hinter einer Handvoll amerikanischer und chinesischer Anbieter eingesperrt bleiben. Current AI hat bereits ein Gerät namens Suno Sutra vorgestellt, das Offline-KI-Dienste in zweiundzwanzig indischen Sprachen liefert. Das klingt exotisch, ist aber ein wichtiger Punkt: ein riesiger Teil der Weltbevölkerung spricht Sprachen, die große kommerzielle Modelle schlecht oder gar nicht beherrschen.

Klaus: Für Europa ist die französische Beteiligung die Schlagzeile. Paris positioniert sich damit als ernstzunehmender Akteur in der Debatte um gemeinwohlorientierte KI, parallel zur eigenen Unterstützung von Mistral auf der kommerziellen Seite. Kritiker weisen darauf hin, dass vierhundert Millionen Dollar im Vergleich zu den hunderten Milliarden, die in den USA in KI-Infrastruktur fließen, bescheiden wirken. Industrieverbände wie Bitkom argumentieren seit Monaten, dass Europa deutlich mehr investieren müsste, um überhaupt strukturell mitzuspielen.

Anna: Für Deutschland stellt sich damit die Frage, ob man einsteigt oder zuschaut. Es gibt in der Bundesregierung Diskussionen, ob Deutschland dem französischen Beitrag folgen sollte, entweder direkt oder über gemeinsame europäische Programme. In der Schweiz wiederum arbeitet die ETH Zürich an eigenen offenen Modellen, die inhaltlich gut zu so einer Infrastruktur passen würden. Der Punkt ist: wenn öffentliche KI-Infrastruktur einmal steht, ist sie schwer zurückzuholen, so wie das offene Web.

Hyundai übernimmt Boston Dynamics komplett und drängt Europas Autobauer in eine schwierige Lage.

Klaus: Jetzt zu einer Nachricht, die nichts mit KI-Modellen zu tun hat, sondern mit echter Hardware, die läuft. Die Hyundai Motor Group kauft den restlichen Anteil von SoftBank am Robotik-Pionier Boston Dynamics und übernimmt das Unternehmen damit vollständig. SoftBank hat eine sogenannte Verkaufsoption gezogen, der verbleibende Zehn-Prozent-Anteil wird auf rund dreihundertfünfundzwanzig Millionen Dollar taxiert. Damit endet ein Kapitel, das 2021 begann, als Hyundai die Mehrheit übernahm und SoftBank einen Rest behielt, ursprünglich mit Blick auf einen Börsengang.

Anna: Dieser Börsengang ist jetzt vom Tisch. Boston Dynamics bleibt privat, komplett innerhalb des Hyundai-Konzerns. Und die Übernahme kommt direkt nach der Vorstellung der Serienversion des humanoiden Atlas-Roboters, mit ersten Einheiten, die dieses Jahr in echten Werken zum Einsatz kommen sollen. Die strategische Logik für Hyundai ist glasklar: die Autoproduktion ist eine der robotermäßig intensivsten Industrien überhaupt, und die nächste Generation der Fabrikautomatisierung sieht viel mehr aus wie eine gehende, flexible Maschine als wie ein festgeschraubter Roboterarm.

Klaus: Und genau da wird es für die DACH-Autoindustrie unangenehm. Volkswagen, BMW, Mercedes, Audi und Porsche prüfen alle den Einsatz humanoider Roboter in ihren Werken. Wenn Hyundai jetzt entscheidet, die besten Atlas-Einheiten zuerst in die eigenen Fabriken zu stellen, müssen die deutschen Hersteller auf Alternativen ausweichen, etwa auf XPENG und Unitree aus China oder Figure und Agility Robotics aus den USA. Berichte deuten darauf hin, dass Hyundai die Exportstrategie für Atlas eng steuern will.

Anna: In München, Stuttgart und Ingolstadt wird man das nervös beobachten. Auch für den Zulieferbereich ist das relevant: deutsche Firmen wie Kuka aus Augsburg, das inzwischen einem chinesischen Eigentümer gehört, oder der Schweizer Automatisierungsspezialist ABB müssen sich fragen, wo sie im humanoiden Segment stehen. Robotik war lange eine deutsche Domäne, aber im Humanoiden-Rennen wird sie gerade in Asien und den USA entschieden. Der Boston-Dynamics-Deal zementiert das für die kommenden Jahre.

Kiwix Reader lädt komplette Wissensbibliotheken für den Offline-Gebrauch auf euer Gerät.

Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, die ihr heute konkret ausprobieren könnt. Das erste heißt Kiwix Reader. Eine kostenlose Open-Source-App, mit der ihr riesige Teile des Internets herunterladen und komplett offline nutzen könnt. Das bekannteste Paket ist die gesamte deutschsprachige Wikipedia, komplett, mit Bildern und Texten, in einer Datei auf Laptop oder Handy. Aber das geht weit darüber hinaus: es gibt Offline-Kopien von medizinischen Nachschlagewerken, Programmier-Dokumentationen, der Buchsammlung von Project Gutenberg, Sprachlernmaterialien, TED-Vorträgen und Lerninhalten in Dutzenden Sprachen.

Anna: Nutzer beschreiben es oft so, als trage man eine kleine Bibliothek in der Tasche. Das klingt dramatisch, bis man es tatsächlich mal in einem ICE ohne Empfang durch den Thüringer Wald ausprobiert, oder auf einer Wanderung in Tirol oder im Wallis, wo die Netzabdeckung nun mal endet. Die App läuft auf Windows, Mac, Linux, Android und iOS. Sie selbst ist nur ein paar Megabyte groß.

Klaus: Die Inhaltspakete reichen dann von ein paar hundert Megabyte für etwas Kleines, etwa einen Erste-Hilfe-Ratgeber, bis zu rund hundert Gigabyte, wenn ihr die komplette Wikipedia mit allen Bildern wollt. Die meisten fangen mit einer schlankeren Variante an, nur die Artikel ohne Bilder, das sind eher fünfzig Gigabyte, oder mit einem thematischen Paket. Getragen wird das Projekt von einer Schweizer Non-Profit, das ist erwähnenswert.

Anna: Das Projekt wurde ursprünglich gebaut, um Schulen in Regionen mit schlechter Internetanbindung Zugang zur Wikipedia zu geben, und ist von dort zu einem allgemeinen Offline-Wissenswerkzeug gewachsen. In Rezensionen wird gelobt, wie einfach das ist: App installieren, im Katalog stöbern, herunterladen, fertig. Für Reisen, für Notfallsituationen, oder einfach für ruhiges Lesen ohne Ablenkung durch Werbung ist Kiwix Reader eine solide Wahl. Alles kostenlos, alles offen.

Wallabag One speichert die Artikel, die ihr eigentlich noch lesen wolltet, unter eurer Kontrolle.

Klaus: Und der zweite Fund heißt Wallabag One. Das ist ein Später-Lesen-Dienst, ihr speichert also Artikel aus dem Netz, um sie später zu lesen, aber dieser hier ist europäisch, datenschutzfreundlich und Open Source. Denkt an eine Alternative zu Pocket, das vor Kurzem eingestellt wurde und viele Leute auf der Suche nach einem neuen Zuhause für ihre Leseliste zurückgelassen hat.

Anna: Die Idee ist einfach. Ihr installiert eine Browser-Erweiterung oder benutzt einen Teilen-Knopf auf dem Handy, und jeder gespeicherte Artikel wird auf sauberen Text mit Bildern reduziert. Keine Werbung, keine Cookie-Banner, keine Pop-ups, die euch zum Abonnieren drängen. Ihr könnt später auf jedem Gerät lesen, verschlagworten und quer durch alles Gespeicherte suchen. Die gehostete Version heißt Wallabag One und wird vom französischen Team hinter dem Projekt betrieben.

Klaus: Die kostet einen kleinen Jahresbetrag, ihr könnt die zugrundeliegende Open-Source-Software aber auch kostenlos selbst hosten, wenn ihr technisch veranlagt seid. Funktioniert mit iOS, Android und jedem modernen Browser. Nutzer erwähnen oft, wie schön es ist, dass Artikel, die vor Jahren gespeichert wurden, immer noch lesbar sind, auch wenn die Originalseite längst verschwunden ist. Und weil der Code offen ist, könnt ihr jederzeit alles exportieren. Kein Einschluss in ein System.

Anna: Für alle, die viel Langtext-Journalismus lesen oder ein persönliches Rechercheeraerchiv aufbauen, ist genau diese Portabilität Gold wert. Und wer als DACH-Nutzer Wert darauf legt, dass die Server in Europa stehen und nicht bei einem US-Konzern, hat hier eine saubere Antwort.

Anna: Heute ging es um: Brüssel zwingt Google, Android für KI-Konkurrenten zu öffnen und Suchdaten zu teilen. Googles nächstes Flaggschiff-KI-Modell verpasst zum dritten Mal seinen Termin. Current AI baut mit französischer Rückendeckung eine offene öffentliche KI-Infrastruktur. Hyundai übernimmt Boston Dynamics komplett und setzt Europas Autobauer unter Druck. Und zum Ausprobieren: die Offline-Wissensbibliothek Kiwix Reader und der europäische Später-Lesen-Dienst Wallabag One.

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Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.