Sonntag, 5. Juli 2026 · 11:45
SK Telecom plant 15-GW-KI-Zentrum, 154.000 Tech-Jobs gestrichen
The State of Tech DE vom Sonntag, 5. Juli 2026: SK Telecom plant ein KI-Rechenzentrum mit bis zu 15 Gigawatt in Südkorea, während weltweit fast 154.000 Tech-Jobs im ersten Halbjahr 2026 gestrichen wurden – Oracle führt mit 25.000 Stellen die Liste an. Außerdem: Arm warnt vor Smartphone-Schwäche, Anthropic mietet Rechenkapazität bei SpaceX, und zwei praktische Open-Source-Tools für Musik und Küche.
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Transkript
Anna: Willkommen bei The State of Tech DE, Sonntag, der fünfte Juli 2026. Ich bin Anna Hoffmann.
Klaus: Und ich bin Klaus Bergmann. Heute geht es um diese sechs Themen: SK Telecom plant ein gigantisches KI-Rechenzentrum von bis zu fünfzehn Gigawatt in Südkorea. Fast hundertvierundfünfzigtausend Tech-Jobs sind im ersten Halbjahr weltweit verschwunden, Oracle führt die Liste an. Der Chip-Designer Arm warnt vor einem schwachen Smartphone-Markt, sieht aber Rettung durch den KI-Boom. Anthropic mietet Rechenleistung bei SpaceX, ein ungewöhnlicher Deal mit Signalwirkung. Danach zwei praktische Funde: der Musik-Player Feishin für die eigene Musiksammlung, und die Rezept-App Tandoor für die Küche zu Hause. Fangen wir an.
SK Telecom plant Asiens größtes KI-Rechenzentrum mit bis zu fünfzehn Gigawatt Leistung.
Anna: SK Telecom, der größte Telekomkonzern Südkoreas, will in Asien das bauen, was die Amerikaner gerade in Texas und Louisiana hochziehen: einen KI-Campus in einer Größenordnung, die man vor drei Jahren noch für Science-Fiction gehalten hätte. Bis zu fünfzehn Gigawatt Leistung, verteilt auf mehrere Standorte, mit dem Startpunkt Ulsan im Südosten des Landes. Zum Vergleich: ein einzelnes klassisches Kernkraftwerk liefert etwa ein Gigawatt. Wir reden hier also über den Stromhunger von fünfzehn Kernkraftwerken, nur für KI-Training und -Betrieb.
Klaus: Und die Zahlen dahinter sind atemberaubend. Für ein einziges Gigawatt an KI-Rechenzentrum rechnet SK Telecom mit etwa siebzig Billionen koreanischen Won, das sind grob vierundvierzig Milliarden Euro pro Gigawatt. Bei fünfzehn Gigawatt landet man in einer Region, die kein einzelner Konzern mehr allein finanzieren kann. Deshalb sucht SK Telecom aktiv nach strategischen Partnern, Projektfinanzierung und Staatsbürgschaften. Bis 2029 sollen die ersten fünf Gigawatt ans Netz gehen, der Rest kommt danach schrittweise.
Anna: Interessant ist die geopolitische Lesart. Südkorea will nicht nur Chips exportieren, sondern die komplette KI-Wertschöpfungskette im Land halten, vom Speicher aus den Fabriken von Samsung und SK Hynix bis zum Training großer Modelle. Für europäische Betreiber und Regierungen ist das ein Signal: Wer heute nicht Gigawatt bestellt, spielt in fünf Jahren keine Rolle mehr im KI-Infrastruktur-Rennen.
Klaus: Genau da liegt der Knackpunkt für die DACH-Region. Die Bundesnetzagentur meldet Wartezeiten von fünf bis sieben Jahren für neue Rechenzentrums-Anschlüsse in Ballungsgebieten. Während SK Telecom in Ulsan plant, streiten Kommunen in Deutschland noch darüber, ob ein Rechenzentrum überhaupt willkommen ist. Diskussionen über Abwärme-Nutzung, Wasserverbrauch und Netzstabilität sind berechtigt, aber sie sind auch der Grund, warum der Abstand zu Asien und den USA gerade jeden Monat wächst.
Fast 154.000 Tech-Jobs verschwinden 2026, Oracle streicht allein 25.000 Stellen wegen KI-Umbau.
Anna: Die Zahlen kommen langsam an einem Punkt, an dem man nicht mehr von einer Korrektur sprechen kann. Fast hundertvierundfünfzigtausend Stellen sind im ersten Halbjahr 2026 in der globalen Tech-Branche gestrichen worden. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 waren es rund zweihundertsechsundvierzigtausend. Wenn das Tempo hält, überholt 2026 das Vorjahr locker. Und der Auslöser ist inzwischen ziemlich eindeutig: Automatisierung durch KI, kombiniert mit einer harten Verlagerung der Investitionen von Personal zu Infrastruktur.
Klaus: Oracle ist der auffälligste Fall. Fünfundzwanzigtausendsiebenhundertvierundfünfzig Stellen weniger, das entspricht einem signifikanten Teil der Belegschaft, und passiert parallel zu einem massiven Ausbau der eigenen Cloud- und KI-Kapazitäten. Amazon liegt mit rund sechzehntausend Kürzungen auf Platz zwei. Beide Konzerne senden dieselbe Botschaft an ihre Investoren: Wir bauen nicht ab, wir bauen um. Weg von Vertriebs- und Support-Teams, hin zu Rechenzentren und spezialisierten KI-Ingenieuren.
Anna: Was in den Statistiken untergeht: Es sind nicht nur die klassischen Junior-Rollen, die verschwinden. Mittleres Management, Projektmanager, Qualitätssicherung, sogar erfahrene Software-Entwickler in weniger strategischen Bereichen sind betroffen. Analysten sprechen von einem selektiven Arbeitsmarkt, in dem die Nachfrage nach KI-Spezialisten explodiert, während breite Bereiche schrumpfen.
Klaus: Der Bitkom-Verband warnt allerdings vor einem Zwei-Klassen-Arbeitsmarkt. Wer heute KI-Kompetenzen mitbringt, verhandelt Gehälter wie nie zuvor. Wer klassische IT-Rollen füllt, spürt zunehmend Druck. Weiterbildung ist die einzige belastbare Antwort, und die IHK und einige Bundesländer haben Programme aufgelegt. Ob das reicht, wird sich in den nächsten zwei Jahren zeigen.
Anna: Kurze Unterbrechung. Wenn du The State of Tech DE regelmäßig hörst, drück auf Like und abonniere den Podcast, so verpasst du keine Folge. Weiter geht's.
Arm warnt vor Smartphone-Flaute, sieht aber Rettung durch massives Wachstum bei KI-Rechenzentren.
Klaus: Arm ist einer dieser Namen, die viele Verbraucher nicht kennen, obwohl fast jedes Smartphone auf der Welt einen Chip mit Arm-Architektur trägt. Der britische Konzern verdient an Lizenzen für sein Chip-Design, und wenn weniger Smartphones verkauft werden, spürt Arm das direkt. Genau davor warnen sie jetzt: Der globale Handy-Markt schwächelt spürbar. Konsumenten warten länger mit dem Wechsel, in Schwellenländern kaufen sie günstigere Modelle, und die großen Innovationsschübe der letzten Jahre bleiben aus.
Anna: Aber die Geschichte ist nicht düster. Arm hat sich in den letzten Jahren aggressiv in Rechenzentren gedrängt, dort, wo bisher Intel und AMD dominierten. Amazon-Web-Services, gesprochen ie-dabbel-ju-es, setzt schon seit Jahren auf Arm-Chips für die eigene Cloud, und Microsoft und Google ziehen nach. Der KI-Boom beschleunigt das massiv, weil Arm-Chips oft energieeffizienter sind, und Energie ist bei den geplanten Gigawatt-Anlagen der teuerste Faktor.
Klaus: Interessant wird die Sache in Kombination mit einer zweiten Meldung von gestern: Anthropic, die Firma hinter dem KI-Assistenten Claude, hat sich Hunderte Megawatt Rechenleistung bei SpaceX gesichert. Konkret in einer Anlage namens Colossus One. Ein KI-Labor mietet also Rechenkapazität bei einem Raumfahrtunternehmen. Das zeigt, wie eng der Markt für sofort verfügbare Rechenleistung ist. Wer heute trainieren will, nimmt jede Steckdose, die Strom liefert.
Anna: Der Halbleiterverband ZVEI weist darauf hin, dass Rechenzentrums-Chips andere Fertigungsprofile brauchen als Smartphone-Chips: größere Dies, andere Kühlung, andere Testverfahren. Wer nur auf Handy-Zulieferung ausgerichtet ist, muss investieren. Wer flexibel ist, profitiert. Und da liegt ein Vorteil der deutschen Industrie, die traditionell auf Industriekunden und Server-Segmente stark ist.
Die USA verschärfen KI-Exportkontrollen kurzzeitig, Regierungen erwägen direkte Beteiligungen an KI-Laboren.
Klaus: Hier wird es politisch spannend. Berichte aus Washington und Neu-Delhi deuten darauf hin, dass beide Regierungen ernsthaft prüfen, sich mit Minderheitsanteilen an großen KI-Laboren zu beteiligen. Das ist ein Bruch mit der klassischen westlichen Doktrin, dass Staaten sich aus Tech-Firmen heraushalten. Der Gedanke dahinter: Wenn KI wirklich so systemrelevant wird, wie alle behaupten, dann kann sich kein Staat leisten, ausschließlich zuzuschauen. Ein Modell wie der Alaska Permanent Fund, wo Bürger direkt an Rohstofferlösen beteiligt sind, wird ausdrücklich als Vorbild genannt.
Anna: Parallel gab es Anfang Juli einen bemerkenswerten Vorfall. Eine kurzfristige Verschärfung der US-Exportkontrollen für KI-Modelle zwang Anthropic, einige der leistungsfähigsten Versionen ihrer Modelle vorübergehend abzuschalten, weil unklar war, welche Länder überhaupt noch zugreifen dürfen. Nach wenigen Stunden wurde die Beschränkung wieder gelockert, aber der Schock saß. Für Unternehmenskunden, die auf diese Modelle produktiv setzen, ist so eine Unterbrechung ein echtes Problem.
Klaus: Und aus China kommt gleichzeitig neuer Druck. Ein Modell namens GLM 5.2 vom Anbieter Z.ai zeigt in unabhängigen Benchmarks starke Leistungen, besonders beim Programmieren und bei autonom arbeitenden KI-Helfern, sogenannten Agenten. Zu deutlich niedrigeren Preisen als bei den amerikanischen Anbietern. Das setzt die westlichen Labore doppelt unter Druck: einerseits durch politische Eingriffe, andererseits durch chinesische Konkurrenz.
Anna: Die Europäische Kommission hat bisher betont, dass sie über Regulierung und Fördermittel arbeitet, nicht über Beteiligungen. Ob dieser Kurs hält, wenn die USA plötzlich Aktienpakete an OpenAI oder Anthropic haben, ist offen. Deutsche und französische Politiker haben in den letzten Wochen jedenfalls sichtbar begonnen, laut über eine europäische Beteiligung an Mistral oder Aleph Alpha nachzudenken.
Der freie Musik-Player Feishin macht die eigene Musiksammlung wieder streambar auf allen Geräten.
Klaus: Kommen wir zu zwei Sachen, mit denen du heute Nachmittag direkt etwas anfangen kannst. Der erste Fund richtet sich an alle, die eine echte Musiksammlung besitzen, gekaufte MP3s, hochwertige FLAC-Dateien, vielleicht CDs, die vor Jahren gerippt wurden, und die diese Sammlung wieder ernsthaft nutzen wollen, ohne Spotify, Apple Music oder Amazon. Die App heißt Feishin, geschrieben F-E-I-S-H-I-N, und sie ist kostenlos.
Anna: Feishin ist ein sogenannter Client, also ein Abspieler. Sie braucht einen kleinen Server im Hintergrund, meistens Navidrome oder Jellyfin, das läuft auf jedem alten PC oder auf einem Netzwerkspeicher zu Hause. Einmal eingerichtet, hast du deine gesamte Sammlung wie einen eigenen Streamingdienst zur Verfügung, auf Windows, macOS, Linux, iOS und Android. Playlists, intelligente Empfehlungen, Album-Cover, Sortierung nach Künstler oder Genre, alles was Nutzer von kommerziellen Diensten gewohnt sind.
Klaus: Der große Unterschied: Deine Hördaten verlassen dein Zuhause nicht. Keine Werbung, keine Empfehlungsalgorithmen, die dich in eine Hörblase drücken, keine Verhandlungen zwischen Plattenfirmen und Streamingdiensten, die plötzlich Alben verschwinden lassen. Nutzer, die viel Zeit in HiFi-Foren verbringen, loben besonders die Audio-Qualität, weil Feishin verlustfreie Formate nativ unterstützt.
Anna: Wichtig zu wissen: Der Ersteinrichtungs-Aufwand ist real. Wer noch nie einen Server zu Hause aufgesetzt hat, sollte einen Nachmittag einplanen und eine der zahlreichen Anleitungen im Netz durcharbeiten. Danach läuft das System aber jahrelang. Für alle, die den Streaming-Abos entkommen wollen und noch eine echte Sammlung haben, ist Feishin einer der elegantesten Wege dorthin.
Die Rezept-App Tandoor bringt Ordnung in die eigene Küche und den Wochenplan.
Klaus: Zum Abschluss noch ein zweiter Fund, ganz ohne KI, ganz aus dem Alltag. Die App heißt Tandoor, geschrieben T-A-N-D-O-O-R, benannt nach dem indischen Ofen. Sie richtet sich an Haushalte, die Rezepte sammeln, Wochenmenüs planen und Einkaufslisten aus diesen Menüs automatisch generieren wollen, ohne dass ein Konzern wie Google oder Meta mitliest, was heute Abend auf den Tisch kommt.
Anna: Der Charme liegt in der Import-Funktion. Wer ein Rezept auf einer bekannten Kochseite findet, gibt einfach die Adresse in Tandoor ein, und die App extrahiert Zutaten, Mengen, Schritte und Bilder automatisch. Nutzer berichten, dass die Erkennung bei den großen deutschsprachigen Kochportalen sehr zuverlässig funktioniert. Die eigenen Rezepte, die vielleicht seit Jahren in einem Ordner liegen, lassen sich manuell nachtragen und mit Fotos versehen.
Klaus: Aus dem Wochenplan generiert Tandoor eine sortierte Einkaufsliste, die man dann auf dem Handy im Supermarkt abhaken kann. Und weil die App Open Source ist und selbst gehostet wird, bleibt alles im eigenen Haushalt. Familien, die mit einer geteilten Bibliothek arbeiten, loben besonders die Mehrbenutzer-Funktion, weil Partner gleichzeitig Rezepte hinzufügen und Einkaufslisten pflegen können.
Anna: Für alle, die weder ihre Essgewohnheiten noch ihren Wocheneinkauf einem großen Konzern zur Auswertung überlassen wollen, ist Tandoor eine ernsthafte Alternative zu den kommerziellen Rezept- und Planer-Apps. Und ganz nebenbei kommt am Ende der Woche vielleicht sogar öfter etwas Selbstgekochtes auf den Tisch.
Klaus: Damit sind wir am Ende der heutigen Folge.
Anna: Heute ging es um SK Telecoms fünfzehn-Gigawatt-KI-Rechenzentrum in Südkorea, um hundertvierundfünfzigtausend gestrichene Tech-Jobs weltweit mit Oracle an der Spitze, um Arms Warnung vor dem schwachen Smartphone-Markt und den Anthropic-SpaceX-Deal, um Regierungen, die Beteiligungen an KI-Laboren erwägen und Anthropics kurzen Modell-Ausfall wegen Exportkontrollen, um den freien Musik-Player Feishin für die eigene Musiksammlung, und um die Rezept- und Wochenplan-App Tandoor.
Klaus: Mehr wissen oder Feedback geben? Besuche stateoftech.de oder schreib uns an info@doorzetters.net.
Klaus: State of Tech, die Tech-Welt in 15 Minuten.