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Samstag, 18. Juli 2026 · 12:46

Musk & Anthropic: 40-Mrd.-Compute-Deal, Chinas Gehirn-Chip, Chip-Aktien im Minus

The State of Tech DE vom Samstag, 18. Juli 2026: Elon Musk lobt Anthropic plötzlich als führendes KI-Unternehmen – weil xAI ihnen für 40 Milliarden Dollar Rechenleistung aus dem Colossus-Rechenzentrum liefert, ein Deal, der europäische Souveränitätspläne in den Schatten stellt. Außerdem: China meldet den ersten kommerziellen invasiven Gehirn-Chip und überholt damit Neuralink, Moonshot veröffentlicht das offene Riesenmodell Kimi K3 mit 2,8 Billionen Parametern, Chip-Aktien brechen ein und treffen Infineon, ASML und Co. direkt, und zum Ausprobieren: die datenschutzkonforme Transkriptions-App Whishper und die europäische Später-Lesen-App Wallabag.

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Transkript

Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Samstag, der achtzehnte Juli 2026. Ich bin Anna Hoffmann.

Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: Elon Musk und Anthropic schließen einen vierzig Milliarden Dollar schweren Rechenleistungs-Deal, China meldet den ersten kommerziellen Gehirn-Chip, Moonshot bringt mit Kimi K3 das größte offene KI-Modell der Welt, Chip-Aktien brechen ein und die KI-Rally wackelt, dazu zwei Sachen zum Ausprobieren: Whishper für private Transkription auf dem eigenen Rechner und Wallabag als europäische Später-Lesen-App. Fangen wir an.

Elon Musk lobt Anthropic plötzlich, weil sie xAI vierzig Milliarden Dollar für Rechenleistung zahlen.

Anna: Elon Musk hat seine Meinung über Anthropic öffentlich komplett gedreht. Noch vor Kurzem hat er sie kleingeredet, jetzt nennt er sie eines der führenden KI-Unternehmen. Der Grund dafür liegt auf dem Tisch: Anthropic ist inzwischen einer der größten Kunden von Musks eigener KI-Firma xAI. Im Mai wurde ein Vertrag über dreihundert Megawatt Rechenleistung aus dem Rechenzentrum Colossus 1 unterzeichnet. Wert des Ganzen: rund vierzig Milliarden Dollar Umsatz für xAI, laufend bis Mai 2029. Und das ist bemerkenswert, weil Anthropic und xAI direkte Konkurrenten im Modellgeschäft sind.

Klaus: Was diese Zahl zeigt, ist der brutale Engpass bei Rechenleistung. Anthropic braucht Strom und Chips in einer Größenordnung, die nur eine Handvoll Anbieter liefern kann, und xAI hat rund um seinen Standort in Memphis genau diese Kapazität aufgebaut. Ein Konkurrent wird also zum Vermieter. Und es verschiebt, was xAI eigentlich ist. Auf dem Papier ist es ein Modell-Labor, aber mit diesem Vertrag sieht es eher aus wie ein spezialisierter Strom- und Rechenleistungs-Versorger für den Rest der Branche. Colossus wurde ursprünglich als Trainingsstätte für Musks eigene Grok-Modelle verkauft. Jetzt ist es auch eine zahlende Kundenanlage für die Firma, über die er sich früher lustig gemacht hat.

Anna: Für den DACH-Raum sollte die Zahl hart einschlagen. Dreihundert Megawatt entsprechen ungefähr dem Verbrauch einer mittelgroßen deutschen Stadt, allokiert an einen einzigen Kunden an einem Standort. Die europäischen KI-Gigafactory-Pläne der EU-Kommission bewegen sich in Summe in ähnlichen Größenordnungen, verteilen sich aber auf mehrere Länder und viele Betreiber. Deutsche Cloud-Anbieter wie IONOS oder Schwarz Digits weisen seit Monaten darauf hin, dass ohne verlässlichen Zugang zu großen Chip-Clustern kein europäisches Frontier-Modell möglich ist. Wenn eine bilaterale Vereinbarung zwischen zwei US-Firmen so viel Rechenleistung bündelt wie ein nationaler Plan, dann ist das die eigentliche Nachricht dieser Woche.

Klaus: Und es erklärt, warum die Bundesregierung und Österreichs Kanzleramt zuletzt bei jeder KI-Debatte über Souveränität sprechen. Wer die Rechenleistung nicht hat, kauft am Ende bei denen ein, die sie haben, ob als Kunde oder als Mieter. Das gilt für europäische Start-ups genauso wie für Behörden, die eigentlich Wert darauf legen, dass sensible Daten nicht durch amerikanische Rechenzentren laufen.

China meldet den ersten kommerziellen invasiven Gehirn-Chip und zieht damit an Neuralink vorbei.

Anna: China hat verkündet, was es als weltweit erste kommerzielle invasive Gehirn-Chip-Implantation bezeichnet. Das ist ein Schritt jenseits klinischer Studien: Es wird als Produkt gerahmt, das verkauft und eingesetzt werden kann, nicht mehr nur getestet. Details sind noch dünn, unabhängige Bestätigung steht aus, aber wenn die Darstellung hält, liegt China damit vor westlichen Programmen wie Neuralink, die weiterhin in der Testphase feststecken. Parallel wurde auf der Welt-KI-Konferenz in Shanghai mitgeteilt, dass die Schnittstelle Beinao-1 in großangelegte klinische Studien eingetreten ist und 2027 auf den Markt kommen soll.

Klaus: Vorsicht ist trotzdem angebracht. Kommerziell kann in diesem Kontext vieles heißen, von einem streng regulierten Eingriff an wenigen Krankenhäusern bis zu einem breiter zugelassenen Medizinprodukt. Die Ankündigung sagt das nicht klar. Was sie signalisiert, ist Absicht: Peking will Gehirn-Computer-Schnittstellen wie Chips oder KI als strategische Industrie behandeln. Für Patienten mit schwerer Lähmung oder Sprachverlust ist die Technik ein enormer Gewinn, das medizinische Potenzial ist real. Aber genauso real sind die Fragen: Einwilligung, Langzeitsicherheit, Datenhoheit über neuronale Signale, und was passiert, wenn der Hersteller den Betrieb einstellt oder den Besitzer wechselt.

Anna: Für den DACH-Raum ist das brisant, weil hier bereits an einem eigenen Regulierungsrahmen gearbeitet wird. Deutsche Ethikräte und der Bundesdatenschutzbeauftragte haben Hirn-Daten mehrfach als eigene Kategorie gefordert, jenseits normaler Gesundheitsdaten. Die Schweiz hat mit dem Wyss Center in Genf eines der führenden europäischen Zentren für Neurotechnologie, und Firmen wie CorTec aus Freiburg entwickeln implantierbare Systeme unter strengeren Auflagen. Eine chinesische Markteinführung erhöht den Druck, europäische Zulassungswege zu beschleunigen, ohne die Schutzstandards abzusenken.

Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.

Moonshot bringt Kimi K3 mit 2,8 Billionen Parametern und offenen Gewichten heraus.

Klaus: Das chinesische Labor Moonshot AI hat Kimi K3 veröffentlicht, und die Kennzahlen fallen ins Auge. Rund 2,8 Billionen Parameter insgesamt, ein Kontextfenster von einer Million Token, und die offenen Gewichte sollen bis Ende Juli folgen. Es gibt zwei Varianten: eine für Chat und Agenten-Aufgaben, eine für parallele Verarbeitung im großen Stil. Der Preis über die Schnittstelle liegt bei drei Dollar pro Million Input-Token und fünfzehn Dollar für Output. Das unterbietet die meisten westlichen Spitzenmodelle deutlich.

Anna: Die eigentliche Nachricht ist aber nicht die Größe, sondern die Offenheit. Offene Gewichte heißt, das Modell lässt sich herunterladen und auf eigener Infrastruktur betreiben, im Rahmen der Lizenzbedingungen. Das ist etwas ganz anderes als eine geschlossene Schnittstelle bei einem US-Anbieter. Für Unternehmen, die sensible Daten nicht in eine amerikanische Cloud schicken wollen, oder die sich nicht der Preispolitik eines einzelnen Anbieters ausliefern möchten, verändert das die Rechnung. Und das Kontextfenster ist praktisch: eine Million Token entspricht ungefähr einem langen Roman in einem einzigen Prompt. Nützlich für juristische Prüfungen, große Code-Bestände oder wissenschaftliche Recherchen.

Klaus: Es gibt aber einen ernsten Haken. Ein Modell dieser Größe lokal zu betreiben, geht nicht auf einem Laptop und auch nicht auf einem normalen Server. Man braucht einen kleinen Cluster von High-End-KI-Beschleunigern, den die meisten europäischen Unternehmen nicht in der Ecke stehen haben. In der Praxis heißt offen also weiterhin oft: irgendwo Rechenleistung mieten. Die Frage ist nur, wo. Souveräne europäische Anbieter wie IONOS, OVHcloud oder die Deutsche Telekom sehen in solchen Veröffentlichungen eine Chance, eine gehostete Variante innerhalb der EU anzubieten, unter europäischem Recht. Für DACH-Mittelständler, die bislang zwischen OpenAI und Anthropic wählen mussten, öffnet Kimi K3 damit real eine dritte Tür, wenn ein europäischer Betreiber es einhaust.

Chip-Aktien stürzen ab und die KI-Rally des Jahres bekommt erste Risse.

Anna: Tech-Aktien haben zum Wochenende einen deutlichen Dämpfer bekommen. Der Nasdaq schloss gestern 2,2 Prozent im Minus, und der Halbleiter-Index hat allein im Juli fast einundzwanzig Prozent verloren. Chip-Hersteller und KI-nahe Werte führten die Verluste an. In Europa sah es ähnlich aus: Der technologielastige Stoxx-600-Sektor gab am Freitag nach, und ASML, der niederländische Ausrüster im Zentrum der KI-Lieferkette, war unter den größten Verlierern. Der Kern: Anleger stellen härtere Fragen dazu, ob das Kapital, das in KI-Rechenzentren fließt, jemals eine anständige Rendite zurückbringt.

Klaus: Wir haben gerade über einen vierzig Milliarden Dollar Rechenleistungs-Vertrag zwischen zwei Laboren gesprochen. Multipliziere dieses Muster über die ganze Branche, und die Summen werden schnell unangenehm. Analysten mehrerer US-Banken haben davor gewarnt, dass es in bestimmten Chip-Segmenten bis Anfang 2027 ein Überangebot geben könnte. Das drückt die Stimmung auch dort, wo die tatsächliche Nachfrage weiterhin stark aussieht. Unter der Oberfläche gibt es außerdem eine Rotation: Geld verlässt Tech nicht komplett, sondern wandert von den höchst bewerteten Namen in defensivere Positionen. Solche Verschiebungen gehen oft einer breiteren Neubewertung voraus.

Anna: Für den DACH-Raum läuft die Ansteckung über eine Handvoll Schlüssellieferanten. Infineon aus München liefert Leistungshalbleiter, die in jedem Rechenzentrum verbaut sind. Die Schweizer VAT Group produziert Vakuumventile, ohne die keine moderne Chip-Fabrik läuft. Und Siltronic aus Burghausen macht Silizium-Wafer für genau diese Ausrüstung. Wenn die Fab-Investitionen 2027 zurückgehen, trifft das direkt Auftragsbücher und Beschäftigung in Bayern, Oberösterreich und der Ostschweiz. Der Branchenverband ZVEI hat bereits davor gewarnt, dass europäische Zulieferer stärker von US-Ausgabenzyklen abhängig sind, als die öffentliche Debatte über den EU Chips Act vermuten lässt.

Klaus: Interessant ist auch der Zeitpunkt. Der Kurssturz fällt in dieselbe Woche, in der Apple Nvidia als wertvollstes Unternehmen der Welt überholt hat. Anleger belohnen offenbar Firmen, die KI in bestehende Produkte integrieren, und werden vorsichtiger bei reinen Hardware-Wetten. Das ist noch keine Trendwende, aber es ist das erste Mal seit über einem Jahr, dass die Story an einer wichtigen Stelle bricht.

Whishper verwandelt euren eigenen Laptop in ein privates Transkriptionsstudio ohne Cloud.

Anna: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen ihr heute konkret etwas anfangen könnt. Der erste Fund heißt Whishper. Das ist eine quelloffene Transkriptions-App, gebaut auf dem Whisper-Spracherkennungsmodell von OpenAI, aber die ganze Anwendung läuft auf dem eigenen Rechner oder einem kleinen Heimserver. Man legt eine Audio- oder Videodatei rein, und heraus kommt ein durchsuchbares Transkript mit Zeitstempeln, Sprecher-Abschnitten und Export als Untertitel.

Klaus: Der Kern von Whishper ist, dass nichts das Gerät verlässt. Für Journalistinnen mit vertraulichen Quellen, für Anwältinnen mit Mandanten-Aufnahmen, für Forscherinnen mit Interviews, oder generell für alle, die unter der DSGVO persönliche Audio-Daten verarbeiten müssen, ist das ein echtes Argument. Nutzer berichten von solider Genauigkeit über die großen europäischen Sprachen hinweg, also Deutsch, Niederländisch, Französisch, Spanisch und Italienisch. Auch mit langen Dateien kommt das Werkzeug gut zurecht. Und es übersetzt beim Transkribieren, ein spanisches Interview kommt in einem Durchgang als deutscher Text heraus.

Anna: Die Einrichtung ist nicht ganz ein Ein-Klick-Erlebnis. Whishper läuft in Docker, das ist eine Art Verpackung für Software, die auf jedem Rechner gleich funktioniert. Auf der GitHub-Seite des Projekts steht eine klare Anleitung. Wer einen Heimserver oder einen Reserve-Laptop hat, ist in unter einer Stunde einsatzbereit. Auf einem normalen Desktop läuft es auch, nur langsamer bei sehr langen Aufnahmen. Kostenlos, offener Quellcode, kein Konto nötig. Für ein europäisches Publikum ist genau diese Kombination im Transkriptionsmarkt selten, denn die meisten polierten Werkzeuge sind US-Cloud-Dienste mit Preis pro Minute und Datenverarbeitung außerhalb der EU. Whishper heißt übrigens mit "sh" in der Mitte, damit ihr es findet.

Wallabag speichert die Artikel, die ihr eigentlich noch lesen wolltet, unter eurer eigenen Kontrolle.

Klaus: Der zweite Fund ist Wallabag. Eine quelloffene Später-Lesen-App, in derselben Kategorie wie die bekannten kommerziellen Dienste, aber in Frankreich entwickelt und gehostet, mit klarem Fokus auf Nutzerkontrolle. Man installiert einen Browser-Button oder die mobile App, und ein Klick speichert jeden Artikel in einer aufgeräumten, lesbaren Form für später, online oder offline verfügbar.

Anna: Was Wallabag von der Konkurrenz absetzt, ist, wo eure Leseliste tatsächlich liegt. Ihr könnt entweder eine kleine Jahresgebühr für die gehostete europäische Version zahlen, dann bleibt alles auf Servern innerhalb der EU. Oder ihr installiert Wallabag selbst auf einem Heimserver und behaltet den kompletten Stapel in eigener Hand. In beiden Fällen bleiben die gespeicherten Artikel, die Markierungen und die Schlagworte bei euch, nicht bei einer Werbeplattform, die eure Interessen profilieren will. Es beherrscht die Grundfunktionen: Vorlesen für einen Spaziergang, EPUB-Export an Kindle oder Kobo, und Volltextsuche über das ganze Archiv.

Klaus: Nutzerinnen bauen über Jahre Archive mit tausenden Artikeln auf, und Wallabag hält sie zugänglich, ohne das Risiko, dass der Dienst abgeschaltet oder verkauft wird. Genau das ist mehreren Konkurrenten in den letzten Jahren passiert. Für alle im DACH-Raum, die ein ruhigeres Verhältnis zum Nachrichtenstrom wollen und ein Lese-Archiv, das die nächste Konsolidierungswelle in der Tech-Branche überlebt, ist Wallabag eine leise ausgezeichnete Wahl. Kostenlos selbst zu hosten, moderate Jahresgebühr für die verwaltete Version, funktioniert auf jeder gängigen Plattform.

Anna: Heute ging es um Musks Kehrtwende bei Anthropic mit dem vierzig Milliarden Dollar Compute-Deal, Chinas ersten kommerziellen Gehirn-Chip, Moonshots offenes Riesenmodell Kimi K3, den Einbruch der Chip-Aktien mit direkten Folgen für Infineon und ASML, und zum Ausprobieren die private Transkriptions-App Whishper und die europäische Später-Lesen-App Wallabag.

Klaus: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.

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