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Samstag, 11. Juli 2026 · 10:51

Bank of England warnt vor KI-Risiken, 2 Mrd. Dollar für Quantencomputer & AI² mit 735 Mio.

The State of Tech DE vom Samstag, 11. Juli 2026: Die Bank of England warnt in ihrem Stabilitätsbericht vor systemischen KI-Risiken im Finanzsektor – von Cyberangriffen bis zum KI-getriebenen Herdentrieb an den Märkten. Außerdem: Das Weiße Haus investiert über zwei Milliarden Dollar in amerikanische Quantencomputer, der chinesische Robotikhersteller AI² sichert sich 735 Millionen Dollar für Humanoide auf Rädern, ASUS und Dell bringen neue KI-PCs mit lokalen Neural-Chips, und als praktische Tools stellen wir den Passwort-Manager KeePassXC und das Schreibwerkzeug NovelCrafter vor.

KI Finanzsektor Quantencomputing Robotik KI-PCs Datenschutz

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Transkript

Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Samstag, der elfte Juli 2026. Ich bin Anna Hoffmann.

Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute im Programm: Die Bank of England warnt vor systemischen KI-Risiken im Finanzsektor. Das Weiße Haus legt über zwei Milliarden Dollar auf den Tisch für amerikanische Quantencomputer. Der chinesische Robotikhersteller AI² sammelt 735 Millionen Dollar für Humanoide auf Rädern. ASUS und Dell bringen eine neue Welle KI-PCs mit Neural-Chips direkt im Gerät. Dazu zwei Sachen, mit denen ihr heute konkret etwas anfangen könnt: der freie Passwort-Manager KeePassXC und das Schreibwerkzeug NovelCrafter für lange Projekte. Fangen wir an.

Die Bank of England warnt, dass der KI-Boom die Risikokarte des globalen Finanzsystems still und leise umschreibt.

Anna: Die Bank of England hat in ihrem halbjährlichen Stabilitätsbericht einen der deutlichsten Warnschüsse bisher in Sachen künstliche Intelligenz im Finanzsystem abgegeben. Der schnelle Einsatz von KI in Banken, Versicherungen und im Handel öffne neue Angriffsflächen für Cyberattacken und könne Marktschocks verstärken. Es geht dabei nicht um einen einzelnen Vorfall, sondern um die schiere Menge: mehr KI-Systeme, mehr Datenflüsse, mehr Drittanbieter, alles miteinander verzahnt.

Klaus: Und genau dieser Verzahnungspunkt ist der, an dem die Notenbank Druck aufbaut. Eine Handvoll kritischer Technologieanbieter sitzt inzwischen unter einem Großteil der europäischen Finanzinfrastruktur. Wird einer davon kompromittiert, oder verhält sich ein KI-Modell unter Stress plötzlich anders als erwartet, breitet sich das rasant aus. Die Aufsicht drängt die Institute weg vom klassischen Checklisten-Ansatz und hin zu dauerhafter Cyber-Widerstandsfähigkeit: ständiges Testen, ständiges Beobachten und die Grundannahme, dass irgendwo garantiert etwas schiefgeht.

Anna: Dazu kommt ein Marktverhaltens-Aspekt, der wenig Beachtung findet. Wenn viele Banken und Hedgefonds ähnliche KI-Modelle für Handels- und Risikoentscheidungen nutzen, sehen ihre Reaktionen auf einen Schock plötzlich fast identisch aus. Herdentrieb, aber getrieben von Maschinen statt Menschen, kann aus einem kleinen Wackler einen großen Ausverkauf machen. Die Bank of England fragt letztlich, ob Aufseher überhaupt verstehen, wie sich diese Modelle im Zusammenspiel verhalten, wenn die Märkte kippen.

Klaus: Die BaFin hat schon länger auf ausgelagerte IT-Risiken hingewiesen, und mit dem europäischen Regelwerk DORA gibt es seit diesem Jahr scharfe Anforderungen an die digitale Betriebsstabilität. Der Londoner Aufschlag dürfte diese Debatte in der Eurozone eher beschleunigen als beruhigen.

Das Weiße Haus pumpt über zwei Milliarden Dollar in amerikanische Quantencomputer und will damit den industriellen Durchbruch erzwingen.

Anna: Washington hat ernsthaft Geld auf Quantencomputing gelegt. Das Weiße Haus hat Anreize von mehr als zwei Milliarden Dollar für neun amerikanische Quantenunternehmen angekündigt, verknüpft mit einem breiteren Vorstoß, sogenannte fehlerkorrigierte Quantencomputer im Industriemaßstab zu bauen. Das Paket ist an eine Benchmark-Initiative der US-Forschungsagentur DARPA gekoppelt, die durch den Hype schneiden und herausfinden soll, welche Ansätze bis 2033 realistisch nutzbare Maschinen liefern können.

Klaus: Der Rahmen dabei ist interessant. Jahrelang hing Quantencomputing irgendwo zwischen Physiklabor und Investoren-Präsentation. Was die USA jetzt versuchen, ist ein datengetriebener Realitätscheck: Welche Qubit-Designs skalieren wirklich, welche Fehlerkorrektur hält, und welche Firmen sind das öffentliche Geld wert? Das ist ein Wechsel vom Fördern reiner Wissenschaft hin zum Küren industrieller Champions, und es setzt jede andere Weltregion unter Zugzwang, die im Spiel bleiben will.

Anna: Europa hat durchaus ernsthafte Quantenforschung, von Delft über Grenoble bis München, und Firmen wie Pasqal, IQM und das Siegener Unternehmen eleQtron bauen echte Hardware. Aber die Förderung ist zersplittert zwischen nationalen Programmen und dem EU-Quantum-Flagship, und sie kommt nicht mal in die Nähe von zwei Milliarden Dollar in einem Zug.

Klaus: Es gibt außerdem eine Sicherheitsdimension. Wer zuerst leistungsstarke Quantencomputer betreibt, kommt am ehesten an heutige Verschlüsselung heran. Für Behörden und kritische Infrastruktur in Berlin, Wien und Bern ist das keine Zukunftsfrage mehr, sondern eine der Migration hin zu quantenresistenten Verfahren.

Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.

Der chinesische Robotik-Hersteller AI² sammelt 735 Millionen Dollar für humanoide Roboter, die auf Rädern statt auf Beinen fahren.

Klaus: Das in Shenzhen ansässige Unternehmen AI² Robotics hat eine Finanzierungsrunde von rund 735 Millionen Dollar abgeschlossen und wird damit auf über drei Milliarden Dollar bewertet. Die Geldgeber sind eine bemerkenswerte Mischung aus staatsnahen Einrichtungen, Industrieunternehmen und Finanzinvestoren, was zeigt, wie strategisch China dieses Feld inzwischen einordnet. AI² baut nicht den laufenden, springenden Humanoiden aus den bekannten Demovideos. Die Roboter haben einen humanoiden Oberkörper und fünffingrige Hände, sitzen aber auf Rädern.

Anna: Diese Designentscheidung ist wichtiger, als sie klingt. Beine sind teuer, komplex und in Lagerhallen, Fabriken oder Krankenhäusern mit flachem Boden oft unnötig. Wer auf Räder setzt, kommt zu Maschinen, die einfacher zu bauen, günstiger zu warten und schneller zu skalieren sind. Das Unternehmen selbst nennt es mechanische Schlichtheit und Haltbarkeit als Priorität; für Kunden heißt das in der Praxis kürzere Amortisationszeiten.

Klaus: Und genau dort wird der Wettbewerbsdruck auf Europa greifbar. Chinesische Robotikfirmen bekommen jetzt die Art von Kapital, mit dem sich Hardware schnell iterieren und beim Preis kräftig unterbieten lässt. Europäische Anbieter in der Industrierobotik, von ABB über KUKA in Augsburg bis zu neueren Start-ups, haben viel Erfahrung, arbeiten aber meist mit kleineren Finanzierungsrunden.

Anna: Auch in Brüssel wird bereits diskutiert, wie mit dieser Kapitalasymmetrie umzugehen ist. Ob über Beihilferahmen, Zölle oder gezielte Fördermittel für europäische Robotik, das ist noch offen, aber die Debatte dürfte deutlich lauter werden.

ASUS und Dell schieben eine neue Welle KI-PCs auf den Markt, mit spezialisierten Chips für lokale KI direkt im Gerät.

Klaus: Die KI-PC-Erzählung ist diese Woche einen Schritt weitergerückt. ASUS hat in Indien neue Vivobook-Notebooks vorgestellt, die um Intel-Prozessoren mit einer speziellen KI-Recheneinheit gebaut sind, im Grunde ein zusätzlicher Chip im Laptop, der KI-Aufgaben lokal übernimmt. Dell hat mit einer neuen Pro-Precision-Reihe für Ingenieure und Designer nachgelegt und dazu eine Deskside-KI-Maschine für Teams, die größere Modelle ohne Cloud-Anbieter betreiben wollen.

Anna: Interessant ist nicht das einzelne Produkt, sondern dass die Branche still das Grundgerüst eines normalen Computers umbaut. Jahrelang haben Hauptprozessor und Grafikchip die Arbeit gemacht. Jetzt kommt eine dritte Komponente dazu, deren einziger Job ist, KI-Modelle effizient auf dem Schreibtisch laufen zu lassen, ohne dass Daten irgendwohin verschickt werden. Das heißt: schnellere Transkription, bessere Suche in eigenen Dateien und Bild- oder Videowerkzeuge ohne monatliches Abo bei einem Cloud-Anbieter.

Klaus: Für Käufer im DACH-Raum ist das aus zwei Gründen relevant. Beim Preis rücken diese Maschinen in die Mittelklasse, nicht mehr nur ins absolute Premiumsegment, und das dürfte den nächsten Erneuerungszyklus in Büros beschleunigen. Beim Datenschutz ist lokale KI unter der DSGVO ein starkes Argument: Personalakten, sensible Verträge oder Patientendaten können auf dem Gerät verarbeitet werden, statt in eine US- oder chinesische Cloud zu wandern.

Anna: Der Haken ist die Software. Die Hardware kommt schneller als die Programme, die diese Chips wirklich ausnutzen. Für den Moment heißt das: Nicht wegen einer Zahl auf dem Datenblatt kaufen, sondern schauen, welche Anwendungen im eigenen Alltag tatsächlich schon lokale KI nutzen.

Ein freier Passwort-Manager, der endlich die Zettel unter der Tastatur überflüssig macht.

Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, die ihr am Wochenende ausprobieren könnt. Der erste Fund ist KeePassXC, ein freier Open-Source-Passwort-Manager, der bei Menschen beliebt ist, die ihr komplettes digitales Leben nicht einem großen Cloud-Anbieter anvertrauen wollen. Er läuft unter Windows, macOS und Linux, und über kompatible Client-Apps funktioniert das Ganze auch reibungslos auf iPhone und Android.

Anna: Das Prinzip ist einfach. KeePassXC speichert alle Passwörter in einer einzigen verschlüsselten Datei auf dem eigenen Gerät. Man entsperrt sie mit einem starken Master-Passwort, und von da an füllt das Programm Logins aus, generiert lange Zufallspasswörter für neue Konten und warnt, wenn man dasselbe Passwort über mehrere Dienste wiederverwendet. Weil die Datei auf dem eigenen Rechner liegt, wird nichts an die Server einer Firma geschickt, es sei denn, man synchronisiert die Datei aktiv selbst, etwa über einen eigenen Cloud-Speicher.

Klaus: Für Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich um den Speicherort ihrer Daten Sorgen machen, ist dieses Selbsthosten ein großer Teil des Reizes. Kein Abo, kein Konto, kein Anbieter, der gehackt werden und einen Tresor voller Passwörter verlieren könnte. Sicherheitsforscher loben das Projekt regelmäßig für Transparenz und solide Wartung, und es wurde in den vergangenen Jahren mehrfach unabhängig geprüft.

NovelCrafter ist ein KI-Schreibwerkzeug, das speziell für lange, strukturierte Projekte gebaut ist.

Anna: Der zweite Fund ist NovelCrafter, ein KI-gestütztes Schreibwerkzeug, das gerade viel Aufmerksamkeit von Autorinnen, Drehbuchschreibern und allen bekommt, die an einem langen Projekt sitzen. Anders als ein allgemeiner Chatbot ist NovelCrafter um die Struktur herum gebaut, wie ein Buch oder Drehbuch tatsächlich funktioniert: Kapitel, Szenen, Figurenprofile, Weltenbau-Notizen und eine Zeitleiste, die alles synchron hält.

Klaus: Der clevere Teil ist der Umgang mit der KI. Man schreibt den eigenen Text, und der Assistent arbeitet gewissermaßen am Rand mit: Er schlägt Fortsetzungen vor, wenn es hakt, er behält im Blick, welche Figur zu welchem Zeitpunkt was weiß, und meldet, wenn die Augenfarbe eines Charakters in Kapitel zwölf plötzlich wechselt. In Foren beschreiben Nutzer NovelCrafter oft als eine Mischung aus Recherche-Assistent und Continuity-Redakteur, nicht als Maschine, die einem das Buch abnimmt.

Anna: Das Werkzeug läuft komplett im Browser, es gibt also nichts zu installieren, und es funktioniert auf jedem Laptop. Es gibt eine kostenlose Stufe, mit der man die Kernfunktionen ausprobieren kann, und bezahlte Pläne, die mehr KI-Guthaben freischalten und erlauben, das bevorzugte Modell einzubinden, etwa Optionen von Anthropic oder OpenAI. Für Nutzerinnen in Europa ist die Wahl des Modells nützlich, wenn es darauf ankommt, wo der eigene Text verarbeitet wird.

Klaus: Eine ehrliche Einordnung fehlt nicht: Rezensenten weisen konsequent darauf hin, dass die KI dann am meisten hilft, wenn man selbst schon eine klare Vorstellung hat. Ein Bestseller-Automat ist das nicht. Aber für alle, die auf ein halbfertiges Manuskript starren, kann NovelCrafter das Werkzeug sein, das die Sache wieder in Bewegung bringt.

Anna: Heute ging es um die Warnung der Bank of England vor KI-Risiken im Finanzsystem, das Zwei-Milliarden-Dollar-Paket des Weißen Hauses für Quantencomputer, die riesige Finanzierung des chinesischen Robotik-Herstellers AI² für Humanoide auf Rädern, die neuen KI-PCs und Workstations von ASUS und Dell mit lokalen KI-Chips, den freien Passwort-Manager KeePassXC und das Schreibwerkzeug NovelCrafter für lange Projekte.

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