Sonntag, 12. Juli 2026 · 11:55
Apple verklagt OpenAI wegen 400 abgeworbener Mitarbeiter, SK Hynix-Börsendebüt & Japan-Rakete RV-X
The State of Tech DE vom Sonntag, 12. Juli 2026: Apple hat OpenAI wegen des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen verklagt – über 400 abgeworbene Mitarbeiter aus den Bereichen Chip-Design und KI stehen im Mittelpunkt des Falls. Außerdem: Peking erwägt Beschränkungen für ausländischen Zugang zu Chinas besten KI-Modellen, SK Hynix legt das größte ausländische Börsendebüt der US-Geschichte hin, Japan absolviert den ersten Testflug seiner wiederverwendbaren Rakete RV-X, und als konkrete Werkzeug-Tipps stehen die freie Foto-Bibliothek digiKam und der Open-Source-Videoeditor OpenShot auf dem Programm.
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Transkript
Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Sonntag, der zwölfte Juli 2026. Ich bin Anna Hoffmann.
Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: Apple verklagt OpenAI wegen angeblichem Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen durch abgeworbene Mitarbeiter. Peking erwägt, den Auslandszugang zu Chinas besten KI-Modellen zu drosseln. SK Hynix legt in New York das größte ausländische Börsendebüt der US-Geschichte hin. Japan schafft den ersten Testflug seiner wiederverwendbaren Rakete RV-X. Dazu zwei Sachen, mit denen ihr heute konkret etwas anfangen könnt: die freie Foto-Bibliothek digiKam und der Open-Source-Videoeditor OpenShot. Fangen wir an.
Apple verklagt OpenAI wegen Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen durch 400 abgeworbene Mitarbeiter.
Anna: Apple hat gestern in einem Bundesgericht in Nordkalifornien eine Klage gegen OpenAI eingereicht. Der Vorwurf: Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen. Der Hintergrund ist bemerkenswert, denn laut Klageschrift sind in den vergangenen Monaten mehr als vierhundert ehemalige Apple-Mitarbeiter zu OpenAI gewechselt. Und Apple argumentiert, das sei keine normale Talentbewegung im Silicon Valley gewesen, sondern eine koordinierte Kampagne, um an vertrauliche Technologie heranzukommen.
Klaus: Und die Bereiche, die Apple hier nennt, sind kein Zufall. Es geht um Chip-Design, um KI, die direkt auf dem Gerät läuft, und um Hardware-Architektur. Genau die Felder, in denen Apple seit Jahren aufbaut, um weniger von externen Chip-Lieferanten abhängig zu sein. OpenAI wiederum arbeitet nach Berichten selbst an eigener Hardware, angeblich zusammen mit einem ehemaligen Apple-Designer. Wenn dort vierhundert Menschen mit tiefem Wissen über Apples Silizium landen, ist der Verdacht zumindest nachvollziehbar, dass da mehr im Kopf mitgereist ist als nur die eigene Erfahrung.
Anna: Juristisch ist das ein hartes Feld. Kalifornien hat traditionell sehr arbeitnehmerfreundliche Regeln, Wettbewerbsverbote sind dort weitgehend unwirksam. Apple muss also nicht beweisen, dass Menschen gewechselt haben, sondern dass konkrete Betriebsgeheimnisse mitgenommen und genutzt wurden. Das ist eine deutlich höhere Hürde. Interessant ist auch, dass Apple offenbar interne Kommunikation und Verhaltensmuster als Belege einführen will, etwa massenhafte Downloads kurz vor Kündigungen.
Klaus: Für die Branche ist der Fall unabhängig vom Ausgang ein Signal. Der Kampf um KI-Talente hat eine Grenze erreicht, an der die klassischen Regeln des Silicon Valley knirschen. Und die Eskalation zwischen Apple und OpenAI ist bemerkenswert, weil beide Firmen bei Siri auf dem iPhone eigentlich Partner sind. Diese Partnerschaft dürfte jetzt kühler werden.
Anna: In Deutschland und Österreich ist der Schutz von Geschäftsgeheimnissen über das Geschäftsgeheimnisgesetz beziehungsweise entsprechende EU-Richtlinien geregelt, und der Ausgang in Kalifornien könnte durchaus als Referenzfall für europäische Konzerne dienen, die eigene KI-Teams aufbauen und um Fachkräfte konkurrieren. Bosch, SAP oder Siemens beobachten das mit Sicherheit sehr genau.
Peking erwägt Beschränkungen für ausländischen Zugang zu Chinas fortschrittlichsten KI-Modellen.
Klaus: Weiter geht's mit einer Meldung, die geopolitisch mindestens genauso spannend ist. Chinesische Behörden haben im vergangenen Monat mehrfach mit Alibaba, ByteDance und Z.ai zusammengesessen, um mögliche Beschränkungen für den Auslandszugang zu Chinas fortschrittlichsten KI-Modellen zu diskutieren. Peking will offenbar verhindern, dass die stärksten heimischen Modelle einfach weltweit über Schnittstellen oder Open-Source-Repositories abgerufen werden können.
Anna: Das ist eine bemerkenswerte Kehrtwende. Chinesische Open-Source-Modelle wie die von Alibaba oder DeepSeek waren gerade deshalb so wirkungsvoll auf dem Weltmarkt, weil sie frei verfügbar waren und Entwickler weltweit sie in eigene Produkte einbauen konnten. Wenn Peking den Hahn zudreht, ist das ein strategischer Bruch. Diskutiert werden laut den Berichten sogar strafrechtliche Sanktionen für Leaks von Modellgewichten und Einschränkungen für ausländische Investitionen in chinesische KI-Startups.
Klaus: Der Kontext ist natürlich das Spiegelbild zu den USA. Washington beschränkt seit Jahren, welche Chips nach China exportiert werden dürfen. Jetzt zieht Peking die Konsequenz und behandelt fortschrittliche KI als kritisches nationales Gut, das im Land bleiben soll. Wir sehen also, wie sich zwei getrennte KI-Ökosysteme herausbilden, mit unterschiedlichen Modellen, unterschiedlichen Chips und unterschiedlichen Regeln.
Anna: Für europäische Unternehmen ist das ein doppeltes Problem. Wer heute chinesische Modelle in Produkten nutzt, muss damit rechnen, dass Zugang, Lizenzbedingungen oder sogar Preise sich kurzfristig ändern. Und wer auf amerikanische Modelle setzt, hängt an einer anderen Kette. Die Debatte um digitale Souveränität, die in Berlin und Brüssel seit Jahren geführt wird, bekommt damit sehr konkrete Züge. Modelle wie Mistral oder Aleph Alpha sind plötzlich nicht nur nationale Prestigeprojekte, sondern strategische Absicherung.
Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.
SK Hynix legt größtes ausländisches Börsendebüt der US-Geschichte hin, angetrieben vom KI-Boom.
Klaus: Der südkoreanische Speicherchip-Hersteller SK Hynix hat sein American Depositary Receipt Debüt an der New Yorker Börse hingelegt, und zwar das größte in der Geschichte des US-Marktes für ein ausländisches Unternehmen. Die Aktien legten am ersten Handelstag rund dreizehn Prozent zu. Das ist ein deutliches Signal, wo Investoren die nächste Welle des KI-Booms sehen: nicht bei den bekannten Chip-Designern, sondern beim Speicher, der die KI-Beschleuniger überhaupt füttert.
Anna: Konkret geht es um sogenannten High-Bandwidth Memory, kurz Speicher mit sehr hoher Bandbreite. Der wird direkt neben die großen KI-Chips gestapelt und liefert die enorme Datenmenge, die ein KI-Modell zum Rechnen braucht. SK Hynix hält davon nach eigenen Angaben etwa sechzig Prozent des globalen Marktes. Und die Zahlen dazu sind beeindruckend: Der Betriebsgewinn im ersten Quartal 2026 stieg um zweiundsiebzig Prozent. Das ist kein schleichender Aufschwung, das ist eine echte Neubewertung des gesamten Speichergeschäfts.
Klaus: Was für Investoren spannend ist: Der Speichermarkt war über Jahrzehnte berüchtigt für seinen Zyklus. Boom, Überkapazität, Preisverfall, Krise, und wieder von vorn. Die Wette, die hinter diesem Börsengang steht, ist, dass KI diesen Zyklus grundlegend verändert hat. Die Nachfrage nach spezialisiertem Speicher für Rechenzentren wächst so schnell, dass sich die alte Achterbahn eher in eine stetige Aufwärtskurve verwandelt. Ob das wirklich so bleibt, wird man sehen, denn Samsung und Micron rüsten kräftig auf.
Anna: Für den Standort Europa ist das ein zweischneidiges Signal. Einerseits zeigt es, wie sehr Asien die Wertschöpfungskette rund um KI-Hardware dominiert. Andererseits sind Rechenzentren, die in Frankfurt, Wien oder Zürich entstehen, direkt auf diese Speicherchips angewiesen. Verzögerungen oder Preissteigerungen bei SK Hynix schlagen also unmittelbar auf die Kosten europäischer Cloud-Angebote durch.
Japan schafft den ersten Testflug seiner wiederverwendbaren Rakete RV-X.
Klaus: Von der Halbleiterbörse in den Weltraum. Japan hat gestern erfolgreich den ersten Testflug seiner experimentellen wiederverwendbaren Rakete RV-X durchgeführt. Gestartet ist sie am Noshiro Testing Center der Raumfahrtagentur JAXA, der Flug dauerte weniger als eine Minute, und die Rakete ist sicher gelandet. Das klingt bescheiden, ist aber ein wichtiger erster Schritt.
Anna: Zur Einordnung: Bei wiederverwendbaren Raketen dominiert seit Jahren SpaceX mit der Falcon 9. Alle anderen großen Raumfahrtnationen hinken hinterher. Europas Ariane 6 ist noch nicht wiederverwendbar, Chinas Programme sind im Aufbau, und auch Japan war bisher auf klassische Einwegraketen wie die H3 angewiesen. Jeder Start kostet dort einen dreistelligen Millionenbetrag, weil die Hardware nach einem Flug im Meer landet.
Klaus: Die RV-X ist deshalb explizit als Technologie-Demonstrator gedacht. Es geht nicht darum, morgen Satelliten günstiger ins All zu bringen, sondern die Grundlagen zu üben: kontrollierte Landung, wiederverwendbare Triebwerke, präzise Steuerung im Rückflug. Wenn das klappt, kann Japan mittelfristig einen Nachfolger für die H3 entwickeln, der pro Start deutlich günstiger ist und öfter fliegen kann.
Anna: Für den europäischen Raumfahrtmarkt ist das gleichzeitig Warnung und Ansporn. Die europäische Raumfahrtagentur ESA arbeitet mit dem Projekt Themis an einer eigenen wiederverwendbaren Stufe, aber der Zeitplan zieht sich. Deutsche Startups wie Isar Aerospace oder Rocket Factory Augsburg versuchen ebenfalls, mit kleinen Trägerraketen in den Markt zu kommen. Wenn Japan mit staatlichem Rückhalt jetzt Fahrt aufnimmt, wird der Wettbewerb um die kommerziellen Startaufträge enger. Und das ist für alle Beteiligten am Ende ein Gewinn, denn günstiger Zugang zum Weltraum ist die Grundlage für alles, von Erdbeobachtung bis Klimasatelliten.
Die freie Foto-Bibliothek digiKam ordnet Jahrzehnte an Fotos auf dem eigenen Rechner.
Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen ihr heute konkret etwas anfangen könnt. Das erste ist digiKam, eine freie Open-Source-Foto-Bibliothek, mit der ihr eure gesamte Fotosammlung auf dem eigenen Rechner verwaltet, statt sie in eine Cloud hochzuladen. Das Programm läuft auf Windows, macOS und Linux, es ist komplett kostenlos, und es kommt ohne Konto und ohne Abo aus.
Anna: Der praktische Punkt ist: Viele Leute haben zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre Fotos verstreut auf externen Festplatten, alten Handys und in verschiedenen Cloud-Diensten. digiKam liest all das ein und ordnet die Bilder nach Datum, Ort und sogar nach Gesichtern, wenn ihr das aktivieren wollt. Die Gesichtserkennung läuft dabei lokal, nichts geht nach außen. Für Familien mit vielen Erinnerungsfotos, die nicht bei Google oder Apple liegen sollen, ist das eine ernsthafte Lösung.
Klaus: digiKam beherrscht auch die Bearbeitung von Rohbildern, also die unverarbeiteten Dateien aus Spiegelreflex- und Systemkameras. Damit ersetzt es für viele Hobbyfotografen ein Abo bei einem großen Bildbearbeiter. Nutzer berichten, dass gerade die Verschlagwortung sehr flexibel ist, sodass man später gezielt nach Orten, Personen oder Ereignissen suchen kann.
Anna: Was den Einstieg leichter macht: Es gibt eine große Community und viele Tutorials auf Deutsch. Wer bisher zögert, seine Fotos aus Google Fotos oder iCloud herauszuziehen, findet in digiKam einen Landeplatz, der langfristig trägt. Wichtiger Hinweis: Legt vorher eine Sicherungskopie eurer Bilder an, denn wer Bibliotheken mit Zehntausenden Fotos importiert, will keine bösen Überraschungen erleben.
Der freie Videoeditor OpenShot bringt professionellen Videoschnitt ohne Abo auf den Rechner.
Klaus: Und der zweite Tipp für heute: OpenShot, ein freier Open-Source-Videoeditor. Der läuft auf Windows, macOS und Linux, ist kostenlos, und macht ernsthaften Videoschnitt möglich, ohne dass ihr ein monatliches Abo bei einem großen Anbieter zahlen müsst.
Anna: OpenShot richtet sich an Menschen, die Familienvideos schneiden, Urlaubsclips zusammenstellen oder kleinere YouTube-Beiträge produzieren wollen. Die Oberfläche ist bewusst einfach gehalten: Videospuren übereinander legen, Übergänge per Drag and Drop einfügen, Musik dazu, Titel drüber, exportieren. Das Programm unterstützt gängige Formate und kann direkt in Auflösungen für Instagram, YouTube oder Vimeo ausgeben.
Klaus: Für ambitionierte Anwender gibt es auch Ebenen für Effekte, Zeitlupe, Chroma-Key für Greenscreen-Aufnahmen und Animationen von Titeln. Es ersetzt keinen professionellen Schnittplatz für Kinoproduktionen, aber für alles bis zur Vereinsvideo-Ebene reicht es locker. Nutzer heben besonders hervor, dass sich das Programm auch auf älterer Hardware noch flüssig bedienen lässt.
Anna: Und der Datenschutz-Aspekt ist bei einem Videoeditor gar nicht so nebensächlich, wie er klingt. Wer seine Videos in einer Online-Plattform schneidet, lädt oft private Aufnahmen auf fremde Server hoch. OpenShot arbeitet komplett lokal, nichts geht nach außen. Für Vereine, Schulen oder kleine Selbständige, die keine Cloud-Verpflichtungen eingehen wollen, ist das ein echter Vorteil.
Klaus: Kurz zusammengefasst: Herunterladen auf openshot.org, installieren, loslegen. Für die ersten Schritte gibt es deutsche Video-Tutorials, und die Community-Foren helfen bei Detailfragen. Ein Nachmittagsprojekt, an dessen Ende ein fertiger Clip steht.
Anna: Heute ging es um Apples Klage gegen OpenAI wegen abgeworbener Mitarbeiter, Chinas Überlegungen, den Auslandszugang zu seinen KI-Modellen einzuschränken, SK Hynix und das größte ausländische Börsendebüt in New York, Japans ersten Testflug der wiederverwendbaren RV-X-Rakete, die freie Foto-Bibliothek digiKam und den kostenlosen Videoeditor OpenShot.
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Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.