Donnerstag, 9. Juli 2026 · 12:41
GPT-5.6 vs. Grok 4.5, 157.000 fehlende Chipfachkräfte in den USA
The State of Tech DE vom Donnerstag, 9. Juli 2026: OpenAI und xAI bringen am selben Tag neue Spitzen-KI-Modelle heraus, während den USA bis 2030 fast 157.000 Chipfachkräfte fehlen. Keeper Security knackt die 225-Millionen-Dollar-Umsatzmarke durch explodierende KI-Agenten-Zugänge, und Google startet Gemini for Science für Forscher weltweit. Außerdem: KI-Netzhaut-Screening EyeArt auf dem Vormarsch in Alltagspraxen und die kostenlose Reiseplattform Rome2Rio für Europareisen.
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Transkript
Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Donnerstag, der neunte Juli 2026. Ich bin Anna Hoffmann.
Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute: OpenAI und xAI bringen am selben Tag zwei neue KI-Spitzenmodelle heraus. Den amerikanischen Chipfabriken fehlen bis 2030 fast hundertsechzigtausend Fachkräfte. Der Sicherheitsanbieter Keeper knackt die zweihundertfünfundzwanzig Millionen Dollar Umsatzmarke, getrieben von KI-Agenten in Unternehmen. Google startet Gemini for Science für Forscher weltweit. Danach zwei Sachen, mit denen du heute konkret etwas anfangen kannst: das KI-Netzhaut-Screening EyeArt und die kostenlose Reiseplattform Rome2Rio. Los geht's.
OpenAI und xAI bringen am selben Tag neue Spitzen-KI-Modelle heraus.
Anna: Wir starten mit der wahrscheinlich größten Tech-Nachricht des Tages. OpenAI beginnt heute mit der öffentlichen Einführung seiner neuen Modellfamilie GPT-5.6. Die kommt in drei Stufen: das Flaggschiff heißt Sol, das Alltagsmodell Terra und die günstige Variante Luna. Und ausgerechnet am gleichen Morgen bringt Elon Musks xAI sein neues Modell Grok 4.5 auf den Markt. Zwei der größten Namen in der KI-Welt liefern sich also am selben Tag ein direktes Duell.
Klaus: Interessant ist die Art und Weise, wie OpenAI das kommuniziert. Sie betonen große Fortschritte beim Programmieren, in der Wissenschaft und bei der Cybersicherheit, sprechen aber gleichzeitig offen von erhöhten Risiken im Cyber- und Biobereich. Das ist keine übliche Marketing-Sprache. Es klingt eher so, als seien die Modelle so leistungsfähig, dass sich OpenAI selbst gedrängt fühlt, die Schattenseiten direkt mitzunennen. Der Wechsel der Namensgebung, weg von Versionsnummern hin zu Sol, Terra und Luna, deutet außerdem darauf hin, dass man das Ganze künftig eher als Produktfamilie vermarkten möchte.
Anna: Für Nutzer und Unternehmen im DACH-Raum bedeutet das zunächst mehr Auswahl an der Spitze. Wenn zwei Anbieter am selben Tag liefern, drückt das erfahrungsgemäß Preise und hebt die Qualität. Weniger komfortabel ist die regulatorische Seite. Der EU AI Act ist inzwischen der Referenzrahmen für alles, was als hochriskant gilt. Modelle, deren Hersteller selbst von erhöhten Cyber- und Biorisiken sprechen, werden Aufsichtsbehörden in Brüssel und Berlin genau anschauen.
Klaus: Und das trifft direkt auch deutsche Unternehmen, die diese Modelle einsetzen wollen. Der Bitkom weist seit Monaten darauf hin, dass die Prüfpflichten für Firmen erheblich anwachsen, sobald ein Modell in kritischen Bereichen genutzt wird. In der Praxis heißt das: wer in einer Bank, einem Krankenhaus oder bei einem Automobilzulieferer Sol oder Grok 4.5 produktiv einsetzen will, wird Dokumentation und Risikoprüfung brauchen. Kritiker warnen bereits, dass kleinere Unternehmen bei diesem Tempo kaum noch mitkommen. Der Wettlauf zwischen OpenAI und xAI verschärft also nicht nur den technischen Wettbewerb, sondern auch den regulatorischen Druck in Europa.
Fachkräftemangel bedroht den gesamten US-Chip-Bauboom bis 2030.
Anna: Weiter geht's, und dieses Thema handelt ausnahmsweise mal nicht von KI-Modellen, sondern von der physischen Welt darunter. Den USA droht ein handfestes Problem: sie haben nicht genug ausgebildete Fachkräfte, um die Chipfabriken, die sie gerade bauen, tatsächlich zu betreiben. Ein neuer Bericht, gestützt auf Analysen von McKinsey, dem Branchenverband SEMI und der National Science Foundation, prognostiziert einen Fehlbestand von bis zu hundertsiebenundfünfzigtausend Vollzeitkräften bis 2030. Es geht um Ingenieure, Techniker, Spezialisten, also genau die Leute, die eine Halbleiterfabrik am Laufen halten.
Klaus: Die genannten Bundesstaaten sind genau die, die man erwartet: Texas, Kalifornien, Arizona, New York und Ohio. Überall dort entstehen riesige neue Anlagen. Washington hat enorm viel öffentliches Geld eingesetzt, um die Chipproduktion zurück auf amerikanischen Boden zu holen. Aber Beton lässt sich eben deutlich schneller gießen, als man einen Prozessingenieur ausbilden kann. Und Fabriken ohne Personal produzieren keine Chips, sondern sehr teure leere Hallen.
Anna: Der Effekt für Europa ist direkt. Die EU hat mit ihrem eigenen Chips Act ähnliche Ambitionen. In Magdeburg entsteht die neue Intel-Anlage, in Dresden erweitert TSMC gemeinsam mit Infineon, Bosch und NXP. Alle fischen im selben Talentpool. Der Branchenverband Silicon Saxony warnt schon länger, dass in Sachsen allein tausende qualifizierte Fachkräfte fehlen. Wenn die USA also Löhne anheben, um ihre Werke zu besetzen, spüren wir das in Sachsen und Magdeburg direkt.
Klaus: Es stärkt außerdem ein Argument, das man in der Branche seit Jahren hört: Taiwan bleibt vorerst unersetzlich, weil dort das ausgebildete Personal einfach da ist. Der Rest der Welt kann noch so viele Milliarden in Fabriken stecken, ohne Techniker läuft nichts. Für Deutschland heißt das, die Debatte um Ausbildungsplätze, Fachkräftezuwanderung und duale Studiengänge in der Halbleitertechnik wird noch dringlicher, als sie ohnehin schon ist.
Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.
Sicherheitsanbieter Keeper wächst auf zweihundertfünfundzwanzig Millionen Dollar, KI-Agenten treiben das Geschäft.
Klaus: Dritte Geschichte. Keeper Security, ein Anbieter für digitale Identitätssicherheit, hat heute bekannt gegeben, die Marke von zweihundertfünfundzwanzig Millionen Dollar wiederkehrendem Jahresumsatz überschritten zu haben. Für sich genommen ist das ein Geschäftserfolg. Interessant wird die Zahl aber durch den Grund dahinter. Keeper schützt nach eigenen Angaben inzwischen mehr als fünfundneunzigtausend Organisationen, darunter Konzerne und Regierungsbehörden. Der Treiber ist etwas, das in großen Firmen gerade explodiert: sogenannte nicht-menschliche Identitäten.
Anna: Also im Klartext: Zugänge, die nicht von einem Menschen genutzt werden, sondern von einem Programm, einem Skript oder zunehmend von einem KI-Helfer. Jedes Mal, wenn ein Unternehmen einen KI-Agenten einsetzt, der E-Mails lesen, Termine buchen oder Datenbanken abfragen darf, braucht dieser Agent eigene Anmeldedaten. Multipliziert man das mit hunderten Prozessen und tausenden Beschäftigten, hat eine Firma plötzlich weit mehr Maschinen-Logins als Mitarbeiter-Logins. Und jeder dieser Zugänge ist eine potenzielle Tür für Angreifer.
Klaus: Und hier werden die Zahlen unbequem. In vielen Unternehmen übersteigen Maschinenidentitäten die menschlichen Identitäten längst deutlich, und KI-Agenten beschleunigen diese Kurve weiter. Wer nicht weiß, welche Bots und Agenten in der eigenen Firma worauf Zugriff haben, kann diesen Zugang auch nicht absichern. Genau das ist die Wachstumsgeschichte hinter Keeper, und deshalb drängen Wettbewerber gerade massiv in dieses Feld.
Anna: Für Firmen im DACH-Raum ist das sehr konkret. Der AI Act, die neue NIS2-Richtlinie und die bestehende DSGVO verlangen alle nachvollziehbare Kontrolle darüber, wer oder was auf personenbezogene Daten zugreift. Das BSI weist in seinem aktuellen Lagebericht ausdrücklich darauf hin, dass verwaiste Maschinenkonten zu den am meisten unterschätzten Sicherheitsrisiken gehören. Für IT-Abteilungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz heißt das: bevor man den nächsten KI-Agenten ausrollt, sollte man wissen, wie viele Zugänge er bekommt und wer sie am Ende wieder abschaltet.
Google startet Gemini for Science als KI-Werkzeug für die Forschung.
Klaus: Viertes Thema, und ein großer Schritt von Google. Das Unternehmen startet heute etwas namens Gemini for Science, eine Initiative, die sich direkt an Forscher richtet. Die Idee: Googles KI-Modelle werden mit einer Reihe von Werkzeugen kombiniert, die Wissenschaftlern helfen sollen, die Flut veröffentlichter Studien zu durchforsten, Muster in komplexen Daten zu erkennen und sogar neue Hypothesen zu formulieren und zu testen.
Anna: Google stellt dafür einige seiner bekanntesten Werkzeuge unter ein gemeinsames Dach. AlphaFold, das die Faltung von Proteinen berechnet, AlphaGenome, das krankheitsrelevante Gene erkennt, und neue Recherche-Engines für Bereiche wie Sonnenenergie-Vorhersagen und Epidemiologie. Der Pitch dahinter: kein einzelner Forscher kann noch mithalten mit der Menge an Wissenschaft, die jede Woche publiziert wird. Gemini for Science soll wie ein unermüdlicher Rechercheassistent arbeiten, der alles liest, Verbindungen zieht und vorschlägt, welche Experimente sich wirklich lohnen.
Klaus: Wenn man tausende Hypothesen erst in der Software durchspielen kann, bevor man Geld für echte Experimente ausgibt, könnte das die Art, wie Forschung funktioniert, tatsächlich verändern. AlphaFold hat das für die Strukturbiologie schon einmal getan und den Machern einen Nobelpreis eingebracht. Für die europäische Wissenschaft ist das zweischneidig. Universitäten wie die ETH Zürich, die TU München oder die Charité in Berlin bekommen damit Werkzeuge, die sie selbst niemals bauen könnten. Kleinere Labore könnten davon besonders profitieren.
Anna: Auf der anderen Seite wächst die Abhängigkeit. Wenn die Werkzeuge, die Hypothesen erzeugen, ausgerechnet einem einzigen US-Konzern gehören, stellt sich die Frage nach digitaler Souveränität in der Forschung neu. Die Helmholtz-Gemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft haben in den vergangenen Monaten bereits darauf hingewiesen, dass europäische Forschung eine eigene KI-Infrastruktur braucht. Gemini for Science macht diese Debatte heute noch dringlicher, denn kostenlose oder günstige Werkzeuge sind bequem, aber sie prägen langfristig auch, welche Fragen überhaupt gestellt werden.
KI-Netzhaut-Screening wächst rasant, EyeArt bringt die Technik in Alltagspraxen.
Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen du heute konkret etwas anfangen kannst. Zuerst ein Blick darauf, wo KI ganz leise in die Medizin einzieht. Neue Marktzahlen von heute prognostizieren, dass der globale Markt für KI-gestütztes Augen-Screening von rund hundertfünfzig Millionen Dollar in diesem Jahr auf etwa eine Komma eins sieben Milliarden Dollar bis 2032 wächst. Das ist ein jährliches Wachstum von fast siebenunddreißig Prozent, angetrieben von Kliniken und Praxen, die KI-Werkzeuge einsetzen, um Netzhauterkrankungen wie diabetische Retinopathie früh zu erkennen.
Anna: Ein konkretes Werkzeug hinter diesem Trend heißt EyeArt, entwickelt von einer Firma namens Eyenuk. Es ist ein KI-System, das Netzhautfotos aus einer ganz gewöhnlichen Kamera analysiert und innerhalb von Sekunden Anzeichen für diabetische Augenerkrankungen markiert, ohne dass ein Facharzt anwesend sein muss. Es ist sowohl in den USA als auch in Europa als Medizinprodukt zugelassen und kommt in einigen Ländern bereits in Kliniken, Hausarztpraxen und sogar Apotheken zum Einsatz.
Klaus: Für Hörerinnen und Hörer ist EyeArt nichts, was man am Nachmittag auf dem Handy installiert. Aber es ist etwas, nach dem man beim nächsten Arzttermin fragen kann. Wer Diabetes hat oder Augenerkrankungen in der Familie, für den ist ein KI-gestützter Netzhaut-Scan immer öfter Teil der normalen Vorsorge und ersetzt einen separaten Termin beim Augenarzt. Ärzte berichten, dass EyeArt viele frühe Fälle erkennt, die sonst übersehen würden, einfach weil der Scan nur Minuten dauert.
Anna: In Deutschland arbeiten Krankenkassen wie die AOK und die Techniker bereits mit Diabetes-Vorsorgeprogrammen, in die solche Werkzeuge zunehmend eingebettet werden. Der wichtigere Punkt ist: KI in der Medizin verlässt endlich die Hochglanz-Demos und landet dort, wo Patienten sie tatsächlich erleben, nämlich in der ganz normalen Praxis um die Ecke.
Rome2Rio ist die kostenlose Reise-App, die jede Verbindung durch Europa in Sekunden zeigt.
Klaus: Und für den zweiten Fund etwas, das man wirklich heute Nachmittag auf dem Handy öffnen kann. Mit der Fußball-WM 2026 vor der Tür und der Sommerreisezeit in vollem Gange ist ein oft übersehenes Werkzeug besonders nützlich: Rome2Rio. Das ist eine kostenlose Reise-Website und App, die alle Möglichkeiten von A nach B anzeigt, egal ob Zug, Bus, Fähre, Flug oder Auto, alles auf einem Bildschirm.
Anna: Was Rome2Rio in Europa besonders praktisch macht, ist die Breite der Anbieter. Regionale Züge in Italien, Fähren zwischen griechischen Inseln, Nachtbusse quer durch den Balkan, kleinere Billigflieger, die in den großen Buchungsportalen gar nicht auftauchen. Man tippt zum Beispiel München nach Lissabon ein und bekommt den Direktflug, die zweitägige Bahnverbindung und alles dazwischen, mit geschätzten Preisen und Reisezeiten. Das spart erfahrungsgemäß Geld, weil Optionen sichtbar werden, die die üblichen Buchungsseiten verstecken.
Klaus: Rome2Rio ist kostenlos, läuft im Browser oder als App für iPhone und Android und braucht für einfache Suchen kein Konto. Nutzer berichten immer wieder, dass es besonders bei Reisen über mehrere Länder hilft, oder wenn man in kleinere Städte will, für die kein offensichtlicher Direktflug existiert. Rome2Rio bucht das Ticket nicht immer selbst, verweist aber auf den richtigen Anbieter, und das ist meist schon die halbe Miete. Ein schneller, kostenloser Nicht-KI-Tipp, der Reisen in Europa spürbar entspannter macht.
Klaus: Heute ging es um: das doppelte KI-Debüt von OpenAIs Sol, Terra und Luna und Musks Grok 4.5, den drohenden Fachkräftemangel in den amerikanischen Chipfabriken, Keeper Security und die Explosion von Maschinen-Identitäten durch KI-Agenten, Googles Gemini for Science für die Forschung, das KI-Augen-Screening EyeArt in Praxen und Kliniken und die kostenlose Reiseplattform Rome2Rio für alle, die diesen Sommer durch Europa reisen.
Anna: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.
Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.