Montag, 6. Juli 2026 · 12:50
UN startet KI-Regulierungsdialog, Samsung überholt Nvidia beim Gewinn
The State of Tech DE vom Montag, 6. Juli 2026: Die Vereinten Nationen starten in Genf den ersten globalen KI-Regulierungsdialog, während Wissenschaftler vor unkontrollierter Entwicklung warnen. Samsung steht kurz davor, Nvidia als profitabelstes Tech-Unternehmen abzulösen, und Micron investiert neun Milliarden Dollar in eine neue Speicherfabrik in Hiroshima. Außerdem: Tesla deckelt KI-Ausgaben pro Mitarbeiter, plus zwei kostenlose Open-Source-Tools zum Ausprobieren.
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Transkript
Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Montag, der sechste Juli 2026. Ich bin Anna Hoffmann.
Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute geht es um diese sechs Themen: Die Vereinten Nationen starten in Genf den ersten globalen KI-Regulierungsdialog, und die Wissenschaftler warnen deutlich. Samsung steht kurz davor, Nvidia als profitabelstes Tech-Unternehmen der Welt abzulösen, dank KI-Speicher. Micron beginnt in Hiroshima den Bau einer neun Milliarden Dollar teuren Speicherfabrik mit massiver Staatsförderung. Tesla deckelt intern die KI-Ausgaben pro Mitarbeiter auf zweihundert Dollar pro Woche, weil die Token-Rechnungen aus dem Ruder laufen. Dann zwei Sachen zum Ausprobieren: LibrePhotos, eine kostenlose Foto-Verwaltung für den eigenen Rechner. Und Transportr, eine werbefreie Fahrplan-App für europäische Städte. Fangen wir an.
UN startet in Genf ersten globalen KI-Regulierungsdialog, Wissenschaftler warnen vor unkontrollierter Entwicklung.
Anna: In Genf hat heute der erste Global Dialogue on AI Governance der Vereinten Nationen begonnen, und die Ausgangslage ist bemerkenswert. Zwei Tage lang sitzen Regierungen, Unternehmen, Wissenschaftler und Vertreter der Zivilgesellschaft an einem Tisch, und der Startpunkt ist eine Warnung. Ein Vorbericht des unabhängigen internationalen Wissenschaftspanels für KI schreibt, dass die Technologie sich schneller entwickelt, als Forschung und Politik hinterherkommen. Und, das ist die auffällige Formulierung: katastrophale Schäden könne man nicht ausschließen. Das ist ungewöhnlich deutliche Sprache für ein UN-Gremium.
Klaus: Der Dialog selbst soll die Grundlagen für internationale Zusammenarbeit legen. Also gemeinsame Standards für Cybersicherheit, für die digitale Kluft und dafür, dass die Vorteile von KI nicht nur bei einer Handvoll amerikanischer und chinesischer Konzerne landen. Und das folgt auf Jahre voller fragmentierter nationaler Regeln, vom europäischen AI Act über freiwillige Zusagen in Washington bis zu Vorgaben in Peking, die alle nicht miteinander sprechen.
Anna: Und Europa ist in Genf ziemlich präsent. Brüssel versucht seit Monaten, den risikobasierten Ansatz des AI Acts als globalen Standard zu etablieren, ähnlich wie es der Datenschutzverordnung DSGVO vor zehn Jahren gelungen ist. Ob das auf UN-Ebene funktioniert, ist offen, denn Washington und Peking haben sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was Governance eigentlich heißen soll. Für die DACH-Region ist das durchaus relevant. Deutsche und österreichische Aufsichtsbehörden sitzen mit am Tisch, und die Umsetzung des AI Acts liegt derzeit in den Händen genau dieser nationalen Stellen. Wenn Genf zumindest eine gemeinsame Sprache über Risiken schafft, erleichtert das die Arbeit hier.
Klaus: Die Spannung im Raum ist trotzdem greifbar. Auf der einen Seite Wissenschaftler, die vor existenziellen Risiken warnen, auf der anderen Seite nationale Delegationen, die ihre eigene KI-Industrie schützen wollen. Die zwei Tage werden wahrscheinlich keine bindenden Regeln bringen, aber sie sind ein erster Versuch, dass die Welt überhaupt in einem Raum über dieses Thema spricht.
Samsung steht kurz davor, Nvidia als profitabelstes Tech-Unternehmen der Welt abzulösen.
Anna: Weiter nach Seoul, wo Samsung Electronics vor einem symbolträchtigen Moment steht. Prognosen für die Quartalszahlen, die morgen erwartet werden, sprechen von rund fünfundachtzig Billionen Won operativem Gewinn, also etwa fünfundfünfzig Milliarden Dollar. Wenn diese Zahl hält, überholt Samsung Nvidia und wird nach Quartalsgewinn das profitabelste Tech-Unternehmen der Welt. Der Treiber sind nicht Smartphones oder Fernseher, sondern Speicherchips. Konkret der sogenannte High-Bandwidth-Speicher, der direkt neben KI-Prozessoren in Rechenzentren sitzt.
Klaus: Jedes Mal, wenn Meta, Microsoft oder ein europäischer Cloud-Anbieter mehr KI-Server bestellt, bestellt er auch eine große Ladung dieser spezialisierten Speicherchips. Samsung, SK Hynix und Micron sitzen gerade extrem komfortabel, weil das Angebot knapp ist und die Nachfrage weiter steigt. Der Haken: Speicher ist historisch ein Auf-und-Ab-Geschäft. Boom-Bust-Boom-Bust. Der Unterschied diesmal ist, dass die Käufer keine Consumer-Elektronik-Hersteller sind, sondern Betreiber gigantischer KI-Rechenzentren mit mehrjährigen Investitionsplänen.
Anna: Für DACH-Unternehmen ist das Bild gemischt. Mehr Wettbewerb zwischen den drei großen Speicherherstellern hält die Lieferketten am Laufen, gut. Aber die Preise für die teuerste Speichersorte haben sich im vergangenen Jahr grob verdoppelt, und das landet in den Rechnungen jeder deutschen Bank, jedes Telekomkonzerns und jedes Forschungsinstituts, das gerade KI-Kapazität aufbaut. Und es zeigt, wie viel Wertschöpfung in der KI-Kette immer noch außerhalb Europas liegt, ganz konkret in Südkorea, Taiwan und den USA. Die europäische Chip-Strategie zielt zwar auf Produktion in Dresden, Magdeburg und Grenoble, aber beim Hochleistungsspeicher spielt Europa aktuell praktisch keine Rolle.
Klaus: Und übrigens passt dazu, dass Infineon heute in Dresden seine neue Smart Power Fab eröffnet hat. Rund fünf Milliarden Euro Investition, das Werk konzentriert sich auf Leistungshalbleiter für Elektroautos und Industrieanwendungen. Das ist kein direkter Konkurrent zu Samsungs KI-Speicher, aber es zeigt: Wenn Europa in irgendeinem Halbleitersegment vorne mitspielen kann, dann in Bereichen, in denen Asien nicht dominiert.
Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.
Micron beginnt Bau einer neun Milliarden Dollar teuren Speicherfabrik in Hiroshima mit massiver japanischer Staatshilfe.
Klaus: Bleiben wir bei Speicherchips, aber diesmal geht es weniger um KI und mehr um Industriepolitik und Beton. Micron Technology hat in Hiroshima den Spatenstich für eine neue Fabrik gesetzt. Investitionsvolumen: eineinhalb Billionen Yen, also rund neun Komma drei Milliarden Dollar. Produziert werden sollen fortschrittliche Speicherchips, darunter auch der Hochleistungsspeicher, über den wir gerade gesprochen haben. Die ersten Lieferungen sind für den Sommer 2028 geplant.
Anna: Und Tokio legt richtig viel Geld drauf. Die japanische Regierung steuert bis zu fünfhundert Milliarden Yen bei, also grob ein Drittel der Gesamtsumme. Das ist eine sehr bewusste Wette darauf, dass Japan sich in der Halbleiterindustrie wieder nach vorne kämpft, nachdem es jahrzehntelang gegen Südkorea und Taiwan Boden verloren hat. Hiroshima wird damit zu einem strategischen Knotenpunkt, nicht nur für Micron, sondern für Japans gesamte Industriepolitik.
Klaus: Und hier lohnt sich der direkte Vergleich mit Europa. Japan schießt bei einer einzigen Fabrik ungefähr ein Drittel der Kosten aus öffentlichen Mitteln zu. Der europäische Chips Act stellt für den gesamten Kontinent bis 2030 rund dreiundvierzig Milliarden Euro bereit. Industrieverbände in Deutschland und Österreich argumentieren seit Monaten, dass diese Summe im Verhältnis zu dem, was Asien und die USA aufbringen, bescheiden wirkt. Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat mehrfach mehr Tempo und mehr Geld für die konkreten Ansiedlungsprojekte in Sachsen-Anhalt und Sachsen gefordert.
Anna: Was ändert sich für Nutzer und Unternehmen? Mehr Speicherkapazität ab 2028 sollte helfen, die Preise zu stabilisieren und das Risiko der Engpässe zu senken, die wir während der Pandemie erlebt haben. Deutsche Autohersteller, Industrieunternehmen und Cloud-Anbieter, die alle massiv auf Speicherchips angewiesen sind, würden davon profitieren. Aber 2028 ist eben noch weit weg, und bis dahin bleibt die Abhängigkeit von wenigen Standorten in Asien bestehen.
Tesla deckelt KI-Ausgaben pro Mitarbeiter auf zweihundert Dollar pro Woche, weil Token-Rechnungen explodieren.
Klaus: Das nächste Thema ist in Dollar klein, aber im Aussagewert groß. Berichten zufolge hat Tesla intern eine Obergrenze eingeführt: Jeder Mitarbeiter darf pro Woche höchstens zweihundert Dollar für KI-Werkzeuge ausgeben. Der Auslöser laut dem Bericht: Einige Softwareentwickler bei Tesla haben pro Woche Tausende Dollar an KI-Tokens verbraucht. Das Unternehmen, das an vorderster KI-Front im Auto arbeitet, sagt jetzt intern: Bitte etwas weniger.
Anna: Das ist die etwas unangenehme Realität des aktuellen KI-Booms, über die selten gesprochen wird. Programmier-Assistenten und Agenten-Werkzeuge rechnen nach Nutzung ab, in sogenannten Tokens. Ein einzelner Entwickler, der lange automatische Aufgaben laufen lässt, kann Rechnungen produzieren, die vor zwei Jahren absurd geklungen hätten. Die Preismodelle waren auf leichte, gelegentliche Nutzung ausgelegt. Was in der Praxis passiert, besonders mit Agenten, die im Hintergrund weiterlaufen, ist ein deutlich schwererer Verbrauch.
Klaus: Und das landet früher oder später bei jeder Finanzabteilung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unternehmen haben im vergangenen Jahr KI-Werkzeuge ausgerollt, oft mit großzügigen Gratis-Stufen und vorhersehbaren Preisen pro Nutzer. Jetzt kommt die Rechnung, und sie ist variabel, undurchsichtig und manchmal schockierend. Finanzvorstände fragen inzwischen genau das, was Tesla sich offenbar auch fragt: Wer nutzt was, wie viel, und liefert das messbaren Wert.
Anna: Das Fazit ist, dass KI still und leise zu einer ernsthaften Kostenposition wird, nicht mehr nur zu einem Posten im Forschungsbudget. Für Unternehmen in der DACH-Region, gerade im öffentlichen Sektor mit strengen Ausgabenkontrollen, wirft das unangenehme Fragen auf. Wie schreibt man Nutzungsrechte für ein Werkzeug aus, dessen Verbrauch schwer zu prognostizieren ist? Und wie verhindert eine Kommune, dass eine Handvoll enthusiastischer Mitarbeiter das Jahresbudget in drei Wochen verbrennt? Antworten gibt es noch nicht, aber der Tesla-Deckel ist ein interessantes Signal, dass selbst Konzerne mit tiefen Taschen anfangen, konservativer zu werden.
LibrePhotos ist die kostenlose Foto-Bibliothek, die Gesichter, Orte und Objekte auf dem eigenen Rechner erkennt.
Klaus: Zum Abschluss zwei Sachen, mit denen du heute konkret etwas anfangen kannst. Der erste Fund ist für alle, die in Jahrzehnten von Fotos auf einem Laptop oder einer alten Festplatte ertrinken: LibrePhotos. Das ist ein kostenloses Open-Source-Werkzeug, das man auf dem eigenen Rechner oder einem kleinen Heimserver installiert. Es durchsucht die Foto-Bibliothek und ordnet automatisch nach Gesichtern, nach Orten, nach Objekten und nach Datum. Man kann also Dinge wie "Hund am Strand 2019" eintippen, und es findet sie einfach.
Anna: Der Reiz ist ziemlich klar. Nutzer berichten, dass sie die gleiche Art intelligenter Suche bekommen, die Google Photos oder Apple Photos anbieten, aber ohne ein einziges Bild in eine Cloud hochzuladen. Alles läuft lokal. Gerade in der DACH-Region, wo viele Menschen zunehmend skeptisch sind, ihre Familienfotos einer großen amerikanischen Plattform anzuvertrauen, ist das ein spürbarer Unterschied. Und es kostet nichts, es gibt kein Abo, keine Premium-Stufe.
Klaus: Die Einrichtung ist der ehrliche Vorbehalt. Man muss ein bisschen technisch versiert sein, um eine kleine Server-Software auf dem eigenen Gerät zum Laufen zu bringen. Es gibt Schritt-für-Schritt-Anleitungen auf der Projektseite, und für jemanden, der halbwegs sicher mit dem Computer umgeht, ist das ein Nachmittag Arbeit. Danach läuft es aber einfach still im Hintergrund und indexiert.
Anna: Ein sinnvoller Vergleich: Es macht im Grunde den Job, den die kostenpflichtige Stufe mancher Cloud-Foto-Dienste macht, und da summieren sich fünf oder sechs Euro im Monat über die Jahre. LibrePhotos verlangt nichts, und der Code ist offen, das heißt, Sicherheitsforscher können überprüfen, was mit den Bildern passiert. Für Familien mit zehntausenden Fotos, oder für Journalisten und Fotografen, die aus rechtlichen Gründen ihre Rohdaten im Haus behalten müssen, ist das eine ernsthafte Option. Läuft übrigens auf Linux, macOS und Windows.
Transportr ist die kostenlose Fahrplan-App, die europäische Städte ohne Tracking und ohne Werbung navigiert.
Klaus: Der zweite Fund ist wirklich einfach: Transportr. Das ist eine kostenlose Open-Source-App für den Nahverkehr, die auf Android läuft und Dutzende europäische Städte und Regionen abdeckt. Man tippt ein, wo man ist und wo man hin will, und die App zeigt Routen mit Zug, Straßenbahn, Bus und U-Bahn, alles aus den offiziellen Fahrplandaten der Verkehrsbetriebe.
Anna: Was Transportr von den großen Namen unterscheidet, ist das, was es nicht macht. Kein Konto nötig, keine Werbung, kein Tracking, kein Weiterverkauf von Daten. Die App spricht direkt mit den offenen Datenschnittstellen, die Verkehrsverbünde veröffentlichen, es sitzt also kein kommerzieller Zwischenhändler dazwischen. Das ist relevant, wenn man mehrmals am Tag den Nahverkehr nutzt und nicht möchte, dass jede Fahrt irgendwo geloggt wird.
Klaus: Für die DACH-Region ist die Abdeckung ziemlich gut. Deutschland, Österreich und die Schweiz sind breit unterstützt, mit Netzen wie der Deutschen Bahn, den Berliner Verkehrsbetrieben, den Wiener Linien, den SBB und vielen regionalen Verbünden. Und der Vorteil beim Reisen: Man wechselt einfach zwischen den Städten und Ländern, ohne für jedes Land eine eigene App installieren zu müssen. Fahrpläne, die man einmal abgerufen hat, funktionieren auch offline, was in U-Bahn-Schächten hilfreich ist.
Anna: Die Oberfläche ist bewusst schlicht. Die App versucht nicht, Fahrkarten, Restaurants oder E-Scooter zu verkaufen. Sie plant die Route und zeigt die Verbindungen, mehr nicht. Für alle, die sich über überladene Verkehrs-Apps voller Pop-ups ärgern, ist genau diese Zurückhaltung der Punkt. Verfügbar kostenlos über den freien App-Store F-Droid und auch über den Google Play Store.
Klaus: Heute ging es um den Start des UN-KI-Dialogs in Genf, Samsungs möglichen Sprung an Nvidia vorbei bei den Gewinnen, Microns neue Speicherfabrik in Hiroshima, Teslas internen Deckel für KI-Ausgaben, die Foto-Bibliothek LibrePhotos für den eigenen Rechner und die werbefreie Nahverkehrs-App Transportr.
Anna: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.
Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.